04.11.2013 | Hartz IV-Studie

Zahl psychisch kranker Hartz IV-Empfänger steigt

Psychisch kranke Hartz IV-Empfänger sind schwer zu vermitteln
Bild: MEV Verlag GmbH, Germany

Nach aktueller Studie sind Hartz IV-Empfänger sind besonders häufig von psychischen Erkrankungen betroffen. Bei über einem Drittel wird pro Jahr eine psychische Beeinträchtigung festgestellt. Jobcenter-Mitarbeiter sind vom Umgang mit psychisch kranken Arbeitslosen überfordert.

Antriebslosigkeit, Panikzustände, Ängste - viele Hartz IV-Empfänger leiden laut Arbeitsmarktforschern unter psychischen Problemen. Rund ein Drittel der Hartz IV-Empfänger ist nach einer am 31.10.2013 veröffentlichten Studie des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) in Nürnberg und der Universität Halle-Wittenberg betroffen.

Krankheitsdaten der Hartz IV-Empfänger

Viele Hartz IV-Empfänger litten unter affektiven und neurotischen Störungen, Depressionen sowie seelisch bedingten körperlichen Leiden wie aus Krankenkassendaten hervorgeht. Arbeitsvermittler in Jobcentern hätten den Anteil der psychisch kranken Hartz-IV-Betroffenen in Interviews auf 5 bis 40 % geschätzt. Wogegen Fallmanager der Jobcenter gehen sogar 50 % bis 60 % aller Hartz IV-Empfänger von psychischen Problemen betroffen sehen.

Mitarbeiter der Jobcenter können psychische Erkrankungen schlecht erkennen

Die Studie ergab ferner, dass sich viele Mitarbeiter in Jobcentern im Umgang mit psychisch Kranken überfordert fühlten. Viele Mitarbeitern der Jobcenter können nur schwer erkennen, ob jemand eine psychische Störung habe, berichten die Forscher, was häufig Missverständnisse zur Folge hat. So wird von Jobvermittler das bei manchen Erkrankungen auftretende Symptom des Antriebsmangels unter Umständen als geringes Interesse an einem Job interpretiertet.

Jobvermittler haben zu wenig Zeit für psychisch Kranke

In den Augen mancher Jobcenter-Mitarbeiter erlaubten schon die Rahmenbedingungen nicht, dass sie sich angemessen um psychisch Kranke kümmern könnten, da es wegen der Vielzahl der zu betreuenden Arbeitslosen an Zeit fehle.

Gefordert wird zudem dringend eine Fortbildung der Jobvermittler. Denn durch falsche Fallbearbeitung wie z. B. inadäquate Ansprache, falsche Maßnahmezuweisung oder gar Sanktionen in den Jobcentern könnten bestehende Probleme verschlimmert werden.

Bessere Betreuung psychisch Kranker

Auch müssten für psychisch kranke Arbeitslose passgenauere arbeitsmarktpolitische Instrumente entwickelt werden. Zudem sollten diese Menschen bei einer Jobvermittlung noch längere Zeit nachbetreut werden (s. News v. 16.9.2013 ).

Fort- und Weiterbildungskurse, mit denen erkrankte Hartz IV-Empfänger fit für den Arbeitsmarkt gemacht werden sollen, seien außerdem oft zu kurz. "Zurückgegriffen wird oft mangels Alternativen auf Standardmaßnahmen der allgemeinen Förderung, die nur bedingt eine individuelle Ausrichtung ermöglichen", kritisieren die Autoren der Studie.

Bundesagentur für Arbeit nimmt die Studie Ernst

Nach Ansicht der Bundesagentur für Arbeit (BA) müssen die neuen Erkenntnisse Ansporn für eine bessere Betreuung der Betroffenen sein. "Wir fühlen uns von dieser Studie herausgefordert, dieses Thema noch intensiver zu bearbeiten als bisher", sagte das für Hartz IV zuständige BA-Vorstandsmitglied Heinrich Alt. Künftig müssten Mitarbeiter der Jobcenter noch besser für den Umgang mit Menschen mit psychischen Handicaps fortgebildet werden. Aber auch Unternehmen sollten psychisch eingeschränkten Menschen eine Chance geben.

Schlagworte zum Thema:  Hartz IV, Jobcenter, Psychische Erkrankung

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