| Psychische Belastung am Arbeitsplatz

Sanktionen für Arbeitgeber bei Stress am Arbeitsplatz

Kann eine Anti-Stress-Verordnung Arbeitsbelastung reduzieren?
Bild: Haufe Online Redaktion

Die Hälfte der Deutschen leiden nach aktueller Studie an Stress. Stressfaktor Nr. 1 ist für zwei Drittel der Job. Gegen die zunehmende psychische Belastung am Arbeitsplatz soll eine Anti-Stress-Verordnung mit Sanktionen für Arbeitgeber helfen.

Die Techniker Krankenkasse (TK) hat am 30.10.2013 die Studie "Bleib locker, Deutschland!" veröffentlicht, nach der fast 6 von 10 Deutschen ihr Leben als stressig empfinden. Mehr als jeder 2. beschreibt einen steigenden Stresspegel in den letzten 3 Jahren. Besonders belastend ist der Spagat zwischen Kind und Karriere und nicht zuletzt der Pflege der eigenen Eltern, die viele Berufstätige trifft.

Sanktionen bei zu viel Stress am Arbeitsplatz

Arbeitgeber, die ihre Beschäftigten nicht vor Stress schützen, sollen laut dem Deutschen Gewerkschaftsbund (DGB) mit Sanktionen rechnen müssen. "Der Arbeitsstress hat ein besorgniserregendes Ausmaß angenommen", sagte DGB-Vorstandsmitglied Annelie Buntenbach. Deswegen fordert sie klare Regeln wie

  • eine Anti-Stress-Verordnung,
  • mehr Mitbestimmung für Betriebs- und Personalräte sowie Beschäftigte und
  • auch mehr Sanktionen für die Arbeitgeber, die sich nicht an Recht und Gesetz halten.

Ein wichtiger Schritt in die richtige Richtung war die "Gemeinsamen Erklärung zur psychischen Gesundheit in der Arbeitswelt" des BMAS, BDA und DGB (s. News v. 11.9.2013).

Arbeitgeber halten Arbeitsschutzrecht für ausreichend

Nach Aussage der Bundesvereinigung der Deutschen Arbeitgeberverbände (BDA) sei es falsch, psychische Erkrankungen vorrangig auf Arbeit zurückzuführen. Im Gegenteil habe Arbeit in aller Regel positive Effekte auf die psychische Gesundheit. Nachgewiesen sei, dass Beschäftigte seltener an psychischen Erkrankungen leiden als nicht Erwerbstätige. Eine Anti-Stress-Verordnung (s. News v. 16.11.2012) wäre ein weiterer Eingriff und "kontraproduktiv, bürokratisch und praxisfern", da das Arbeitsschutzrecht bereits ausreichend reguliere.

Burnout droht durch Arbeitsstress und hohe Ansprüche

Die Arbeit ist für 2 Drittel der Berufstätigen der größte Stressfaktor. Jedoch stehen bereits an 2. Stelle die hohen Ansprüche der Menschen an sich selbst. Der Vorsitzende des TK-Vorstands, Dr. Jens Baas bezeichnete es als alarmierend, dass sich bereits 40 % der Berufstätigen abgearbeitet fühlen, jeder 3. sogar ausgebrannt. "Ein stressfreier Arbeitsplatz ist eine Utopie - und auch kein erstrebenswertes Ziel", so Baas.

Stress-Studie "Bleib locker, Deutschland!"

Im Auftrag der TK hat Forsa im September 2013 bevölkerungsrepräsentativ 1.000 Erwachsene in Deutschland zur Stresslage der Nation befragt. Der Studienband "Bleib locker, Deutschland!" enthält die vollständigen Ergebnisse.

Stress ist nicht nur negativ - die Work-Life-Balance muss stimmen

Jeder 2. Berufstätige sagt, dass Stress ihn anspornt, jeder 5. läuft unter Druck sogar erst richtig zu Hochform auf. "Entscheidend ist, dass man über genügend Ressourcen verfügt, die man dem Stress entgegensetzen kann", so Baas. Und hier können Arbeitgeber ansetzen, indem sie auf die Work-Life-Balance ihrer Beschäftigten achten. Denn ein entsprechender Ausgleich in der Freizeit gegenüber einem fordernden oder auch monotonen Job, kann das vieles kompensieren.

Schlagworte zum Thema:  Anti-Stress-Verordnung, Psychische Belastung, Stress, Work-Life-Balance

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