ZErb 04/2021, Literaturkritik: Erbrecht

Liebe Leserinnen und Leser,

unter der Rubrik "Literaturkritik: Erbrecht" stellen wir monatlich eine Auswahl von Neuerscheinungen aus dem Bereich des Erbrechts, des Erbschaftssteuerrechts sowie der erbrechtsrelevanten Nebengebiete vor.

Baumbach/Lauterbach/Hartmann/Anders/Gehle,

Zivilprozessordnung: ZPO,

Kommentar, 79. Auflage 2021,

C.H.BECK, ISBN 978-3-406-75500-2, 169,00 EUR.

Bereits in 79. Aufl. ist in der Reihe der Beck‘schen Kurzkommentare der Standardkommentar zur Zivilprozessordnung erschienen. Die Neuauflage ist u.a. unter dem Eindruck der COVID-19-Pandemie entstanden. Neben den Änderungen und Entwicklungen in Gesetzgebung, Rechtsprechung und Literatur haben die Bearbeiter die Folgen und zum großen Teil offenen Fragen, die sich aus der Coronakrise und der Digitalisierung der Justiz ergeben aufgearbeitet. Exemplarisch sei die Kommentierung von Anders zum § 128a ZPO herausgegriffen. Die Vorschrift erlangt durch die Pandemie und den hierdurch stark geförderten digitalen Wandel in der Justiz zunehmend praktische Bedeutung. Anders betont, dass zur Gewährung rechtlichen Gehörs eine ununterbrochene Bild und Tonübertragung notwendig sei. Etwaige Verfahrenshandlungen wären zur Wahrung des rechtlichen Gehörs nachzuholen, sollte die Verbindung während der Verhandlung unterbrochen worden sein. Zur Wahrung der Öffentlichkeit sei es dagegen ausreichend, wenn den Zuhörern lediglich der Ton übertragen wird. Anders schafft mit seiner Kommentierung eine erste Strukturierung des § 128a ZPO, die auch die ersten konkreten Erfahrungen, tatsächlichen Schwierigkeiten und deren rechtliche Folgen mit in den Blick nimmt.

Baumbach/Lauterbach/Hartmann/Anders/Gehle ist ein Standardwerk des Zivilprozessrechtes. Seine Neuanschaffung in der 79. Auflage ist insbesondere vor dem Hintergrund der COVID-19-Pandemie und der Digitalisierung der Justiz besonders zu empfehlen.

Beckervordersandfort (Hrsg.),

Gestaltungen zum Erhalt des Familienvermögens,

Praxisliteratur, 2. Auflage 2020,

zerb Verlag, ISBN 978-3-95661-100-1, 59,00 EUR.

Das für die tägliche Praxis geschriebene Handbuch bietet eine aktuelle und gut verständliche Darstellung der Risiken und Gestaltungsmöglichkeiten für komplexe Familienvermögen. Dabei haben die Autoren stets das übergeordnete Ziel vor Augen, das Familienvermögen zu erhalten und Streitigkeiten innerhalb der Familie zu vermeiden. Ausgehend von den Risiken für komplexe Familienvermögen werden diverse Regelung und Gestaltungsmöglichkeiten zum Erhalt dieser zum Teil sehr komplexen Vermögen dargestellt. Dabei werden nicht nur Aspekte wie Testamentsgestaltung, Testamentsvollstreckung oder Familienpools aufgearbeitet und mit entsprechenden Mustern präsentiert. Auch die Aspekte Güterstandwechsel, lebzeitige Übertragung von Vermögenswerten, Geschäftsunfähigkeit, Minderjährigkeit und Familiencharta haben Eingang in die Bearbeitung gefunden. Schließlich haben die Autoren auch Mechanismen zur Streitvermeidung (Schiedsgerichtsbarkeit und Mediation) mit dem Praxishandbuch aufbereitet.

Plottek stellt im 10. Kapitel die Stiftung als Instrument des Vermögenserhalts dar. Ausgehend von den Stiftungsformen widmet sich Plottek ausführlich der Frage, wann der Einsatz von Stiftungen in der Vermögensplanung sinnvoll ist. Die fundierte und gut lesbare Darstellung zeigt die Anwendungsbereiche verschiedener Stiftungsgestaltungen auf und bietet so eine exzellente Grundlage für die effektive und zielorientierte Beratung der Familien.

Die 2. Auflage hat dabei diejenigen "Lücken" der 1. Auflage geschlossen und sinnvolle und praxisrelevante Aspekte, wie etwa den Aspekt der Minderjährigen ergänzt. Für die 3. Auflage wäre es wünschenswert, dass Beckervordersandfort/Sielker ihre Ausführungen zum Behindertentestament insoweit ergänzen würden, als die notwendigen und sozialrechtlich unproblematischen Befreiungen von den gesetzlichen Beschränkungen, insbesondere die Befreiung von § 2119 BGB, in den Mustern eingearbeitet würden.

Die umfangreiche, detaillierte und mit einer Vielzahl von praxistauglichen Mustern versehene Bearbeitung ist eine große Bereicherung für alle, die Familie mit komplexen Vermögen beraten.

Bender/Häcker/Schwarz,

Tatsachenfeststellung vor Gericht,

Glaubhaftigkeits- und Beweislehre, Vernehmungslehre,

Einzeldarstellung, 5. Auflage 2021,

C.H.BECK, ISBN 978-3-406-75425-8, 59,00 EUR.

Erst auf der Grundlage eines zutreffenden festgestellten Sachverhalts ist die richtige rechtliche Würdigung möglich. Dabei machen erbrechtliche Verfahren keine Ausnahme. Vielmehr besteht die besondere Herausforderung im Erbrecht darin, dass Sachverhalte häufig bereits viele Jahre oder Jahrzehnte zurückliegen und – was in der Natur der Sache liegt – eine zentrale Handlungsperson (der Erblasser) keinen Beitrag zur Sachverhaltsaufklärung (mehr) leisten kann. Umso wichtiger ist es mit den vorhandenen Informationsquellen, insbesondere die Aussagen von Beteiligten und Zeugen so effektiv zu verfahren, dass eine zutreffende Sachverhaltsfeststellung möglich wird. Häcker, Nack und Treuer ...

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