Zuschüsse des Arbeitgebers zur Zusatzkrankenversicherung sind Sachbezüge
Ein Arbeitgeber bot seinen Arbeitnehmern über einen Mitarbeiteraushang den Abschluss arbeitgeberseitig bezuschusster privater Zusatzkrankenversicherungen an und wies darauf hin, dass die Arbeitnehmer bei Ausschlagung dieses Angebots keinen ersatzweisen Geldwertanspruch haben. Die an dem Angebot interessierten Arbeitnehmer schlossen die Versicherungsverträge direkt mit der Versicherungsgesellschaft ab; dabei traten sie selbst als Versicherungsnehmer auf. Die Beiträge wurden von ihnen direkt an die Gesellschaft überwiesen, der Arbeitgeber leistete lediglich einen monatlichen Zuschuss auf die Gehaltskonten der Arbeitnehmer.
Fraglich war nun, ob die Zuschüsse als Sachlohn qualifiziert werden können mit der steuergünstigen Folge, dass sie unter die monatliche 44-EUR-Grenze des § 8 Abs. 2 S. 11 EStG gefasst werden können. Das Finanzamt berief sich auf die Aussagen im BMF-Schreiben v. 10.10.2013 (BStBl I 2013, 1301) und nahm dementsprechend Barlohn an, sodass es Lohnsteuer auf die Zuschüsse des Arbeitgebers nacherhob.
Finanzgericht hält Zuschüsse für Sachlohn
Das Finanzgericht stufte die Zahlungen jedoch als Sachlohn ein, sodass die 44-EUR-Freigrenze anwendbar und die Lohnsteuernachforderung rechtwidrig war. Das Gericht stützte sich auf die neuere höchstrichterliche Rechtsprechung, nach der für die Abgrenzung von Bar- und Sachlohn der Rechtsgrund des Zuflusses entscheidend ist. Kann ein Arbeitnehmer lediglich die Sache selbst beanspruchen, liegen demnach steuerbegünstige Sachbezüge vor. Unerheblich ist dann, ob der Arbeitnehmer die Sache unmittelbar vom Arbeitgeber erhält oder von einem Dritten auf Kosten des Arbeitgebers. Unbeachtlich ist ferner, ob der Arbeitnehmer selbst Vertragspartner des Dritten ist oder der Arbeitgeber die Sachleistung bei dem Dritten bezieht. Ein arbeitgeberseitig eingeräumter Krankenversicherungsschutz ist demnach als Sachlohn zu qualifizieren, wenn der Arbeitnehmer aufgrund seines Arbeitsvertrags ausschließlich Versicherungsschutz verlangen kann (und keine Geldzahlung). Um Sachlohn handelt es sich auch dann, wenn der Arbeitgeber die Beiträge des Arbeitnehmers zu einer Zusatzkrankenversicherung bezuschusst, sofern ein Anspruch auf diesen „Bonus“ nur bei einem abgeschlossenen Versicherungsvertrag besteht und die Zuschüsse nicht die gezahlten Beiträge des Arbeitnehmers übersteigen.
Entscheidung des BFH steht noch aus
Der Bundesfinanzhof wird sich im anhängigen Revisionsverfahren (Az VI R 16/17) mit der Thematik befassen müssen. Einsprüche, die sich auf das anhängige Verfahren beziehen, lösen ein Ruhen des Einspruchsverfahrens bis zur abschließenden Klärung der Streitfrage aus.
FG Mecklenburg-Vorpommern, Urteil v. 16.3.2017, 1 K 215/16
-
Zeitpunkt der Vereinnahmung gemäß § 13 Abs. 1 Nr. 1 Buchst. b UStG bei Überweisungen
407
-
Vorsteuerabzug bei Betriebsveranstaltungen
307
-
Vermietung an den Partner in einer nichtehelichen Lebensgemeinschaft
279
-
Sonderausgabenabzug für einbehaltene Kirchensteuer auf Kapitalerträge aus anderen Einkunftsarten
241
-
Antrag auf Aufteilung der Steuerschuld nach § 268 AO ist unwiderruflich
217
-
Abschreibung für eine Produktionshalle
178
-
Abzug von Fahrtkosten zur Kinderbetreuung
177
-
Fahrten zwischen Wohnung und Betriebsstätten bei Selbstständigen
1721
-
Selbst getragene Kraftstoffkosten bei der 1 %-Regelung
161
-
Entgeltlicher Verzicht auf Nießbrauch bei einem vermieteten Grundstück
1361
-
Geldgeschenk zu Ostern i. H. von 20.000 EUR
16.01.2026
-
Prüfung der Behaltensfrist erbschaftsteuerbegünstigten Vermögens
16.01.2026
-
Energiepreispauschale auch für Rentner einkommensteuerpflichtig
15.01.2026
-
Passivität des Investors maßgebend für Eingreifen der Beschränkungen des § 15b EStG
15.01.2026
-
Alle am 15.1.2026 veröffentlichten Entscheidungen
15.01.2026
-
Keine gewerbesteuerliche Hinzurechnung für Werbung auf Bussen und Bahnen
14.01.2026
-
Kindergeld bei fehlender Mitwirkung der ausländischen Verbindungsstelle
14.01.2026
-
"Unechte" Realteilung beim Ausscheiden einer Mitunternehmerkapitalgesellschaft
12.01.2026
-
Behandlung von GmbH-Anteilen des Mitunternehmers als Sonderbetriebsvermögen II
12.01.2026
-
Aufwendungen für einen KFZ-Stellplatz im Rahmen einer doppelten Haushaltsführung
12.01.2026