Langzeitarbeitslosigkeit: Nachbetreuung im neuen Job

Im Kampf gegen die Langzeitarbeitslosigkeit setzt die Bundesagentur für Arbeit (BA) verstärkt auf die Nachbetreuung vermittelter Jobsucher. Bislang habe die BA zu viel Zeit in die Anbahnung von neuen Jobs gesteckt. Jetzt sollen ehemalige Langzeitarbeitslose im Job betreut werden.

Ohne Job, und das schon seit mehr als einem Jahr - das sind meist keine gute Voraussetzungen für die Arbeitssuche. Aber auch wer einen Job fand, war ihn meist schon nach ein paar Monaten wieder los. Das will die Bundesagentur für Arbeit jetzt ändern.

Pilotprojekt zur Betreuung Langzeitarbeitsloser

Ein bislang in Aachen und Erfurt getestetes Pilotprojekt soll nun auf 18 weitere Jobcenter und 9 Arbeitsagenturen ausgeweitet werden, teilte die Nürnberger Bundesbehörde am Freitag mit. Sollte sich das Konzept auch dort bewähren, werde es bundesweit umgesetzt, kündigte die BA an.

Langzeitarbeitslose schätzen Nachbetreuung

Der Test in den beiden Pilotstädten habe gezeigt, dass die von einem Coach unterstützten früheren Langzeitarbeitslosen länger beschäftigt blieben. Auch die Unternehmen hätten die Nachbetreuung als sehr hilfreich bewertet, berichtete die BA. Job-Vermittler könnten zudem noch besser beurteilen, "woran es dem Einzelnen noch fehle", ergänzte eine BA-Sprecherin.

Begleitung Langzeitarbeitsloser im neuen Job

Nach dem Konzept sollen frühere Langzeitarbeitslose während der Probezeit - höchstens jedoch für 6 Monate - von ihrem früheren Vermittler im neuen Job begleitet werden. Die Betreuer sollen sich immer dann einschalten, wenn es Probleme mit dem Chef gebe. Für die Bundesagentur stellt das Nachbetreuungskonzept einen völlig neuen Ansatz dar. Bislang hatten sich Jobcenter und Arbeitsagenturen darauf beschränkt, Langzeitarbeitslose eine Stelle zu vermitteln.

Langzeitarbeitslose nicht lange im Job

Die Bundesagentur reagiert mit dem Konzept auf den sogenannten Drehtüreffekt: Es sei in der Vergangenheit immer häufiger gelungen, Langzeitarbeitslose eine Stelle zu vermitteln, aber nahezu die Hälfte von ihnen sei bereits nach einem halben Jahr wieder ohne Arbeit gewesen, berichtete die Bundesagentur.

Bedürfnisse der Langzeitarbeitslosen

Das für Hartz IV zuständige Vorstandsmitglied Heinrich Alt räumte am Freitag ein, dass die Bundesagentur in den Vergangenheit "zu viel in die Anbahnung von Arbeitsverhältnissen investiert hat, und zu wenig in deren Stabilisierung". Manche Menschen bräuchten Hilfe, "damit sie nicht gleich wieder das Handtuch werfen", andere wiederum bei der Suche nach einer Kinderbetreuung. Für manche sei es auch "ein gutes Gefühl, zu wissen, dass jemand da ist der zuhört", sagte Alt.

dpa