Wie Banken den grünen Wandel finanzieren
Warum Banken umdenken müssen
Noch vor wenigen Jahren war Nachhaltigkeit im Finanzsektor von Freiwilligkeit und wenigen Spezialanbietern geprägt. Heute sorgen EU-Regeln wie die Taxonomie, SFDR und CSRD, aber auch der wachsende Druck von Aufsichtsbehörden wie BaFin oder EZB dafür, dass Banken Nachhaltigkeit stärker in Kreditvergabe, Risikosteuerung, Reporting und Datenmanagement verankern müssen. Gleichzeitig brauchen Unternehmen Kapital für ihre Transformation, Kund:innen erwarten von Banken mehr Transparenz, was mit ihrem Geld finanziert wird. „Von der Vorstandsvergütung bis zum Datenhaushalt steckt überall Nachhaltigkeit drin“, sagt Andreas Gruber, Chief Sustainability Officer bei der DKB AG. Timo Hülsdünker, Senior Referent Strategie & Entwicklung bei der GLS Bank, berichtet: „Der Markt kommt zu uns. Immer mehr Unternehmen suchen heute eine Bank, die glaubwürdig für nachhaltiges Wirtschaften steht.“ Wie unterschiedlich Banken nachhaltiges Banking angehen, zeigt ein Blick auf die Deutsche Kreditbank und die GLS Bank.
Tipp: Um Nachhaltigkeit im Finanzwesen geht es auch in der neuen Folge unseres Podcasts „Shifting Minds“ mit Dr. Henrik Pontzen, Chief Sustainability Officer bei Union Investment. |
Großer Hebel, klare Haltung: So unterschiedlich arbeiten DKB und GLS
Die DKB und die GLS Bank betreiben beide nachhaltiges Banking, aber aus unterschiedlicher Logik heraus. Die GLS steht für eine konsequente sozial-ökologische Ausrichtung einzelner Finanzierungen, die DKB für die Skalierung von Transformation über große Kreditportfolios. Die Größenordnung unterscheidet sich deutlich: Die DKB zählt mit rund 5,9 Millionen Kund:innen und einer Bilanzsumme von 135,8 Milliarden Euro im Geschäftsjahr 2025 zu den größten Direktbanken Deutschlands. Die GLS Bank kam 2025 auf 388.217 Kund:innen und 11,6 Milliarden Euro Bilanzsumme. Während das Kreditvolumen der DKB allein für Erneuerbare-Energien-Anlagen Ende 2025 bei knapp 20 Milliarden Euro lag, vergab die GLS Bank im selben Jahr fast 1,4 Milliarden Euro an neuen Krediten, davon 598 Millionen Euro im Bereich Erneuerbare Energien.
Für die DKB ist Nachhaltigkeit ein tief integrierter Bestandteil eines großen, breit aufgestellten Bankgeschäfts. Der Hebel liegt im Kreditbuch und der systematischen Steuerung großer Finanzierungen, wie Andreas Gruber beschreibt: „Das gesamte Kreditbuch der DKB unterliegt einer klaren ESG-Steuerung – von der Messung von finanzierten Emissionen bis zum harten Ausschluss von Geschäften, die wir nicht eingehen wollen.“ Die GLS versteht Nachhaltigkeit dagegen weniger als Reaktion auf gestiegene Forderungen, sondern als Teil ihres historischen Selbstverständnisses. „Die GLS Bank wurde 1974 mit dem Anspruch gegründet, mit jedem Kredit positive soziale und ökologische Wirkung zu ermöglichen. Regulatorische Innovationen wie etwa Nachhaltigkeitsprüfung oder Transparenz über Mittelverwendung sind für uns seit jeher Praxis“, sagt Timo Hülsdünker. Woran lässt sich nachhaltiges Bankgeschäft konkret erkennen – an klaren Ausschlüssen und roten Linien, an Transparenz oder vor allem an der Größe des finanziellen Hebels?
Rote Linien im Kreditgeschäft
Geld hat einen riesigen Hebel. Entscheidend ist im Bankgeschäft nicht nur, was finanziert wird. Sondern auch, was eine Bank nicht finanzieren will. DKB und GLS arbeiten mit veröffentlichten Kriterien, legen ihre roten Linien offen und verstehen Nachhaltigkeit ökologisch, sozial und ethisch. Fossile Geschäftsmodelle sowie die Finanzierung von Waffen und Rüstung schließen beide aus.
Die GLS verknüpft die Ausschlusskriterien besonders eng mit ihrem eigenen Selbstverständnis. „Wir verzichten bewusst auf Erträge, die wir mit diesen Sektoren erzielen könnten“, betont Hülsdünker mit Blick auf fossile Energien, Rüstung, Gentechnik in der Landwirtschaft und Spekulation mit Nahrungsmitteln. „Das sind keine Ermessensfragen, das sind rote Linien.“ Nachhaltigkeit zeigt sich hier vor allem in der bewussten Entscheidung, auf Renditen aus problematischen Sektoren zu verzichten.
Die DKB schließt in ihren Anlage- und Finanzierungsgrundsätzen unter anderem Kohleabbau und Kohleverstromung, Fracking, Konfliktmaterialien, Glücksspiel und Rüstung aus. Gleichzeitig beschreibt sie diese Ausschlüsse als Teil eines breiteren Steuerungsmodells für ihr Kreditgeschäft. „Wir haben neben den erwähnten Ausschlüssen ein ‚Sustainable Lending Framework‘ mit klaren Grenzwerten“, sagt Andreas Gruber. Ihr Leitmotiv sei, so Gruber, das zu finanzieren, „was Menschen zum Leben brauchen: Soziale Infrastruktur, Wohnen, Energie, Lebensmittel.“ Nachhaltigkeit erscheint hier damit weniger als reine Ausschlusslogik, sondern stärker als Teil eines umfassenden ESG-Steuerungsrahmens.
Zwei Wege, Wandel zu finanzieren
Wie wird der nachhaltige Wandel finanziert? Für die GLS Bank ist die Kreditvergabe vor allem eine Frage der Glaubwürdigkeit und langfristigen Strategie: „Wir unterscheiden zwischen Unternehmen, die glaubwürdig und nachhaltig transformieren wollen, und solchen, die lediglich greenwashen. Wir finanzieren keine Unternehmen, die ihr Kerngeschäftsmodell nicht verändern wollen, sondern nur einzelne Maßnahmen als nachhaltig labeln“, sagt Hülsdünker. Nachhaltiger Wandel beginnt hier also nicht bei möglichst großen Volumina, sondern bei der Frage, ob ein Geschäftsmodell sich tatsächlich verändert.
Für die DKB zählt vor allem die Größe des Hebels, mit dem Kapital in Transformation gelenkt werden kann. „Der entscheidende Hebel einer Bank ist ihr Kreditbuch“, sagt Andreas Gruber. „Banken können sehr wohl mit einem Geschäftsmodell wachsen, das auf Transformation ausgelegt ist.“ Wirkung wird durch Skalierung, Marktbreite und die gezielte Lenkung von Kapital erzielt.
Beide Ansätze sind plausible Antworten auf dieselbe Frage, wie nachhaltiges Wirtschaften in der Praxis wirken soll. Welche Logik am Ende mehr Wirkung entfaltet, hängt allerdings nicht nur von den Banken selbst ab, sondern auch von den Regeln, Daten und Anreizen des regulatorischen Umfelds.
Regeln, Daten, falsche Anreize
Wie nachhaltig Banken tatsächlich wirtschaften, hängt auch vom regulatorischen Umfeld ab. Beide Banken beschreiben, dass politische Meilensteine wie die EU-Taxonomie oder CSRD-Berichterstattung Nachhaltigkeit im Bankgeschäft messbarer und strukturierter gemacht haben. „Wo wir früher ‚behauptet‘ und ‚gefühlt‘ haben, wird nun gemessen“, sagt Andreas Gruber. Gleichzeitig bleiben operative Grenzen: „Fehlende Daten sind keine Legitimation zum Abwarten – dafür ist der Klimawandel und die Biodiversitätskrise zu gefährlich und die Zeit viel zu knapp.“ Auch wenn Themen wie Reporting, Daten, Steuerung und Vergleichbarkeit heute wichtiger sind, steigt mit ihnen der operative Aufwand. Mehr Messbarkeit bedeutet nicht automatisch mehr Wirkung.
Die GLS geht mit ihrer Kritik noch weiter. Zwar habe die CSRD inhaltlich geholfen. Das größere Problem liege aber im System selbst: „Die größte Schwäche ist das strukturelle Greenwashing durch Scoring-Systeme, die Nachhaltigkeitsleistung aggregieren und dabei wesentliche Ausschlüsse verwischen“, so Hülsdünker. Auch Rückschritte wie das Omnibus-Paket schadeten dem Vertrauen in regulatorische Verlässlichkeit. „Das ist das falsche Signal. Es untergräbt das Vertrauen in regulatorische Verlässlichkeit als Grundlage nachhaltiger Geschäftsmodelle.“
Für beide Banken ist klar: Wirksames nachhaltiges Bankgeschäft braucht bessere politische Voraussetzungen – von belastbareren Daten bis zu einem Marktdesign, das glaubwürdige Modelle nicht ausbremst. Welche Form nachhaltigen Bankings künftig die größere Wirkung entfalten kann, entscheidet sich deshalb nicht nur in den Banken selbst, sondern auch an den Regeln, Daten und Anreizen, die Politik und Regulierung setzen.
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