13.06.2017 | Serie Jahreskonferenz Strategisches Management 2017

Unternehmen sucht Start-up: Kooperation als Katalysator für Innovation?

Serienelemente
Dr. Bastian Halecker, Gründer und CEO von Nestim, auf der Jahreskonferenz Strategisches Management 2017
Bild: Horváth Akademie GmbH

Auf der Suche nach Innovation suchen etablierte Unternehmen ihr Heil in der Zusammenarbeit mit  Start-ups. Woran es Unternehmen beim Thema Innovation mangelt, welche Vorteile solche Kooperationen mit sich bringen und was eine erfolgreiche Kooperation nötig ist, berichtet der Innovationsexperte Dr. Bastian Halecker

Dr. Bastian Halecker, Gründer und CEO der Nestim GmbH (Nestim), befasst sich damit, Start-ups und etablierte Unternehmen zusammenzubringen, um gemeinsam an disruptiven Innovationen zu arbeiten. In seinem Vortrag ging er auch der Frage nach, weshalb deutsche Unternehmen sich mit dem Thema Innovation schwertun und welche Rolle Start-ups dabei für sie spielen.

Die Innovationsprobleme deutscher Unternehmen

Im Laufe seiner Zusammenarbeit mit deutschen Unternehmen ist Dr. Halecker immer wieder auf Phänomene in der Innovationsarbeit gestoßen, die möglicherweise eine Erklärung dafür liefern, weshalb Innovationsprojekte oftmals unterhalb der Erwartungen bleiben.

Viele Ideen, wenig Umsetzung

Am Anfang eines Innovationsprozesses steht die Ideenfindung. Generell könnte man der Meinung sein, dass insbesondere in dieser Phase das Kredo „je mehr desto besser“ gelte. Laut Dr. Halecker ist dies nur dann relevant, wenn die entwickelten Ideen auch weiterverfolgt werden. Das Problem läge nämlich genau darin: deutsche Unternehmen nutzen Methoden wie zum Beispiel das Design Thinking und Business Modelling, um in kurzer Zeit eine Vielzahl an Konzepten zu entwickeln, die dann jedoch nicht umgesetzt werden. Stattdessen landen sie in Schubladen und verstauben dort.

Gefangen in der Prozess-Denke

Diese Beobachtung geht mit einer zweiten einher. Während Innovation ein kreativer Prozess mit iterativen Arbeitsschleifen ist, gehen deutsche Großunternehmen und Konzerne dieses Thema sehr prozessorientiert an. Die damit einhergehenden starren Vorgaben und Anforderungen an einen solchen Innovationsprozess schränken den so wichtigen kreativen Freiraum stark ein.

Unüberlegter Tatendrang und fehlende Reflektion

Ein weiterer Grund, weshalb viele Innovationsinitiativen ins Leere laufen, ist laut Dr. Halecker dem neu-erwachten Tatendrang der Unternehmen geschuldet. Er beobachtet, dass etablierte Unternehmen sich seltener die Frage stellen, ob ihre Ideen bereits in irgendeiner Form am Markt existieren. Durch diese fehlende Reflektion der eigenen Konzepte und dem Abgleich mit bereits existierenden Produkten, werden Ressourcen in Projekte und Konzepte investiert, die oftmals bereits zu Beginn zum Scheitern verurteilt sind.

Zu viel Perfektionismus, zu wenig Pragmatismus

Während Unternehmen also beim Innovieren zu wenig Augenmerk auf den Markt und Wettbewerb legen, fokussieren sie sich dafür umso mehr auf einen hohen Grad an Perfektion. Halecker spricht hier plakativ von den 120 Prozent, die man mit dem ersten Konzept versuche zu erreichen. Dies bremse die Schnelligkeit der Unternehmen. Während Großunternehmen also noch an Konzeptpapieren arbeiten, haben Start-ups bereits einen ersten Prototyp entwickelt. Und wenn die Unternehmen dann an ihrem ersten Entwurf und dessen Perfektionierung arbeiten, experimentieren die Start-ups bereits im Markt, und zwar mit ihrer vielleicht vierten oder fünften Version.

Mehr Lösungen als existierende Probleme

Dies könnte ein Hinweis auf ein weiteres Problem sein: eine zu geringe Problemorientierung. Innovationskonzepte von Konzernen bieten nach Haleckers Erfahrungen viel mehr Lösungen an als Probleme am Markt vorhanden sind. Soll heißen: Die Innovatoren kegeb ihren Fokus zu sehr auf das Produkt und seinen Funktionalitäten, anstatt sich mit einem konkreten Problem von Kunden zu befassen.

Start-ups haben, was Unternehmen fehlt - und umgekehrt

Es scheint fast so, als müssten etablierte Unternehmen kaum überwindbare Hürden meistern, um dieselbe Innovationskraft, Agilität und Experimentierfreudigkeit der Start-ups aufzubringen. Viele Manager beschäftigen sich daher mit der Frage, wie ein solcher Wandel in ihrer Organisation vollzogen werden kann. Doch vielleicht ist dies genau die falsche Frage.

Dr. Halecker stellt fest, dass Start-ups genau jene Fertigkeiten mitbringen, die große Unternehmen suchen. Zeitgleich streben Start-ups nach den Assets der etablierten Unternehmen, wie zum Beispiel Kapital, einer etablierten Marke oder dem Zugang zu Märkten und Kunden. Weshalb also nicht eine Symbiose schaffen und von den Fähigkeiten des jeweils anderen profitieren?

Co-Innovation statt Corporate Innovation

Dr. Halecker unterstützt daher etablierte Unternehmen, die genau diesen Ansatz verfolgen wollen und hilft bei der Suche nach geeigneten Start-ups.

Dabei bietet Nestim drei konkrete Services an, die sowohl in der Vorbereitung als auch in der konkreten Umsetzung von Innovationen zum Einsatz kommen.

  • Beim sogenannten Matchmaking identifiziert Nestim potentiell interessante Start-ups. Hierzu werden beispielsweise Start-up Touren in Berlin organisiert, bei denen Manager von Unternehmen die Möglichkeit haben, gleich mehrere Start-ups kennenzulernen, um neue Partnerschaften oder gleich ganze Eco-Systeme zu bilden.
  • Darüber hinaus verstehen sich Dr. Halecker und sein Team als digitale Kuratoren, die den Unternehmen bei der Zusammenstellung ihrer Innovationsteams helfen.
  • Auch in der Phase des Prototyping bieten sie eigens entwickelte und erprobte Tools an, um in kurzer Zeit erste Versuche durchzuführen und Innovationskonzepte auf ihre Machbarkeit hin zu testen.

Schlagworte zum Thema:  Innovation, Startup, Kooperation, Strategisches Management, Konferenz, Digitalisierung

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