Finance Transformation – wenn nach der Konzeption die Umsetzung ansteht
Im Konsolidierungsteil der Fachkonferenz präsentierte die Miele & Cie. KG, vertreten durch Gruppen-Controller Arthur Harder, den aktuellen Stand ihres Transformationsprojekts „ONE Miele Finance". Ziel des Projekts ist es, eine konsistente, integrierte Finanzberichterstattung als Grundlage einer leistungsfähigen Unternehmenssteuerung zu etablieren – getragen von einer harmonisierten Datenbasis, einer einheitlichen Systemlandschaft und einer integrierten Finance Organization. Der Vortrag zeigte eindrücklich, wie weit das Projekt in den vergangenen zwölf Monaten gereift ist: von der Konzeption zur operativen Realität – mit ersten produktiven Abschlüssen, einem live gegangenen Datenmodell und einer Organisation im Wandel. Gleichzeitig wurde deutlich, dass der Weg zu einer integrierten, zukunftsfähigen Finanzorganisation anspruchsvoll bleibt und vor allem eines erfordert: Ausdauer, Anpassungsfähigkeit und konsequentes Change Management.
Zum Vortrag von Arthur Harder auf der Konferenz 2025.
Ziel der ONE Miele Finance Reise
Miele, ein Familienunternehmen mit über 125 Jahren Tradition, verfolgt mit „ONE Miele Finance" das Ziel, eine konsistente, stabile und integrierte Finanzberichterstattung als Grundlage einer leistungsfähigen Unternehmenssteuerung zu etablieren. Durch eine harmonisierte Datenbasis, eine integrierte Systemlandschaft sowie abgestimmte Prozessflüsse soll künftig eine ganzheitliche Finanzberichterstattung ermöglicht werden. Organisatorisch entsteht dabei eine „One Finance Organization", die sich durch gemeinsame Prinzipien, standardisierte Prozesse und Schnittstellen, einheitliche Richtlinien sowie umfassende Dokumentationen auszeichnet – mit dem Ziel, Effizienz und Zusammenarbeit zwischen Accounting, Controlling sowie den Steuer- und Nachhaltigkeitsabteilungen langfristig zu stärken.
Die Vision einer „One Finance Organization" wird dabei zunehmend Realität. Im vergangenen Jahr lag ein besonderer Fokus darauf, diese Vision nicht nur konzeptionell zu entwickeln, sondern nachhaltig in der Organisation zu verankern. Insbesondere durch umfangreiche Trainingsprogramme wurden Mitarbeitende weltweit auf das neue Datenmodell sowie die zukünftigen Prozessabläufe vorbereitet. Diese Trainings erwiesen sich als zentraler Baustein, um Verständnis zu schaffen und eine hohe Adoptionsrate sicherzustellen.
Mieles Ansatz für ein integriertes Performance Management – Fortschritt im Umsetzungsjahr
Im zurückliegenden Jahr hat sich das Projekt deutlich von der Konzeptions- und Implementierungsphase in Richtung operativer Anwendung entwickelt. Zukünftige Finanzberichte umfassen eine einheitliche Gewinn- und Verlustrechnung (ONE P&L), Bilanz (ONE BS) und Kapitalflussrechnung (ONE CF). Auch Planung und Forecasting sollen künftig diesem einheitlichen Ansatz folgen.
Ausgangspunkt war eine heterogene Systemlandschaft, die den Konsolidierungsprozess erschwerte und die Zusammenarbeit zwischen Accounting und Controlling komplex gestaltete. Als zentraler Lösungsansatz wurde ein einheitliches Datenmodell mit hoher Datenqualität eingeführt, das sowohl finanzielle als auch nicht-finanzielle Daten in einem bedarfsorientierten Reporting zusammenführt. Die zukünftige Finanz-IT-Landschaft umfasst u.a. SAP S/4HANA, CCH Tagetik für Konsolidierung, ESG-Berichterstattung und BEPS Pillar II sowie SAP BW + SAP SAC für Planung und Reporting – verbunden durch eigens entwickelte Schnittstellen für einen integrierten und effizienten Datenfluss.
Die Implementierung erfolgte schrittweise mit mehreren Go-Lives im Jahr 2025. Regelmäßige, teilprojektübergreifende Integrationsmeetings stellen dabei sicher, dass Konzepte aufeinander abgestimmt, Prozesse klar definiert und Systemrollen sowie Verantwortlichkeiten einheitlich verankert werden.
Ein bedeutender Meilenstein war der Halbjahresabschluss, der erstmals unter Verwendung der neu entwickelten Schnittstellen sowie des harmonisierten Prozesses durchgeführt wurde. Dabei wurden nicht nur die Systeme erfolgreich getestet, sondern auch das Shared Service Center aktiv eingebunden, die Gesellschaften stärker in das Konsolidierungssystem integriert und erste praktische Erfahrungen mit dem neuen End-to-End-Datenfluss gesammelt. In Q3 folgte eine vertiefte Auseinandersetzung mit den einzelnen Entities, um Unterschiede in Datenqualität, Prozessreife und Systemnutzung gezielt zu adressieren und weiter zu harmonisieren. Ein weiterer zentraler Meilenstein war der erfolgreiche Jahresabschluss mit Tagetik.
Zu Beginn des Jahres 2026 (Q1) verlagerte sich der Fokus auf die Nutzung und Weiterentwicklung des CO-Datenmodells sowie die Stabilisierung der gesamten Datenbasis und technischen Infrastruktur. Gleichzeitig rückten neue strategische Themen in den Mittelpunkt: die organisatorische Verankerung des Datenmodells durch gezieltes Change Management, der Aufbau eines effizienten Monatsabschlussprozesses sowie die Etablierung weiterer Governance-Strukturen zur nachhaltigen Sicherung einheitlicher Standards.
Hervorzuheben ist im Kontext der Projektentwicklungen insbesondere die starke Einbindung des Shared Service Centers – eine bedeutende Veränderung in der Arbeitsweise, die trotz hoher Anforderungen bereits erste Wirkung zeigt: harmonisiertere Prozesse, effizientere Ausführung sowie einheitliche Standards und Workflows.
Erreichte Verbesserungen auf der Reise zu ONE Miele Finance
Seit dem letzten Jahr konnten bedeutende Fortschritte erzielt werden – insbesondere durch die Überführung von Konzepten in die operative Praxis.
Zu den wichtigsten Entwicklungen zählen:
Etablierung eines einheitlichen Datenmodells, das nun aktiv genutzt wird
Deutliche Verbesserung der Datenqualität durch echte Anwendungsszenarien
Stärkere Verzahnung von Accounting, Controlling und Shared Service Center
Produktive Nutzung der Schnittstellen und Systeme in ersten Abschlüssen
Zudem hat sich gezeigt, dass die groß angelegten Trainingsmaßnahmen eine Schlüsselrolle spielen. Sie ermöglichen nicht nur technisches Verständnis, sondern unterstützen aktiv den kulturellen Wandel hin zu einer integrierten Finance-Organisation.
Die Organisation befindet sich weiterhin in einem intensiven Lernprozess. Insbesondere die praktische Anwendung hat neue Herausforderungen sichtbar gemacht, die nun gezielt adressiert werden.
LESSONS LEARNED und EMPFEHLUNGEN
Der Vortrag machte deutlich, dass Transformationsprojekte dieser Größenordnung von Herausforderungen und Lernkurven geprägt sind. Besonders im vergangenen Jahr hat sich gezeigt:
- Ambitionierte Ziele sollten mit ausreichender Flexibilität in der Umsetzung verbunden werden
- Große Transformationsprojekte verlaufen nicht linear, sondern sind von Höhen und Tiefen geprägt
- Change braucht Zeit – insbesondere bei tiefgreifenden organisatorischen und prozessualen Veränderungen
- Zwischenziele und Teilerfolge sollten bewusst anerkannt und kommuniziert werden
- Reale Tests und produktive Anwendungen sind unverzichtbar, um Konzepte nachhaltig zu validieren
Zusätzlich wurde erneut unterstrichen, dass konsequentes Change Management, die frühzeitige und kontinuierliche Einbindung aller Stakeholder, klare Governance-Strukturen sowie eine hohe Datenqualität als Fundament entscheidende Erfolgsfaktoren für ein Projekt dieser Dimension darstellen.
Mit Blick auf die Zukunft gilt es, die Systemlandschaft und Datenflüsse weiter zu stabilisieren, lokale Abschlussprozesse zu optimieren sowie das Shared Service Center weiter zu integrieren und in seinen Fähigkeiten auszubauen. Ebenso steht die nachhaltige Verankerung des Operating Models in der gesamten Organisation im Mittelpunkt der kommenden Projektphasen.
Mit „ONE Miele Finance" hat Miele einen entscheidenden Schritt in Richtung einer integrierten, effizienten und zukunftsfähigen Finanzorganisation gemacht – der Weg ist klar, auch wenn er weiterhin konsequente Weiterentwicklung und Anpassungsfähigkeit erfordert.