Serienelemente
Bild: International Group of Controlling (Hrsg.), Controller-Kompetenzmodell, 2016

Das Ziel des Hauptprozesses „Risikomanagement“ besteht in der langfristigen Sicherung des Unternehmensbestands. Durch frühzeitige Identifikation und Steuerung positiver und negativer Einflussfaktoren auf den Unternehmenswert und soll zudem die Qualität der Planung verbessert werden. Controller benötigen dazu Fähigkeiten zur Lösung von Konflikten zwischen Optimisten und Pessimisten.

Zuordnung prozessspezifischer Controller-Kompetenzen

Das Risikomanagement beinhaltet die Identifikation, Erfassung, Analyse, Bewertung, Kontrolle und Steuerung von Risiken sowie die Ableitung und Verfolgung geeigneter Risikoabwehrmaßnahmen. Als Rahmen werden dabei allgemeine risikopolitische Grundsätze vorgegeben sowie strategische Stoßrichtungen angewendet. Für das Risikomanagement wurden die in Abb. 1 in der Bilderserie dargestellten erfolgskritischen Controller-Kompetenzen identifiziert.

Abb. 2 klassifiziert die für den Hauptprozess erfolgskritischen Controller-Kompetenzen nach Output-Kategorien.

Prozessspezifische Controller-Kompetenzen

Die detaillierte Beschreibung erfolgt am Beispiel der Kompetenz Konfliktlösungsfähigkeit, die im Hauptprozess „Risikomanagement“ bei Controllern entsprechend ausgeprägt sein soll (s. Tab. 1).

Tab. 1: Konfliktlösungsfähigkeit als prozessspezifische Controller-Kompetenz – „Risikomanagement“

Konfliktlösungsfähigkeit (S; K; S)

Fähigkeit, auch bei Konflikten erfolgreich zu handeln

Erläuterung:

Konfliktlösungsfähigkeit fördert das Erkennen von Interessensgegensätzen, die persönliche Toleranz, die Akzeptanz der Meinungen anderer – auch, wenn sie der eigenen Vorstellung widersprechen, sowie die individuelle Bereitschaft zur Konfliktbearbeitung. Dabei soll die Konfliktlösung nicht das Ergebnis harmoniegeleiteter schneller Einigungen sein, sondern aus einem fair geführten Ausgleich der Interessensgegensätze herbeigeführt werden. Hierzu gehört die Überzeugungsfähigkeit, d. h. die Befähigung, eigene Standpunkte klar und fundiert vorzutragen und Dritten das Gefühl zu vermitteln, Lösungen durch eigene Einsichten gewonnen zu haben.

Kompetenzbegriff:

  • Erkennt neben der eigenen Interessenslage auch die Interessen anderer.
  • Führt konfliktäre Gespräche mit anderen; ist dabei einsichtig und tolerant genug, um andere Interessen unvoreingenommen zu prüfen und die eigenen kritisch zu hinterfragen.
  • Schafft Vertrauen und tritt sicher auf, überzeugt dabei andere und löst Widerstände und Blockaden, sodass deren Eigenverantwortung und soziale Kommunikation zunimmt.
  • Wird in Konfliktfällen gern als ausgleichende Person eingesetzt.

Kompetenzübertreibung:

Versucht in allen Fällen als Vermittler zu agieren und bringt ein zu hohes Verständnis für das Handeln von allen Parteien auf; vermittelt auch dann noch zwischen Konfliktparteien, wenn konsequente Entscheidungen und Standpunkte notwendig sind.

Legende:

S: sozial-kommunikative Kompetenz K: Output-Kategorie Kundenfokus
S: prozessspezifische Kompetenz

Besondere Relevanz – Hauptprozesse

Operative Planung & Budgetierung, Risikomanagement, Personalcontrolling, Betriebswirtschaftliche Beratung und Führung

Begründung Auswahl – Risikomanagement:

Entsprechend der unterschiedlichen Risikofreude/-aversion der Entscheidungsträger kommt es im Abwägen von Chancen und Risiken bzw. in der Risikosteuerung häufig zu Interessensgegensätzen zwischen ihnen. Controller müssen diese Gegensätze und daraus entstehende Konflikte zum Wohl des Unternehmens als Ganzes auflösen. Controller haben darüber hinaus generell den Auftrag, die Annahmen der Risk Owner kritisch zu hinterfragen bzw. zu „challengen“ und dabei die Unternehmensinteressen und -ziele zu vertreten. Dieser Auftrag beinhaltet in der Regel ein Konfliktpotenzial, mit dem Controller kompetent umgehen müssen.

Tab. 2: Skalierung der prozessspezifischen Controller-Kompetenz Konfliktlösungsfähigkeit

Beispiel: Skalierung Konfliktlösungsfähigkeit
(S; K; S)

Fähigkeit, auch bei Konflikten erfolgreich zu handeln

1

Ist bereit, eine Konfliktlösung zu erzielen.

2

Toleriert die Interessen anderer, lässt Interessensgegensätze zu und ist auf der Suche nach einem Interessensausgleich.

3

Toleriert die Interessen anderer, lässt Interessensgegensätze zu und versteht es, Interessen durch eine aktive Konfliktbearbeitung/Verhandlungsführung auszugleichen.

4

Schafft Vertrauen und tritt sicher auf, überzeugt dabei andere und löst Widerstände und Blockaden, sodass deren Eigenverantwortung und soziale Kommunikation zunimmt.

5

Wird in Konfliktfällen gern als ausgleichende Person eingesetzt, löst Blockaden.

Für den Hauptprozess sollten Controller auf das in Tab. 3 dargestellte Controller-Fachwissen zurückgreifen können.

Tab. 3: Prozessspezifisches Fachwissen – Risikomanagement

Know-how-Katalog

IGC-Hauptprozess Risikomanagement

Prozess und rechtliche Rahmenbedingungen

Kenntnisse rechtlicher Rahmenbedingungen und „soft law“ Regelungen im Bereich Governance, Compliance, Risikomanagement, Internes Kontrollsystem

Kenntnisse der ablauf- und aufbau-organisatorischen Gestaltung eines wirkungsvollen RMS/IKS

Grundlegendes Verständnis des COSO Enterprise Risk Management-Systems

Gestaltung von Geschäftsprozessen im Spannungsfeld von Compliance, Risiko und Performance

Risikoanalyse, Bewertung und Reporting

Mathematische und statistische Grundlagen-kenntnisse zur Modellierung und Bewertung von Risiken

Wissen zur Identifikation und Bewertung von gesamthafter Geschäftsrisiken, die über Rohstoff-, Zins-, und Währungsrisiken hinausgehen

Kenntnisse zur Ermittlung/Interpretation des Cashflow- und Fair value-Risikos, Kenntnisse zur Anwendung von Cashflow-at-Risk- (CFaR), Earnings-at-Risk- (EaR), und Value-at-Risk (VaR)-Modellen

Basiswissen über die Bilanzierung und Berichterstattung von Risiken (z. B. Hedge-Accounting, IFRS 7)

Risiko-adjustierte Planung und Risikosteuerung

Kenntnisse zur Berücksichtigung von Risiken in der strategischen und operativen Planung

Kenntnisse der wesentlichen strategischen Möglichkeiten der Risikosteuerung (Portfolio, Geschäftsmodell etc.)

Basiswissen über Art und Funktionsweise von Hedging-Strategien

IT-Werkzeuge und Wissensmanagement

Kennnisse zur IT-gestützten Risikomodellierung, Durchführung von Sensitivitätsanalysen und Simulationen (SPSS, Excel, Crystal Ball etc.)

Wissen über die systematische Erstellung und Dokumentation von Risikorichtlinien

Kenntnisse zur effektiven Vermittlung und Kommunikation von Richtlinien im Risikomanagement

Software für risikoadjustierte Planung und Risikoberichterstattung

Hier geht's zur Bilderserie "Prozessspezifische Kompetenzen „Risikomanagement“"

Schlagworte zum Thema:  Risikomanagement, Controller

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