Serienelemente
Bild: International Group of Controlling (Hrsg.), Controller-Kompetenzmodell, 2016

Ziel des Forecast ist es, frühzeitig Informationen über zu erwartende Abweichungen zu liefern, damit man Maßnahmen zur Schließung von Ziellücken entwickeln kann. Entsprechend sind  Kennntnisse über die „Gesetzmäßigkeiten“ der Märkte und die kritischen Erfolgsfaktoren eines Geschäftsmodells eine unverzichtbare Controller-Fähigkeit.

Zuordnung prozessspezifischer Controller-Kompetenzen

Ziel des Hauptprozesses „Forecast“ ist es, frühzeitig Informationen über zukünftig zu erwartende Abweichungen zu liefern, zielgerichtete Maßnahmen zur Schließung von Ziellücken zu entwickeln, sowie ggf. schnelle Anpassungen der Umsatz-, Kosten- und Investitionsbudgets etc. bei sich verändernden Rahmenbedingungen zu initiieren. Im Rahmen des Forecasts erfolgt eine Einschätzung der zukünftigen wirtschaftlichen Entwicklung sowie der Auswirkung auf Ziele, Pläne und Budgets unter Berücksichtigung von Gegensteuerungsmaßnahmen und Ressourcen­anpassungen. Der Forecast geht damit über eine einfache Prognose hinaus. Gegenstand sind finanzielle und nicht-finanzielle Informationen sowie Simulationen und Szenarien. Der Forecast kann sowohl regelmäßig (Standard-Forecast) als auch unregelmäßig (Ad-hoc-Forecast) für das Unternehmen als Ganzes oder für einzelne Themen, Einheiten oder Projekte erstellt werden. Für den Hauptprozess wurden die folgenden den Kompetenzklassen zugeordneten erfolgskritischen Controller-Kompetenzen herausgearbeitet (s. Abb. 1).

Abb. 2 (vgl. Erläuterung in "Strategische Planung") klassifiziert die für den Forecast-Prozess erfolgskritischen Controller-Kompetenzen nach Output-Kategorien.

Beschreibung prozessspezifischer Controller-Kompetenzen

Für den Hauptprozess „Forecast“ wird exemplarisch die Controller-Kompetenz Marktverständnis in Tab. 1 für eine detaillierte Beschreibung ausgewählt.

Marktverständnis (F; KA; S)

Fähigkeit, sich Marktkenntnisse zu erarbeiten und entsprechend zu handeln

Erläuterung:

Marktkenntnisse umfassen alle sachlichen und methodischen Kenntnisse für die Absatzvorbereitung, die Absatzdurchführung und die entsprechenden Absatzverpflichtungen. Dazu zählen Kenntnisse über grundlegende Faktoren wie Produkte, Preise, die Distribution und die Kommunikation sowie Kenntnisse über Wettbewerber bzw. Marktteilnehmer. Ein Verständnis der „Gesetzmäßigkeiten“ der Märkte, der konkreten Marktentwicklung und der kritischen Erfolgsfaktoren eines Marktes ist eine wichtige Erfolgsgrundlage.

Kompetenzbegriff:

  • Bereitet sachgerechte betriebliche Entscheidungen auf Basis des notwendigen Detailwissens über Absatz, Verkauf, Marketing, Werbung, Wettbewerber, Lieferanten etc. vor.
  • Informiert sich laufend über Markt- und Branchenentwicklungen und verfügt über entsprechende Informationsquellen.
  • Ist ein anerkannter Gesprächspartner des Managements in Marktfragen.

Kompetenzübertreibung:

Verzettelt sich in Detailbetrachtungen, mischt sich zu stark in Marktfragen ein, verlässt sein Kerngeschäft als Controller.

Legende:

F: Fach-Kompetenz KA: Output-Kategorie Know-how-Anwendung

S: prozessspezifische Kompetenz

Besondere Relevanz – Hauptprozesse

Strategische Planung, Forecast, Management Reporting, Betriebliche Beratung und Führung

Begründung Auswahl – Forecast:
Für einen aussagekräftigen und erfolgswirksamen Forecast ist fundiertes Marktverständnis erforderlich. Die relevanten Ergebnistreiber (Rohstoffpreise, Absatzmengen, Verkaufspreise etc.) nutzt der Controller, um ergebnisverbessernde Maßnahmen zu definieren und Marktprozesse mithilfe des notwendigen methodischen Wissens zu analysieren sowie zu steuern. Der Markt ist eine zentrale Informationsquelle für den Forecast. Unvorhergesehene Marktbewegungen werden im Forecast mit Sollwert-Anpassungen berücksichtigt.

Tab. 1: Marktverständnis als prozessspezifische Controller-Kompetenz – „Forecast“ (in Anlehnung an Heyse/Erpenbeck/Ortmann 2010, S. 123 ff.)

Beispiel: Skalierung Marktverständnis (F; KA; S)

Fähigkeit, sich Marktkenntnisse zu erarbeiten und entsprechend zu handeln

1

Ist bereit, sich mit dem Markt zu beschäftigen.

2

Ist in der Lage, Marktinformationen richtig einzuschätzen und bei der Entscheidungsfindung einzubeziehen.

3

Verfügt über entsprechende Kenntnisse und Informationsquellen, um den Markt eigenständig zu analysieren.

4

Bereitet sachgerechte betriebliche Entscheidungen auf Basis des notwendigen Detailwissens über Absatz, Verkauf, Marketing, Werbung, Wettbewerber etc. vor.

5

Ist ein anerkannter Gesprächspartner des Managements in Marktfragen.

Tab. 2: Skalierung der prozessspezifischen Controller-Kompetenz Marktverständnis

Der gesamte Hauptprozess erfordert das in Tab. 3 dargestellte prozessspezifische Fachwissen von Controllern.

Know-how-Katalog

IGC-Hauptprozess Forecast

Aktuelle Geschäftsentwicklung

Kenntnisse über aktuelle Markt- und Geschäftsentwicklungen (z. B. Konjunktur­abschwächung, Rohstoffpreise etc.)

Verständnis der strategischen und operativen Performancetreiber des Geschäfts und Kenntnis der die Performance beeinflussenden geplanten und bereits getroffenen Maßnahmen des Managements

Planungs- und Forecast-instrumente

Kenntnisse über Instrumente wie Erwartungsrechnungen, Hochrechnungen

Kenntnisse über mathematisch-statistische und betriebswirtschaftliche Analyseverfahren, um kurz- und langfristige Vorhersagen (z. B. Absatz-möglichkeiten oder Marktpotenziale) treffen zu können: Simulationen und Szenariotechniken, qualitative Prognoseverfahren (z. B. Delphi Methode, Relevanzbaum-Verfahren, Trendprognosen etc.), explorative Datenanalyse und prädiktive, quantitative Analyseverfahren

Rechnungswesen und Reporting

Kenntnisse über das externe bzw. interne Rechnungswesen (Monatsabschluss, Abgrenzungen, Rückstellungen, Bewertung etc.)

Kenntnis der mit dem Forecast verbundenen Prozesse wie Management-Reporting, operative Planung & Budgetierung, Projektcontrolling, Risikomanagement etc.

Datenanalyse: Kenntnisse über verschiedene Analyseinstrumente zur Verdichtung von Daten zu Informationen, wie z. B. die betriebswirtschaftliche Abweichungsanalyse

IT-Werkzeuge

Kenntnisse betreffend ERP-Systeme

IT-Werkzeuge für den Umgang mit großen und komplexen Datensätzen (Datenbank-Software; Analyse-Software inkl. Analyseprogramme für Massendaten; Tabellenkalkulation etc.)

IT-Werkzeuge für zeitnahe Auswertungen und eine zeitnahe Weiterleitung an die entsprechenden Bereiche (Berichts-Software)

Tab. 3: Prozessspezifisches Fachwissen – „Forecast“

Hier geht's zur Bilderserie "Forecast"

Schlagworte zum Thema:  Forecast, Entwicklung, Wirtschaft, Prognose, Controller

Aktuell
Meistgelesen