Nachhaltigkeit unter Druck: Gegenwind, aber kein Stillstand
Die Zeiten, in denen Nachhaltigkeitsabteilungen personell und finanziell ausgebaut werden, scheinen in vielen Unternehmen vorerst vorbei. Das zeigt der Sustainability People Report 2026, für den die Vermittlungsagentur Sustainability People gemeinsam mit DKB, EY und Haufe im April 2026 insgesamt 740 Personen befragt hat – darunter 430 vollzeitangestellte Nachhaltigkeitsmanagerinnen und -manager im deutschsprachigen Raum.
Nachhaltigkeitsmanagement: Gehälter gehen zurück – gegen den Trend
Das mittlere Bruttojahresgehalt vollzeitbeschäftigter Nachhaltigkeitsmanagerinnen und -manager lag 2025 bei 72.000 Euro – 5,3 Prozent weniger als im Vorjahr. Zum Vergleich: Im gleichen Zeitraum stiegen die Löhne in Deutschland insgesamt um 2,1 Prozent. Besonders stark trifft es Berufseinsteigerinnen und -einsteiger mit wenig Nachhaltigkeitserfahrung (–15 Prozent) und Beschäftigte in Großunternehmen (–8,1 Prozent).
Wer gut verdient, verdankt das vor allem Führungsverantwortung und allgemeiner Berufserfahrung – beide Faktoren erklären die Gehaltsunterschiede deutlich stärker als die fachliche Nachhaltigkeitserfahrung. Mit jeder Führungsstufe steigt das Gehalt im Schnitt um 17 Prozent; wer ein Team von fünf bis zehn Personen leitet, verdient ein Drittel mehr als jemand ohne Führungsverantwortung.
Auch Stellen und Budgets werden gekürzt. In großen Unternehmen ging die Zahl der Vollzeitäquivalente im Median von 6,0 auf 4,9 zurück. Die Budgets wurden je nach Unternehmensgröße um 22 bis 42 Prozent reduziert – bei kleinen und mittleren Unternehmen sogar unter das Niveau vor dem sogenannten Omnibus-Verfahren. Mit dem Omnibus hat die EU ihre Nachhaltigkeitsberichtspflichten deutlich gelockert.
Sustainability-Allrounder statt -Spezialistinnen
62 Prozent der Befragten bezeichnen sich als Allrounder, ein leichter Anstieg gegenüber 59 Prozent im Vorjahr. Gleichzeitig spezialisieren sich Festangestellte erkennbar weniger – etwa in Projektmanagement, Unternehmenskommunikation oder nachhaltigen Lieferketten. Besonders deutlich gilt das in kleinen Unternehmen bis 500 Mitarbeitende: Dort sehen sich 73 Prozent als Generalistinnen und Generalisten.
Tabea Leukhardt, Chief Impact Officer bei Sustainability People, deutet das als Zeichen für den wachsenden Reifegrad der Unternehmen: Kreislaufwirtschaft steuerten demnach nicht mehr die Sustainability-Managerinnen und -Manager – sondern zunehmend die Fachbereiche. „Entsprechend werden nun praxiserfahrene Spezialistinnen und Spezialisten gesucht, nicht mehr Allrounder, die das Thema mitbetreuen."
Wo Nachhaltigkeitsverantwortliche im Unternehmen angesiedelt sind, variiert stark: Etwas mehr als die Hälfte der Befragten (52 Prozent) arbeiten in einer eigenständigen Nachhaltigkeitsabteilung oder Stabsstelle. Die andere Hälfte ist quer durchs Unternehmen verteilt – am häufigsten in Strategie und Unternehmensentwicklung (neun Prozent), Qualitätsmanagement sowie Finanzen und Controlling (je sieben Prozent). Nur drei Prozent sind in HR angesiedelt.
Zufriedenheit hält sich – trotzdem wechseln viele Sustainability Manager
Trotz des Gegenwinds bleibt die Jobzufriedenheit bemerkenswert stabil: 58 Prozent der Befragten bewerten ihre berufliche Situation positiv, nur 19 Prozent sind unzufrieden. Auch der Stimmungsindex „Sustainability People Pulse" erreicht mit knapp 55 Punkten seinen bisher höchsten Wert – die Talsohle scheint durchschritten.
Dennoch planen rund 40 Prozent der Befragten, den Arbeitgeber in den nächsten zwei Jahren zu wechseln – auch wenn das weniger als im Vorjahr sind (49 Prozent). Die Motive verschieben sich dabei deutlich: Erstmals landet 2026 auf Platz zwei der Wechselgründe, dass es zu wenig Aufstiegs- und Entwicklungsmöglichkeiten gibt – 62 Prozent nennen das, fast zwölf Prozentpunkte mehr als im Vorjahr. Deutlich seltener fürchten die Befragten dagegen, ihren Job zu verlieren: Nur noch knapp jede oder jeder Fünfte nennt das als Grund – fast zehn Prozentpunkte weniger als 2025.
Der wichtigste Grund, den Arbeitgeber wechseln zu wollen, bleibt die emotionale Distanz. So sind sieben von zehn Wechselwilligen enttäuscht darüber, dass Nachhaltigkeit im eigenen Unternehmen nicht vorankommt. Das Berufsfeld selbst geben sie dabei nicht auf – acht von zehn planen auch nach einem Wechsel, im Nachhaltigkeitsbereich tätig zu bleiben.
Sustainability: Was Beschäftigte im Unternehmen hält
Bei denen, die bleiben wollen, werden strukturelle Faktoren immer wichtiger: flexible Arbeitszeiten (82 Prozent), eine angemessene Auslastung (57 Prozent, +13 Prozentpunkte gegenüber dem Vorjahr) und geeignete Tools (38 Prozent, +13 Prozentpunkte gegenüber 2024). Sinnstiftung trägt dagegen weniger dazu bei, dass Menschen bleiben: Nur noch 30 Prozent nennen die Motivation durch sichtbare Fortschritte als Grund zu bleiben – ein Rückgang um 20 Prozentpunkte gegenüber 2024. Weniger bindungsrelevant als im Vorjahr ist außerdem, dass Vorgesetzte die Arbeit der Nachhaltigkeitsmanagerinnen und -manager stark wertschätzen - dies gaben nur noch vier von zehn derjenigen, die bleiben wollen, als Grund ihrer Zufriedenheit an (-13 Prozentpunkte weniger).
Gegenwind ja, Stillstand nein
Trotz Gehaltseinbußen und Budgetkürzungen: Resignieren wollen die meisten nicht. Wer trotz Unsicherheit bleiben will, wartet selten ab – das tun nur knapp 23 Prozent. Stattdessen werden viele Nachhaltigkeitsmanagerinnen und -manager aktiv: 70 Prozent bauen gezielt Kompetenzen in ihrem Kernbereich aus, 67 Prozent versuchen, ihre Rolle intern zu erweitern und neue Aufgaben zu übernehmen. Und 64 Prozent arbeiten daran, den Business Case für Nachhaltigkeit im eigenen Unternehmen sichtbarer zu machen – also konkret zu zeigen, was ihre Arbeit dem Unternehmen bringt.
Tipp: Die gesamten Studienergebnisse finden Sie hier zum Download.
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