Verschreibungsfreie Medikamente sind keine Kassenleistung
Das entschied das Bundesverfassungsgericht (BVerfG) in einem am 16.01.2013 veröffentlichten Beschluss v. 12.12.2012 (1 BvR 69/09). Die Belastung der Versicherten stehe in einem angemessenem Verhältnis zu dem Ziel, die Kosten im Gesundheitswesen zu dämmen. Die gesetzlichen Krankenkassen müssten nicht alles bezahlen, was «an Mitteln zur Erhaltung oder Wiederherstellung der Gesundheit verfügbar ist».
Dauermedikation wegen chronischer Erkrankung
Damit hatte die Beschwerde eines 1934 geborenen Versicherten keinen Erfolg. Der Kläger leidet an einer chronischen Atemwegserkrankung, die sein Hausarzt dauerhaft mit einem schleimlösenden Medikament behandelt. Das kostet im Monat 28,80 EUR. Die Krankenkasse lehnte eine Übernahme der Kosten trotz ärztlicher Verschreibung ab.
BVerfG bestätigt Leistungsablehnung der Kasse
Verschreibungsfreie Medikamente sind aus dem Leistungskatalog der gesetzlichen Krankenversicherungen ausgeschlossen. Und das sei mit dem Grundgesetz vereinbar. Versicherten könnten mit einer zumutbaren Eigenleistungen an den Kosten beteiligt werden. Zudem sei gewährleistet, dass für Medikamente, die als Therapiestandard bei schwerwiegender Erkrankung anerkannt sind, die Krankenkasse ausnahmsweise die Kosten übernimmt.
Schwere der Erkrankung ist Kriterium
Der Gesetzgeber differenziert zwischen schwerwiegenden und anderen Erkrankungen, was verfassungsrechtlich zu rechtfertigen ist. Bei schwerwiegenden Erkrankungen können auch nicht verschreibungspflichtige Medikamente zu Kassenlasten verordnet werden, wenn das Medikament zum Therapiestandard gehört. Die Schwere der Erkrankung ist ein geeignetes Sachkriterium im gesetzlichen Krankenversicherungssystem, um innerhalb des Leistungskatalogs zu unterscheiden.
Härtefallregel schützt vor unzumutbarer Belastung
Schließlich habe der Gesetzgeber Regelungen getroffen, um die Belastung von chronisch Kranken durch die Kosten für Medikamente in Grenzen zu halten. Im verhandelten Fall liege jedoch ein besonderer Härtefall nicht vor. Der Beschwerdeführer habe nichts dazu vorgetragen, dass es in seinem Fall «sozial nicht vertretbar ist, eine sich für ihn ergebende Belastung von 28,80 EUR monatlich zu tragen», befand das Gericht.
-
Neue Regelungen beim Krankengeld ab 2027
2.350
-
Wie wirkt sich Krankengeld auf die Rente aus?
1.119
-
Urlaub während Krankschreibung: Was ist zu beachten?
1.103
-
Neue Arbeitsverhältnisse
169
-
Einmalzahlungen und ihre Wirkung auf das Krankengeld
159
-
Entgeltfortzahlung und Krankengeld - unterschiedliche Berechnungen beachten
153
-
Erste Fragen zur neuen AU-Bescheinigung
150
-
Gesetzgeber darf Cannabisblüten aus GKV-Leistungskatalog streichen
149
-
Die rechtmäßige Aufforderung durch die Krankenkasse
145
-
Widerspruch gegen die Aufforderung der Krankenkasse zur Reha
129
-
Qualitätssicherung im Krankenhaus darf nicht auf dem Spiel stehen
24.09.2026
-
Künstliche Intelligenz treibt Klagezahlen an Sozialgerichten in die Höhe
23.09.2026
-
Aktuelle Finanzentwicklung der GKV 2026
21.09.2026
-
Bundesregierung plant härteres Vorgehen gegen Sozialmissbrauch
18.09.2026
-
Hybrid-DRGs sorgen für deutlichen Ausgabenanstieg bei der GKV
17.09.2026
-
Apothekenzahl in Deutschland erreicht niedrigsten Stand seit fast 50 Jahren
16.09.2026
-
Wegeunfall nach Umweg für vergessenen Schlüssel?
14.09.2026
-
Urteile zur gesetzlichen Unfallversicherung im Überblick
14.09.2026
-
Keine Kostenübernahme bei künstlicher Befruchtung Alleinstehender
09.09.2026
-
Reanimation allein begründet nicht automatisch vollstationäre Vergütung
08.09.2026