Häusliches Arbeitszimmer eines Gutachters

Das FG Münster hat entschieden, dass das häusliche Arbeitszimmer eines u. a. von Gerichten beauftragten psychologischen Gutachters den Mittelpunkt dessen beruflicher Tätigkeit darstellen kann, mit der Folge, dass die Aufwendungen unbegrenzt als Werbungskosten abzugsfähig sind.

Betriebsausgabenabzug für ein häusliches Arbeitszimmer

Vor dem FG Münster klagte ein selbstständiger psychologischer Gutachter. Der Kläger wird vor allem in Überprüfungsverfahren für Strafvollstreckungskammern und für Einrichtungen des Maßregelvollzugs tätig. Für das Streitjahr 2020 begehrte er, die kompletten Kosten für ein häusliches Arbeitszimmer als Betriebsausgaben geltend zu machen. Doch das Finanzamt erkannte lediglich 1.250 EUR an mit der Begründung, das häusliche Arbeitszimmer stelle nicht den Mittelpunkt der Tätigkeit des Klägers dar.

Qualitativer Schwerpunkt

Nach Auffassung des Finanzamts liegt der qualitative Schwerpunkt in den für die Begutachtung unerlässlichen Explorationen der zu begutachtenden Personen. Der Kläger argumentierte jedoch, dass die Explorationen und die Gerichtstermine im Verhältnis zur Tätigkeit im Arbeitszimmer in einem zeitlich untergeordneten Rahmen lägen (Verhältnis zwischen 1:3 und 1:5). Die eigentliche Tätigkeit stelle die Ausarbeitung der Gutachten dar. Die Klage hatte Erfolg. Das FG Münster sah den qualitativen Schwerpunkt der Tätigkeit des Klägers in seinem Arbeitszimmer.

FG Münster, Urteil v. 18.8.2022, 8 K 3186/21 E, veröffentlicht am 15.9.2022