Kreislaufwirtschaft kann Wettbewerbsfähigkeit steigern
Statt eines Systems, das auf geschlossenen Kreisläufen basiert, dominiere in Deutschland nach wie vor eine traditionelle, linear ausgerichtete Abfallwirtschaft. Zu diesem Befund kommt die am 9. November veröffentlichte GreenTech-Studie von MHP und dem Borderstep Institut. Die Studie beleuchtet die Herausforderungen, die für eine effizientere Ressourcennutzung gelöst werden müssen.
Fallbeispiele und Handlungsempfehlungen: Die R-Konzepte
Die Studie analysiert zehn Fallbeispiele von Start-ups, Organisationen und Unternehmen in grünen Wachstumsmärkten. Diese Beispiele bieten Einblicke in verschiedene nachhaltige „R-Strategien“, darunter Remanufacturing (die Aufbereitung gebrauchter Maschinen in einen neuwertigen Zustand), Recycling und innovative Dienstleistungsmodelle wie Pay-per-Performance. Ein Beispiel ist die Rückgewinnung von Rohstoffen aus sogenannten Traktionsbatterien. Die Untersuchung will anhand von Best-Practice-Beispielen unter anderem von Liebherr und Festool aufzeigen, wie Unternehmen Ressourcen zurückgewinnen und gebrauchte Produkte effizient weiterverwenden können.
Kreislaufwirtschaft 2.0 als Schlüssel zur Dekarbonisierung
Die Kreislaufwirtschaft sei in der Automobilindustrie kein neues Konzept, wie etwa am Beispiel von Volkswagen deutlich werde. Die planetaren Grenzen erforderten heute jedoch eine ganzheitlichere Perspektive. Es gehe nicht mehr nur um ökonomische Vorteile, sondern vor allem um ökologische Notwendigkeiten. Die Industrie müsse sich daher von der Fokussierung auf rein ökonomische Vorteile hin zu einer konsequenten Umsetzung des Kreislaufwirtschaftsprinzips bewegen.
Prof. Dr. Klaus Fichter, Leiter des Borderstep Instituts, betont die Bedeutung der Circular Economy: „Als Baustein für die Dekarbonisierung ist die Kreislaufwirtschaft ein zentrales Element und bedeutender Geschäftszweig für die Hersteller und Zulieferer. Erfolgreiche zirkuläre Geschäftsmodelle müssen in der Designphase von Produkten beginnen und den Service-Aspekt in den Fokus rücken. Physische Produkte und Anlagen werden zu ‚Dienstleistungserfüllungsgehilfen‘. Pay-per-Performance gehört die Zukunft.“ Damit schaffe die Kreislaufwirtschaft vielfältige Möglichkeiten für neue Geschäftsmodelle.
Als Baustein für die Dekarbonisierung ist die Kreislaufwirtschaft ein zentrales Element und bedeutender Geschäftszweig für die Hersteller und Zulieferer.
Prof. Dr. Klaus Fichter, Borderstep Institut
Digitalisierung ist ein Erfolgsfaktor für Zirkularität
Die GreenTech-Studie hebt die digitale Transformation als entscheidenden Erfolgsfaktor für die Kreislaufwirtschaft hervor. Durch digitale Vernetzung und innovative Geschäftsmodelle wie das Pay-per-Performance-Modell können Unternehmen nicht nur ihren ökologischen Fußabdruck reduzieren, sondern auch ihre wirtschaftliche Effizienz steigern. Als konkretes Beispiel hierfür stellt die Untersuchung das Pay-per-Part-Modell von Trumpf vor, das als „Equipment-as-a-Service“-Angebot fungiert und den gesamten Prozess des Laserschneidens als Dienstleistung anbietet.
Ausblick und Handlungsbedarf: Compliance und Differenzierungsmerkmal
Die Studie unterstreicht die Notwendigkeit einer umfassenden Betrachtung von Material- und Rohstoffkreisläufen. Für eine funktionierende Kreislaufwirtschaft sei der volle Zugriff auf Produkte entscheidend. Bestehe keine Kontrolle über deren Rückfluss am Lebensende, könne keine Circular Economy entstehen, so Alexander Appel, Manager bei MHP und Mitautor der Studie.
Nicht zuletzt vor dem Hintergrund des Lieferkettensorgfaltspflichtengesetzes, das ab Januar 2024 auf Unternehmen mit mehr als 1.000 Mitarbeitenden ausgeweitet wird, spiele die Beschäftigung mit der Kreislaufwirtschaft eine Rolle. Die Circular Economy biete nicht nur die Einhaltung gesetzlicher Vorgaben, sondern auch die Chance, ökologische und ökonomische Vorteile zu vereinen und sich somit im Wettbewerb zu differenzieren. Dr. Thilo Greshake, Partner bei MHP, sagt sein Unternehmen gehe „davon aus, dass Geschäftsmodelle im Rahmen der Circular Economy einen wertvollen Beitrag zu Klima- und Umweltschutz leisten. Sie sind wichtige Standbeine der Industrie und bieten großes Potenzial auch für eine internationale Vermarktung“.
Insgesamt zeigt die GreenTech-Studie, dass die Kreislaufwirtschaft in Deutschland nicht nur ein ökologisches Gebot, sondern auch ein bedeutender Wirtschaftszweig ist, der durch innovative Ansätze und digitale Transformation weiter vorangetrieben werden kann.
Die gesamte MHP GreenTech Studie 2023 finden Sie hier zum Download .
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