Klimaschutz

Product Carbon Footprint: Steuerungsinstrument oder Marketing-Label?


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Ein Product Carbon Footprint hilft Unternehmen, ihre Produkte besser zu verstehen: Wo entstehen Emissionen und wie lassen sie sich senken? Wir haben bei Daniela Kölsch und Stephan Wirtz nachgefragt, wie der Einstieg in die PCF-Berechnung gelingt und welche Fehler Nachhaltigkeitsprofis vermeiden sollten.

Kurz gefragt und kurz geantwortet – worum geht es beim „Product Carbon Footprint“ (PCF)?

Daniela Kölsch: Beim Product Carbon Footprint geht es darum, die klimarelevanten Emissionen eines Produkts über seinen gesamten Lebenszyklus hinweg zu erfassen – von der Herstellung über die Nutzung bis zur Entsorgung. So entsteht ein ganzheitliches Bild der Umweltwirkung eines Produkts.

Was bringt der PCF wirklich? Ist er ein echtes Steuerungsinstrument oder am Ende doch nur ein Marketing-Label?

Stephan Wirtz: Der PCF kann ein sehr wertvolles Steuerungsinstrument sein. Unternehmen lernen dadurch ihre Produkte viel besser kennen – vor allem, wo die größten Emissionen entstehen und wo man gezielt ansetzen kann, um sie zu reduzieren. Gleichzeitig eignet er sich natürlich auch für die Kommunikation, z. B. gegenüber Kund:innen oder Geschäftspartnern. Idealerweise verbindet man also beides: fundierte Steuerung und transparente Kommunikation, statt reines Marketing.

Herausforderungen und Tipps zur PCF-Berechnung

Die PCF-Berechnung gilt als komplex und ressourcenintensiv. Ist das wirklich so, oder ist das eher eine Ausrede für alle, die sich noch nicht damit beschäftigen?

Kölsch: Das hängt stark vom jeweiligen Unternehmen ab. Wie vielfältig ist das Produktportfolio? Gibt es repräsentative Produkte oder kann man gut einen Durchschnitt bilden, mit denen man starten kann? Wie komplex sind die Lieferketten oder der eigene Produktionsprozesse? Je nach Situation kann die Berechnung aufwendig sein – muss es aber nicht. Im Seminar zeigen wir die grundlegenden Prinzipien und berechnen gemeinsam ein verständliches Beispiel, um die Hürden etwas niedriger zu hängen.

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Welche regulatorischen Anforderungen sollten Nachhaltigkeitsmanager:innen beim PCF auf dem Schirm haben – und was kommt noch auf sie zu?

Wirtz: Beim Product Carbon Footprint spielen heute vor allem Normen und Standardisierungen eine zentrale Rolle. Die wichtigsten Grundlagen bilden die ISO 14067 (Carbon Footprint of Products) sowie die GHG Protocol Product Standard, die definieren, wie Emissionen über den Lebenszyklus eines Produkts konsistent und nachvollziehbar berechnet werden.

Kölsch: Künftig wird die Bedeutung von produktbezogenen Emissionsdaten weiter steigen – nicht nur aus regulatorischen Gründen, sondern auch für die Kunden, insbesondere im B2B-Bereich.

Besser starten als warten!

Was ist der häufigste Fehler, den Organisationen beim Erstellen eines PCF machen – und wie lässt er sich vermeiden?

Wirtz: Viele warten zu lange auf die „perfekten“ Daten. Unser Tipp: Einfach anfangen! Oft liegt der größte Fortschritt darin, Strukturen aufzubauen, Daten zu ordnen und ein erstes, vereinfachtes Modell zu entwickeln. Mit jedem Schritt wird die Berechnung genauer – und das Verständnis für das eigene Produkt wächst deutlich.

Vielen Dank für das Gespräch!

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Über die Expert:innen:

Dr. Daniela Kölsch ist Expertin für Nachhaltigkeit und deren Quantifizierung - mit über 20 Jahren Erfahrung in Beratung, Controlling und der Entwicklung neuer Geschäftsfelder. Nach Stationen bei BASF SE, TÜV Rheinland und Bayer AG berät sie seit 2024 unabhängig zu Umwelt- und Klimathemen - fachlich fundiert, praxisnah und mit Begeisterung für messbare Fortschritte. Ihr Ziel: Nachhaltigkeit unternehmerisch und gesellschaftlich messbar, skalierbar und wirksam gestalten. Sie studierte Umwelttechnik an der TH Mittelhessen und promovierte am KIT.

Dr. Stephan Wirtz ist promovierter Chemiker mit über 25 Jahren Industrieerfahrung in den Bereichen pharmazeutische Forschung, Strategische Planung, Marketing, Business Development, Controlling und Sustainability. Er hat fundiertes Wissen in der Entscheidungsanalyse und der kommerziellen Bewertung von Investitionsprojekten. In der Nachhaltigkeit hat er Treibhausgas-Accounting und Dekarbonisierung entlang der Lieferkette optimiert.

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