Besser um die Zukunft streiten: Strategische Werkzeuge
Zwischen den Fronten: Warum Nachhaltigkeit polarisiert
Strategisches Streiten ist im Nachhaltigkeitsmanagement ein wichtiges Werkzeug zur wirksamen Konfliktlösung. Nachhaltigkeit führt häufig zu Zielkonflikten. Gute Argumentationen, sachliche Informationen und Diskussionen bleiben dabei häufig auf der Strecke. Es dominieren auch hier wie im Alltag häufig Extreme: links gegen rechts, laut gegen leise, alt gegen jung, Fahrrad gegen Auto.
Zu den zentralen Konfliktfeldern im Nachhaltigkeitsmanagement gehören: Ressourcenkonflikte (Verteilung von Budgets), Wertekonflikte (Profitmaximierung versus Ressourcenschutz, kurzfristiger Erfolg versus langfristige Vorsorge, Freiwilligkeit versus Regulierung) sowie Priorisierungsdilemmata. Nachhaltigkeitsmanager müssen diese Interessen aktiv und konstruktiv austragen. Doch welche Werkzeuge gibt es, um das Kommunikationsverhalten nachhaltig zu stärken? Welche kommunikativen Techniken entfalten Wirkung – und welche scheitern? Wie können sich Nachhaltigkeitsmanager auf schwierige Gespräche vorbereiten und gegen unfaire Kritik schützen?
Verstärkt wird das durch eine zunehmend populistische Gegenkultur. Journalisten wie Ulf Poschardt kritisieren in Werken wie „Bückbürgertum" vermeintlich bevormundende Eliten, ESG-Kriterien werden als marktfremde Regulierungsinstrumente gebrandmarkt, und bürokratische Auflagen des „ESG-Kapitalismus“ gelten als Treiber der Deindustrialisierung Europas. Diese Kritik kommt nicht selten aus den Unternehmen selbst – und trifft das Nachhaltigkeitsmanagement als erstes.
Die Kunst des strategischen Streitens
Wie eine konstruktive Streitkultur aussehen kann, illustriert Dr. Henrik Pontzen, Chief Sustainability Officer bei Union Investment, im Podcast „Shifting Minds“. Sein Credo: Wer als Nachhaltigkeitsmanager von beiden Lagern im Unternehmen gleichzeitig Gegenwind bekommt, macht vermutlich das Richtige. Wer nur von der „grünen Fraktion" Applaus erhält, greife zu tief ins Kerngeschäft ein; wer nur von der anderen Seite gelobt werde, bewege sich zu langsam in Richtung Zukunft. Die richtige Position definiert sich nach Pontzen durch den gleichen Abstand zu beiden Extremen. Entscheidend sei dabei, Nachhaltigkeit nicht als moralisches Postulat zu vertreten, sondern in der Sprache des jeweiligen Gegenübers zu formulieren – und dafür bisweilen klug und geduldig zu streiten.
Kommunikative Werkzeuge für die Praxis
Wirksame Argumentation basiert auf klar strukturierten, logisch zusammenhängenden Gedanken, gestützt durch Fakten, Beispiele und Analysen. Dialektik – das bewusste Ausspielen von These und Antithese – schafft produktive Reibung, aus der echte, zukunftsfähige Lösungen entstehen können.
Zum Handwerkszeug gehört auch das gezielte Fragen, um die Perspektive des Gegenübers wirklich zu verstehen, sowie das Formulieren von Aussagen, an die der andere anknüpfen kann, ohne das Gesicht zu verlieren. Populistische Frames und übertriebene Sprachbilder sind dabei ebenso zu vermeiden wie abstrakte, aufgesetzte Sinnstiftung und manipulative Kommunikationsinstrumente. Stattdessen zählen Transparenz, Ehrlichkeit und das bewusste Offenlegen aller relevanten Informationen.
Grundlage des Ganzen ist ein wertschätzendes Kommunikationsklima: aktives Zuhören ohne Wertung, das Berücksichtigen von Gegenargumenten und das Einholen von Rückmeldungen, um sicherzustellen, dass die eigene Botschaft tatsächlich angekommen ist. Pro- und Contra-Positionen sind dabei nicht als Problem zu sehen – problematisch ist nur die Absolutheit, mit der sie bisweilen vertreten werden.
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