Serienelemente
Bild: International Group of Controlling (Hrsg.), Controller-Kompetenzmodell, 2016

Ziel des Hauptprozesses „Kosten-, Leistungs- und Ergebnisrechnung“ (in weiterer Folge Kosten- und Leistungsrechnung) ist es, Kosten-, Leistungs- und Ergebnistransparenz durch eine verursachungsgerechte Zuordnung von Kosten, Leistungen und Erlösen auf entsprechende Objekte (z. B. Produkte oder Unternehmensbereiche) zu schaffen, um Entscheidungen und Verantwortlichkeiten mit Blick auf Kosten, Leistungen und Ergebnisse zu unterstützen.

Wesen der Kosten-, Leistungs- und Ergebnisrechnung

Die Kosten-, Leistungs- und Ergebnisrechnung zielt u. a. darauf ab, eine verantwortungsbezogene Management-Erfolgsrechnung als Ergebnis zu erstellen. Außerdem unterstützt die Kosten- und Ergebnisrechnung die Erfüllung rechtlicher Rahmenbedingungen (z. B. Transferpreiskalkulationen). Inhalte sind Kosten, Leistungen und Ergebnisse mit Blick auf Produkte oder Dienstleistungen bzw. auf aggregierter Ebene Produktgruppen oder ergebnisverantwortliche Einheiten (z. B. Geschäftsbereiche). Gegenstand der Kosten-, Leistungs- und Ergebnisrechnung ist die Erfassung, Zuordnung, Auswertung und Kontrolle von Kosten, Leistungen und Ergebnissen, die beim betrieblichen Güterverzehr bzw. der Gütererstellung anfallen. Für diesen Hauptprozess wurden die in Abb. 1 dargestellten erfolgskritischen Controller-Kompetenzen identifiziert.

Abb. 2 klassifiziert die für den Hauptprozess erfolgskritischen Controller-Kompetenzen nach Output-Kategorien.

Prozessspezifische Controller-Kompetenzen

Für den Hauptprozess „Kosten- und Leistungsrechnung“ wird exemplarisch die Controller-Kompetenz Entscheidungsfähigkeit in Tab. 1 detailliert beschrieben.

Entscheidungsfähigkeit (A/P; L; S)

Fähigkeit, Entscheidungen unverzüglich zu treffen

Erläuterung:

Entscheidungsfähigkeit ist die Fähigkeit, die unterschiedlichen Handlungsmöglichkeiten aktiv und selbstbestimmt zu beurteilen und Prioritäten für das weitere Handeln zu setzen. Entscheidungsunfähigkeit führt zu Handlungsunfähigkeit.

Kompetenzbegriff:

  • Setzt deutliche Prioritäten, um Handlungsalternativen aufzuzeigen; konzentriert sich auf das Wesentliche.
  • Entscheidet aktiv zwischen unterschiedlichen Handlungsmöglichkeiten im Zuge der Entscheidungsvorbereitung; beurteilt Alternativen sowohl betriebswirtschaftlich als auch werteorientiert.
  • Nutzt in Fällen nicht-berechenbarer Entscheidungen den eigenen emotionalen und erfahrungsmäßigen Hintergrund, um nicht handlungsunfähig zu werden.

Kompetenzübertreibung:

Entwirft Entscheidungsvorlagen vorschnell und setzt Entscheidungen ohne Absprache unbedacht um.

Legende:

A/P: Mischform von Aktivitäts- und Umsetzungskompetenz und personaler Kompetenz L: Output-Kategorie Leadership S: prozessspezifische Kompetenz

Besondere Relevanz – Hauptprozesse

Kosten- und Leistungsrechnung, Projekt- und Investitionscontrolling, Risikomanagement, Betriebswirtschaftliche Beratung und Führung

Begründung Auswahl – Kosten- und Leistungsrechnung:

Die fachliche Kompetenz, das Zusammenhangswissen und die regelmäßige Interaktion mit den betreuten Kostenstellenverantwortlichen befähigen Controller, Prozesse, Ergebnisse bzw. Handlungen zu verstehen, Handlungsempfehlungen zu geben und den Gesprächspartnern nachvollziehbar zu erklären. Zu beachten ist, dass Controller zwar dabei helfen, Entscheidungen vorzubereiten, sie aber nicht abschließend treffen.

Beispiel: Skalierung Entscheidungsfähigkeit (A/P; L; S)

Fähigkeit, Entscheidungen unverzüglich zu treffen

1

Ist in der Lage, unterschiedliche Handlungsalternativen aufzuzeigen.

2

Setzt deutliche Prioritäten, um Handlungsalternativen aufzuzeigen; konzentriert sich auf das Wesentliche.

3

Entwickelt im Rahmen der Entscheidungsunterstützung seine eigene Position.

4

Nutzt in Fällen nicht-berechenbarer Entscheidungen den eigenen emotionalen und erfahrungsmäßigen Hintergrund und vertritt seine Position gegenüber Dritten aktiv.

5

Wird vom Management aufgrund seiner klaren und gut nachvollziehbaren Empfehlungen als Ratgeber auch bei schwierigen Entscheidungen geschätzt und herangezogen.

Der Hauptprozess Kosten- und Leistungsrechnung erfordert das in Tab. 3 dargestellte Controller-Fachwissen.

Tab. 3: Prozessspezifisches Fachwissen – „Kosten- und Leistungsrechnung”

Know-how-Katalog

IGC-Hauptprozess Kosten- und Leistungsrechnung

Prozess und System

Kenntnis des betrieblichen Rechnungswesens und seiner Teilprozesse und Informationen

Kenntnisse des komplexen Wirkungsgeflechts eines Unternehmens und der Abhängigkeiten als Grundlage für die situationsgerechte Ausgestaltung der Kosten- und Leistungsrechnung

Kenntnis der Vor- und Nachteile von Kosten- und Leistungsrechnungssystemen (z. B. teil- oder vollintegriert) und der damit verbundenen Kosten und Nutzen

Führungsrelevante vs. externe Bewertung

Kenntnis der Einsatzfelder der im Rahmen der Kosten- und Leistungsrechnung gewonnenen Informationen (IFRS, lokales GAAP, Angebotskalkulation etc.) und Kenntnis der unterschiedlichen Rechensysteme

Integration der unterschiedlichen Rechensysteme zur Brückenbildung

Führungsorientierung

Kenntnisse über Zielvereinbarungen und ihre Anreizwirkung im Zusammenhang mit der

Kosten- und Leistungsplanung (z. B. für Profit Center- und Kostenstellenleiter)

Kenntnisse über die Konzeption und Umsetzung der Kosten- und Leistungsrechnung (z. B. als Verantwortungsrechnung) und deren Auswirkung auf das Managementverhalten

IT-Werkzeuge

Kenntnisse betreffend ERP-System bzw. Kenntnis des Kosten- und Leistungsrechnungssystems sowie der vor- und nachgelagerten Systeme

Kenntnis der Datenflüsse im Unternehmen, um Datenqualität zu sichern, Wissen, wer an welcher Stelle warum welche Daten wie zu erfassen hat

Wissen über die Durchführung von Plausibilitätstests mit Systemhilfe

Hier geht's zur Bilderserie "Kosten-, Leistungs- und Ergebnisrechnung"

Schlagworte zum Thema:  Kostenrechnung, Leistungsrechnung, Ergebnisrechnung, Controller

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