Reuber, Die Besteuerung der... / 3. Sachzuwendung/-spende stammt aus dem Betriebsvermögen
 

Tz. 7

Stand: EL 102 – ET: 04/2017

Wird eine Sachzuwendung/-spende unmittelbar vor der Zuwendung aus einem Betriebsvermögen entnommen, so bemisst sich die Zuwendungshöhe nach dem Wert, der bei der Entnahme angesetzt wurde und der auf die Entnahme entfallende Umsatzsteuer (s. § 10b Abs. 3 Satz 2 EStG, Anhang 10).

Der Zuwender/Spender hat hinsichtlich des Entnahmewerts ein Wahlrecht:

  • Zum einen kann der Zuwender/Spender den eigentlich gesetzlich für Entnahmen vorgeschriebenen Teilwert (§ 6 Abs. 1 Nr. 4 Satz 1 EStG, Anhang 10) als Entnahmewert ansetzen. Der Teilwert ist der Wert, der ein gedachter Erwerber des Betriebs für dieses Wirtschaftsgut bezahlen müsste. D. h. die stillen Reserven dieses Wirtschaftsguts würden bei einer Entnahme zum Teilwert aufgedeckt und den Gewinn des Betriebes erhöhen.
  • Alternativ kann der Zuwender/Spender – wegen der Zuwendung an einen steuerbegünstigten Empfängers i. S. d. § 5 Abs. 1 Nr. 9 KStG – das Wirtschaftsgut zu seinem Buchwert (sog. "Buchwertprivileg") aus dem Betriebsvermögen entnehmen (§ 6 Abs. 1 Nr. 4 Satz 4 EStG, s. Anhang 10). So privilegiert der Gesetzgeber eine Entnahme von Wirtschaftsgütern aus einem Betriebsvermögen, wenn diese unmittelbar nach der Entnahme einer steuerbegünstigten (gemeinnützigen) Einrichtung i. S. d. § 5 Abs. 1 Nr. 9 KStG (Anhang 3) zugewendet werden. In diesen Fall kann die Sachzuwendung/-spende mit ihrem Buchwert aus dem Betriebsvermögen entnommen werden.

Die Empfängerkörperschaft ist an das Wahlrecht des Spenders gebunden. Als Faustregel kann hier gelten, dass höchstens der Wert in der Zuwendungs-/Spendenbescheinigung angesetzt werden darf, mit dem der Zuwendenden/Spender das Wirtschaftsgut seinem Betriebsvermögen entnommen hat.

Zu dem Entnahmewert kommt noch die auf die Entnahme ggf. entfallende Umsatzsteuer (§ 10b Abs. 3 Satz 2 EStG, Anhang 10).

 
Hinweis

Hinweis:

Soweit Wirtschaftsgüter aus einem Betriebsvermögen heraus zugewendet werden, braucht der Zuwendungs-/Spendenempfänger keine zusätzlichen Unterlagen in seine Buchführung aufzunehmen. Ebenso sind Angaben über die Unterlagen, die der Werteermittlung gedient haben, nicht erforderlich. Es ist in der Zuwendungsbestätigung jedoch der Hinweis aufzunehmen, dass die Sachzuwendung nach den Angaben des Zuwendenden aus dem Betriebsvermögen stammt, und dass die Zuwendung nach dem Wert der Entnahme (ggf. mit dem niedrigeren gemeinen Wert) und nach der darauf entfallenden Umsatzsteuer bewertet wurde.

 

Beispiel:

Unternehmer U spendet dem Fußballverein F seinen gebrauchten Kleinbus. Der Kleinbus hat laut Anlageverzeichnis im Zeitpunkt der Entnahme noch einen Buchwert i. H. v. 2 000 EUR. Der Teilwert für dieses Fahrzeug beträgt 10 000 EUR. Der Teilwert entspricht dem umsatzsteuerlichen Einkaufspreis.

Ergebnis:

  • Entnimmt U das Fahrzeug mit dem Buchwert von 2 000 EUR plus Umsatzsteuer (= 1 900 EUR; 19 % von 10 000 EUR), kann der Fußballverein F ihm für 3 900 EUR eine Zuwendungs-/Spendenbestätigung nach amtlichen Muster ausstellen. Ertragsteuerlich löst die Entnahme keine Gewinnerhöhung aus. Für die Umsatzsteuer spielt der ertragsteuerliche Entnahmewert jedoch keine Rolle. Maßstab für die Umsatzsteuer ist der (Netto-)Einkaufspreis des Wirtschaftsguts (§ 10 Abs. 4 Nr. 1 UStG)
  • Entnimmt U das Fahrzeug zum Teilwert von 10 000 EUR, kann F eine Zuwendungs-/Spendenbestätigung über 11 900 EUR (Teilwert 10 000 EUR zzgl. USt 1 900 EUR) ausstellen. In diesem Fall besteuert U den Entnahmegewinn (8 000 EUR) als zusätzlichen Gewinn des Unternehmens und kann 11 900 EUR als Zuwendung steuerlich geltend machen. Die Umsatzsteuer muss er ebenfalls an das Finanzamt abführen.
 

Tz. 8

Stand: EL 102 – ET: 04/2017

Voraussetzung für die zutreffende Ausstellung einer Zuwendungsbestätigung über den Erhalt einer Sachzuwendung/-spende ist, dass die steuerbegünstigte Einrichtung die dafür notwendigen Angaben vom Zuwender/Spender erhält.

Die erste Information, die vom Zuwendenden/Spender gegenüber dem Verband/Verein gegeben werden muss, ist, ob die Sachzuwendung/-spende aus dem Betriebsvermögen oder aus dem Privatvermögen entnommen wurde. Stammt die Sachzuwendung/-spende aus dem Betriebsvermögen, muss der Zuwendende/Spender mitteilen, mit welchem Wert er die Sache aus dem Betriebsvermögen entnommen hat. Auch die auf die Entnahme ggf. zu entrichtende Umsatzsteuer ist dem steuerbegünstigten Empfänger mitzuteilen.

Hinweis:

  • In der Zuwendungs-/Spendenbestätigung für Sachzuwendungen/Sachspenden sind genaue Angaben über den zugewendeten Gegenstand aufzunehmen (z. B. Alter, Zustand, historischer Kaufpreis usw.). Für die Sachzuwendung/Sachspende zutreffende Sätze sind in den entsprechenden Mustern der Zuwendungs-/Spendenbestätigungen (s. Anhang 13) anzukreuzen.
  • Die Durchschrift der Zuwendungs-/Spendenbestätigung über die erhaltene Sachzuwendung/-spende hat der Zuwendungsempfänger zusammen mit der Zuwendungsbestätigung als Nachweis in seine Buchführung aufzunehmen.
 
Praxis-Beispiel

Abwandlung zum vorigen Beispiel

Unternehmer U spendet dem Fußballverein F seinen ge...

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