Verluste/Verlustabzug

Zusammenfassung

 
Überblick

Verlust ist das Gegenteil von Gewinn und bezeichnet einen Fehlbetrag. Die Summe der Betriebsausgaben oder Werbungskosten ist größer als die der Betriebseinnahmen oder Einnahmen. Man spricht auch von negativen Einkünften oder von Unterschuss.

Im Rahmen der einkommensteuerrechtlichen Abschnittsbesteuerung gibt es 2 Arten der Verlustverrechnung, und zwar den Verlustausgleich und den Verlustabzug. Der Verlustausgleich ist Bestandteil der Ermittlung der Summe der Einkünfte, die sich aus den einzelnen Einkunftsarten zusammensetzt. Dabei werden die Verluste mit positiven Einkünften aus derselben Einkunftsart oder aus anderen Einkunftsarten im Jahr der Verlust­entstehung, also im selben Veranlagungszeitraum (VZ) verrechnet. Nicht ausgeglichene Verluste oder negative Einkünfte des Entstehungsjahres gehen in den Verlust­rücktrag als Teil des Verlustabzugs (= Verlust­rücktrag und Verlustvortrag) ein. Er ist Teil des Sonderausgabenabzugs. Ein Verlustrücktrag findet von Amts wegen statt. Der Steuerpflichtige kann auf Antrag ganz oder teilweise darauf verzichten. Verluste oder negative Einkünfte, die weder ausgeglichen noch zurückgetragen werden konnten oder auf Antrag nicht zurückgetragen wurden, werden gesondert festgestellt und als Verlustvortrag in den folgenden VZ berücksichtigt.

Der Verlustrücktrag ist begrenzt auf 1 Mio. EUR bei Einzelveranlagung und auf 2 Mio. EUR bei Zusammenveranlagung. Auch der Verlustvortrag ist betragsmäßig begrenzt. Bis zu einem Gesamtbetrag der Einkünfte von 1 Mio. EUR (Zusammenveranlagung 2 Mio. EUR) ist ein Abzug unbeschränkt, darüber hinaus nur bis zur Höhe von 60 % des 1 Mio./2 Mio. EUR übersteigenden Gesamtbetrags der Einkünfte möglich. Eine Begrenzung des Verlustvortrags auf Antrag des Steuerpflichtigen ist nicht zulässig.

Der am Schluss eines VZ verbleibende Verlustvortrag ist gesondert festzustellen.

Es gibt spezialgesetzliche Regelungen, die die Verrechnung von negativen Einkünften und von Verlusten auf die entsprechende Einkunftsquelle beschränken.

Vorübergehende Erweiterung des steuerlichen Verlustrücktrags als Corona-Hilfsmaßnahme: Der Verlustrücktrag wurde für die Jahre 2020 und 2021 auf bis zu  10 Mio. EUR bzw. 20 Mio. EUR (bei Zusammenveranlagung) erhöht. Mit Blick auf zu erwartende Verluste ist bereits für das Veranlagungsjahr 2019 ein vorläufiger pauschalierter Verlustrücktrag aus 2020 i. H. v. 30 % des Gesamtbetrags der Einkünfte (GdE) zur Anpassung der Vorauszahlungen möglich. Das gilt nicht, soweit in dem GdE Einkünfte aus nichtselbstständiger Arbeit enthalten sind. Auch kann durch die Regelungen schon in der Steuererklärung 2019 ein mit einer hohen Liquiditätswirkung verbundener vorläufiger Verlust­rücktrag für 2020 geltend gemacht werden. Auch bei der Veranlagung für 2020 kann ein vorläufiger Verlustrücktrag aus 2021 berücksichtigt werden. Außerdem ist eine Stundung für eine Nachzahlung bei der Steuerfestsetzung 2020 möglich.

 
Gesetze, Vorschriften und Rechtsprechung

§ 2 Abs. 3 EStG regelt die Ermittlung der Summe der Einkünfte.

Nach § 2 Abs. 8 EStG sind die Regelungen des EStG zu Ehegatten und Ehen auch auf Lebenspartner und Lebenspartnerschaften anzuwenden.

§ 10d EStG regelt den Verlustabzug, und zwar § 10d Abs. 1 EStG den Verlustrücktrag und § 10d Abs. 2 EStG den Verlustvortrag. § 10d Abs. 4 EStG enthält die Regelungen über die Feststellung nicht ausgeglichener oder abgezogener Verlustbeträge. Verwaltungsanweisungen und Hinweise finden sich in R 10d EStR und H 10d EStH. § 10d Abs. 1 i. V. m. § 52 Abs. 18b EStG i. d. F. des Zweiten Gesetzes zur Umsetzung steuerlicher Hilfsmaßnahmen zur Bewältigung der Corona-Krise (Zweites Corona-Steuerhilfegesetz) v. 29.6.2020, BGBl 2020 I S. 1512, ergänzt durch das Dritte Gesetz zur Umsetzung steuerlicher Hilfsmaßnahmen zur Bewältigung der Corona-Krise (Drittes Corona-Steuerhilfegesetz) v. 10.3.2021, BGBl 2021 I S. 330, enthält die Erhöhung des Verlustrücktrags für die Jahre 2020 und 2021.

§§ 26, 26a Abs. 3 EStG und § 62d EStDV regeln die Anwendung des § 10d EStG bei der Veranlagung von Ehegatten sowie Lebenspartnern (§ 2 Abs. 8 EStG).

Die Vorschrift des § 34a Abs. 8 EStG schließt die Verrechnung von Verlusten mit ermäßigt besteuerten Gewinnen aus.

§§ 110, 111 EStG i. V. m. § 52 Abs. 52, 53 EStG, jeweils i. d. F. des Zweiten Gesetzes zur Umsetzung steuerlicher Hilfsmaßnahmen zur Bewältigung der Corona-Krise (Zweites Corona-Steuerhilfegesetz) v. 29.6.2020, BGBl 2020 I S. 1512, regeln die Anpassung von Vorauszahlungen für den Veranlagungszeitraum 2019 sowie den vorläufigen Verlustrücktrag für 2020, ergänzt durch Art. 2 Nr. 17 des Jahressteuergesetzes 2020 (JStG 2020) v. 21.12.2020, BStBl 2020 I S. 3096. Mit dem Dritten Gesetz zur Umsetzung steuerlicher Hilfsmaßnahmen zur Bewältigung der Corona-Krise (Drittes Corona-Steuerhilfegesetz) v. 10.3.2021, BGBl 2021 I S. 330, werden die Regelungen der §§ 110, 111 EStG auf den vorläufigen Verlustrücktrag für 2021 erweitert.

Spezialgesetzliche Verlustbeschränkungsregelungen sind:

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