1 Fahrtenbuch oder 1-%-Regelung

Für die Wertermittlung des geldwerten Vorteils bei der Dienstwagenüberlassung an den Arbeitnehmer stehen 2 Bewertungsverfahren uneingeschränkt zur Verfügung:

  • die pauschale Nutzungswertermittlung nach der 1-%-Methode sowie
  • der Einzelnachweis in Form der Fahrtenbuchmethode.

Diese Bewertungsmethoden stellen die Grundlage für die Dienstwagenbesteuerung beim Arbeitnehmer dar. Die 1-%-Regelung wird immer dann angewendet, wenn Arbeitgeber und Arbeitnehmer sich nicht ausdrücklich für die Fahrtenbuchmethode entscheiden.

Einheitliche Bewertung für ein Kalenderjahr

Soll die Fahrtenbuchmethode angewandt werden, muss der Arbeitgeber in Abstimmung mit dem Arbeitnehmer für ein Kalenderjahr festlegen, dass die Nutzungswertermittlung durch Fahrtenbuch und Belegnachweis anstelle der 1-%-Regelung treten soll. Während eines Kalenderjahres ist bei demselben Fahrzeug kein Wechsel möglich.[1]

Eine Ausnahme gilt, wenn der Arbeitnehmer den Dienstwagen während des Jahres wechselt.[2]

 
Praxis-Tipp

Eigenes Arbeitnehmerwahlrecht im Veranlagungsverfahren

Die Bindungswirkung an die getroffene Wahl beschränkt sich auf das Lohnsteuerverfahren. Nach Ablauf des Kalenderjahres kann der Arbeitnehmer im Rahmen seiner persönlichen Einkommensteuererklärung die für ihn günstigere Methode beantragen, wenn die Voraussetzungen hierfür erfüllt sind.

Der zwingende Ansatz einer der beiden Methoden ist auch für Leasingfahrzeuge zu beachten, die als Dienstwagen überlassen werden.

2 Gesetzlicher Vorrang der 1-%-Regelung

Der gesetzliche Vorrang der 1-%-Regelung ist im Lohnsteuerverfahren dann von Bedeutung, wenn sich z.B. im Rahmen einer Lohnsteuer-Außenprüfung herausstellt, dass die gewählte Einzelnachweismethode rückwirkend versagt werden muss, weil die Aufzeichnungen des Fahrtenbuchs nicht ordnungsgemäß vorgenommen wurden.

1-%-Regelung bei Nichtanerkennung des Fahrtenbuchs

Eine Korrektur des Fahrtenbuchs im Wege der Schätzung ist ausgeschlossen. Der geldwerte Vorteil ist dann im Normalfall zum Nachteil des Arbeitnehmers für das gesamte Kalenderjahr nach der 1-%-Regelung zu berechnen. Dies gilt selbst dann, wenn lediglich in Einzelmonaten die Nachweisführung nicht ausreichend ist.[1] Auch ein Wechsel während des Jahres ist ausgeschlossen, da die Verwaltung für das gesamte Kalenderjahr eine einheitliche Dienstwagenbesteuerung vorsieht.[2]

Der BFH bestätigte in mehreren Urteilen die Verwaltungsauffassung, die im Fall der steuerlichen Nichtanerkennung des Fahrtenbuchs die nachteilige Besteuerung nach der 1-%-Regelung als einzige Alternative zur Folge hat.[3] Eine "dritte Bewertungsmethode" in Form von Schätzungen ist nicht zulässig.

3 Wahlrecht bei Überlassung mehrerer Fahrzeuge

Bei gleichzeitiger Überlassung mehrerer Dienstwagen hat der Arbeitnehmer ein Wahlrecht: Er kann für einzelne Fahrzeuge den geldwerten Vorteil aus der Privatnutzung individuell ermitteln, wenn er ein ordnungsgemäßes Fahrtenbuch führt, und für die anderen Fahrzeuge die Nutzungswertbesteuerung nach der 1-%-Regelung durchführen.[1]

4 Möglichkeit der Privatnutzung führt zu geldwertem Vorteil

Der BFH hat in einer Reihe von Urteilen entschieden, dass bei Anwendung der 1-%-Methode der geldwerte Vorteil bereits in der konkreten Möglichkeit besteht, den Dienstwagen zu Privatfahrten nutzen zu dürfen.[1] Der BFH hat damit seine frühere Rechtsauffassung aufgegeben, nach der bei erlaubter Privatnutzung des Dienstwagens die entsprechende Nutzung nur vermutet wurde (Anscheinsbeweis für eine private Nutzung). Die Widerlegbarkeit der privaten Nutzung ist nicht mehr entscheidend für den Nichtansatz eines geldwerten Vorteils.

Erlaubnis des Arbeitgebers entscheidend

Für die Dienstwagenbesteuerung kommt es allein darauf an, dass der Arbeitgeber

  • dem Arbeitnehmer erlaubt, das Firmenfahrzeug auch privat nutzen zu dürfen und
  • dem Arbeitnehmer die Verfügungsmacht über das Fahrzeug verschafft.

Der geldwerte Vorteil aus der Nutzungsüberlassung umfasst die Übernahme sämtlicher damit verbundenen Kosten, also sowohl den nutzungsabhängigen wie den nutzungsunabhängigen Fahrzeugaufwand. Auch ohne den Einsatz zu Privatfahrten erspart sich der Arbeitnehmer zumindest die Fixkosten, die er für das Vorhalten eines betriebsbereiten Kfz verausgaben müsste.

Zufluss unabhängig von der tatsächlichen Nutzung

Der geldwerte Vorteil fließt dem Arbeitnehmer bereits mit der unentgeltlichen bzw. verbilligten Überlassung des Fahrzeugs zu und nicht erst mit der tatsächlichen Nutzung zu privaten Fahrten, wenn die Privatnutzung arbeitsrechtlich oder durch konkludentes Handeln zugelassen ist. Da die Anwendung der 1-%-Methode unabhä...

Das ist nur ein Ausschnitt aus dem Produkt Steuer Office Gold. Sie wollen mehr? Dann testen Sie hier live & unverbindlich Steuer Office Gold 30 Minuten lang und lesen Sie den gesamten Inhalt.


Meistgelesene beiträge