Sustainable Economy Summit 2026

Antikörper aus Kieselalgen: Für Phaeosynt ist Nachhaltigkeit kein Kompromiss


Serienelemente
Kieselalgen

Kieselalgen statt Kaninchen: Das Hannoveraner Start-up Phaeosynt produziert Antikörper komplett ohne Tierversuche – und bringt mit hey mela® den weltweit ersten tierfreien Schwangerschaftstest auf den Markt. COO und Geschäftsführerin Alina Eilers erklärt, warum Nachhaltigkeit und Qualität hier kein Widerspruch sind und wie die Technologie eine ganze Branche verändern soll.

Antikörper aus Kieselalgen – das klingt nach Science-Fiction. Wie erklären Sie Phaeosynt jemandem, der zum ersten Mal davon hört?
Antikörper sind eigentlich nichts anderes als spezielle Proteine, die unser Immunsystem produziert. Wir nutzen Kieselalgen als eine Art „Mini-Fabrik“: Sie bekommen den Bauplan in Form von DNA und stellen gezielt die gewünschten Antikörper her.
So können wir die klassische Produktion in Tieren oder mit tierischen Bestandteilen ersetzen und eine nachhaltige, tierfreie Alternative schaffen.

Tierversuche in der Antikörperproduktion gelten seit Jahrzehnten als Standard. Was hat Sie überzeugt, dass man das besser kann und dass sich der Aufwand lohnt?
Unsere Plattformtechnologie basiert auf jahrelanger Forschung und dem klaren Ziel, tierbasierte Systeme zu ersetzen. Bereits seit einiger Zeit gibt es alternative Ansätze zur Antikörperproduktion, etwa in Zellkulturen, Bakterien, Hefen oder Pflanzen.
Spätestens mit der Empfehlung des EURL ECVAM im Jahr 2020, auf Tiere in der Antikörperproduktion zu verzichten, wurde deutlich, dass ein Umdenken notwendig und möglich ist.
Das hat uns bestärkt, diesen Weg konsequent weiterzugehen und mit unserer Technologie einen neuen, tierfreien Standard in der Antikörperproduktion zu etablieren.

Alina Eilers

Nachhaltigkeit ist kein Kompromiss

Phaeosynt wurde 2023 gegründet, aber die Entwicklung begann schon 2021. Was war der härteste Moment zwischen erster Idee und erstem echten Produkt?
Es gibt nicht den härtesten Moment, sondern die Reise ist von vielen Tiefen- und Höhenflügen gekennzeichnet worden. Die Investment-Suche gehört immer zu schwierigen Phasen, aber auch die Prototypen-Entwicklung war mit Herausforderungen beim Spritzguss und unvorhergesehenen Verzögerungen begleitet. Und mit dem Markteintritt hat eine völlig neue Phase mit neuen Herausforderungen begonnen. Wir als Team wachsen jedoch an diesen Herausforderungen und unterstützen uns gegenseitig, sodass wir immer Lösungen finden.

Unser Anspruch ist, dass unsere Antikörper mindestens genauso gut funktionieren wie tierische Pendants – und genau das erreichen wir.

hey mela® ist der weltweit erste tierfreie Schwangerschaftstest. Wie wird eine tiefgreifende Innovation wie diese eigentlich zum Massenprodukt?
Um eine Innovation wie hey mela zum Massenprodukt zu machen, verfolgen wir mehrere Ansätze. Zum einen bauen wir hey mela als eigene Marke auf, zum anderen bieten wir unsere Technologie für die Integration in bestehende Produktportfolios anderer Unternehmen an.
Parallel entwickeln wir weitere diagnostische Produkte, um unser Portfolio zu erweitern. Der größte Hebel liegt jedoch im B2B-Bereich: Wenn unsere Antikörper in eine Vielzahl von Diagnostikprodukten integriert werden, können wir den Übergang zu tierfreien Lösungen in der Breite der Branche vorantreiben.

Nachhaltigkeit und Qualität gelten in vielen Branchen noch als Zielkonflikt. Wie ist das bei Ihnen: Macht die Kieselalge wirklich bessere Antikörper, oder ist es ein Kompromiss?
Unser Anspruch ist, dass unsere Antikörper mindestens genauso gut funktionieren wie tierische Pendants – und genau das erreichen wir. Durch unsere Produktionsweise erhalten wir sehr homogene Produkte mit deutlich geringeren Chargenschwankungen.
Zudem ermöglicht unser Entwicklungsprozess die gezielte Herstellung spezialisierter und kundenspezifischer Antikörper. Für uns ist Nachhaltigkeit daher kein Kompromiss, sondern geht Hand in Hand mit hoher Qualität.

Phaeosynt Team

Fördermittel als Sprungbrett

Sie sind gefördert von DBU, BMEL und EU-Fonds. Wie viel verdankt eine Innovation wie Ihre der öffentlichen Hand – und was muss der Markt selbst liefern?
Öffentliche Förderungen sind für Start-ups wie unseres ein wichtiger Wegbereiter, insbesondere in frühen Phasen, in denen technologische Entwicklungen mit hohen Risiken verbunden sind. Sie schaffen die Grundlage, Innovationen voranzutreiben und gleichzeitig attraktive Voraussetzungen für private Investitionen zu schaffen.
Langfristig entscheidet jedoch der Markt: Nur wenn echte Nachfrage besteht und wirtschaftlich tragfähige Lösungen entstehen, kann sich eine Innovation nachhaltig etablieren. Fördermittel verstehen wir daher als Sprungbrett – die eigentliche Skalierung und Finanzierung erfolgt überwiegend durch private Kapitalgebende und den Markterfolg.

Das Panel fragt: Welche Innovationen verändern unsere Zukunft wirklich? Was ist Ihre Antwort und warum gehört Phaeosynt dazu?
Innovationen, die unsere Zukunft wirklich verändern, sind solche, die Ressourcen effizienter nutzen und bestehende Systeme grundlegend verbessern. Genau hier setzt Phaeosynt an: Mit unserer Technologie produzieren wir Antikörper in Kieselalgen, sparen Ressourcen und vermeiden Tierleid. Unsere Produktion erfolgt bei etwa 20 °C in Salzwasser mit einfachen Nährstoffen, während herkömmliche Systeme auf 37 °C und komplexe, oft tierische Medien angewiesen sind.
Das macht unseren Ansatz nachhaltiger, skalierbarer und perspektivisch kosteneffizienter. Gleichzeitig ermöglichen wir eine hohe Reproduzierbarkeit und schaffen somit die Grundlage für eine zukunftsfähige Diagnostik.

Das macht unseren Ansatz nachhaltiger, skalierbarer und perspektivisch kosteneffizienter.

Ihr Team ist interdisziplinär: Biotechnologie, Chemie, BWL. Wie prägt das die Art, wie bei Ihnen Innovationen entstehen?
Ein interdisziplinäres Team ist zur Entscheidungsfindung und zum Vorankommen enorm wichtig. Wir diskutieren und entscheiden mit verschiedenen Ansichten: wissenschaftlich und wirtschaftlich. Oft sind Kompromisse die beste Lösung und wir können komplexe Probleme genau erörtern und bearbeiten und Fortschritt ermöglichen. 

Alina Eilers rät: "Denkt Lösungen grundlegend neu"

Nachhaltigkeit als Geschäftsmodell statt als Pflichtübung : Was raten Sie Unternehmen, die gerne innovativer wären, aber nicht wissen, wo sie anfangen sollen?
Beginnt mit einem konkreten Problem und denke deine Lösung grundlegend neu – nicht nur durch Optimierung bestehender Prozesse, sondern hinterfrage sie, insbesondere im Hinblick auf Nachhaltigkeit. Setze auf interdisziplinäre Teams und teste Ideen, denn echte Innovation entsteht oft durch das Zusammenspiel verschiedener Perspektiven und pragmatisches Handeln.

Wo steht Phaeosynt in fünf Jahren und welche Veränderung in der Welt wäre das Zeichen, dass es geklappt hat?
Als Start-up denken wir natürlich realistisch, aber die optimistische Vision ist folgende: Wir haben ein Portfolio von verschiedenen diagnostischen Tests, die man in Drogerien und Apotheken kaufen kann. Außerdem beliefern wir zahlreiche internationale Unternehmen mit unseren Antikörpern und ermöglichen, dass viele verschiedene Diagnostikprodukte weltweit ohne Tierleid hergestellt werden. Phaeosynt hat sich als Marke für tierfreie Antikörper etabliert, die in der Branche bekannt ist, und vor allem keinerlei Erklärung mehr bedarf!

Sustainable Economy Summit Berlin, 21.–22. April 2026
Stephanie Pfeil-Coenen, CEO von Phaeosynt, diskutiert auf dem Panel „Startup Spotlight: Innovationen von Shards, Revoltech, Phaeosynt und Pax Lupus" – gemeinsam mit weiteren Vorreiterinnen und Vorreitern nachhaltiger Wirtschaft.

Der Sustainable Economy Summit findet am 21. und 22. April 2026 im AXICA Berlin statt.
https://sustainable-economy-summit.org/event/startup/


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