Witwen-/Witwerrente / 1.5 Zurechnungszeit

Die Witwen-/Witwerrenten berechnen sich aus den bis zum Tod des Versicherten zurückgelegten rentenrechtlichen Zeiten. Je früher Versicherte versterben, umso geringer wäre bei reiner Berücksichtigung der tatsächlich zurückgelegten (Beitrags-)Zeiten die zu berechnende Rente. Hier setzt die Zurechnungszeit als ein besonderes Element des solidarischen Ausgleichs in der Rentenversicherung an. Durch die Zurechnungszeit, die selbst beitragsfrei ist, werden im Rahmen der Rentenberechnung bei der sog. Gesamtleistungsbewertung – vereinfacht ausgedrückt – Versicherte fiktiv so gestellt, als wären sie (gerechnet vom Todestag an) bis zum 65. Lebensjahr und 8 Monaten entsprechend dem Durchschnitt ihres bisherigen Erwerbslebens weiterhin erwerbstätig gewesen. Bei Tod des Versicherten vor dem 1.1.2019 umfasst die Zurechnungszeit einen kürzeren Zeitraum; bei Tod ab 1.7.2014 bis zum 62. Lebensjahr und bei Tod im Jahr 2018 bis zum 62. Lebensjahr und 3 Monaten.

Für alle Witwen-/Witwerrenten, bei denen der Versicherte nach dem Jahr 2019 verstorben ist, wird die Zurechnungszeit stufenweise in Abhängigkeit vom Jahr des Todes des Versicherten auf das 67. Lebensjahr angehoben.[1]

Bei Tod des Versicherten nach dem Jahr 2030 umfasst die Zurechnungszeit in der Witwen-/Witwerrente die Zeit bis zur Vollendung des 67. Lebensjahres.

 
Achtung

Verstorbener war Erwerbsminderungs- oder Altersrentner

Hatten verstorbene Versicherte eine Erwerbsminderungsrente bezogen und war in dieser eine Zurechnungszeit enthalten, kann die Zurechnungszeit in einer Witwen-/Witwerrente maximal die Zurechnungszeit aus der Erwerbsminderungsrente umfassen. Waren verstorbene Versicherte Altersrentner, wird keine Zurechnungszeit berücksichtigt.

 
Praxis-Beispiel

Beschränkungen bei der Zurechnungszeit

  1. Ein am 2.5.1961 geborener und im Januar 2021 verstorbener Versicherter bezog seit Juli 2014 bis zu seinem Tod eine Erwerbsminderungsrente mit einer Zurechnungszeit bis zur Vollendung des 62. Lebensjahres.
  2. Ein am 2.5.1957 geborener und im Januar 2021 verstorbener Versicherter bezog seit Juni 2020 bis zu seinem Tod eine Altersrente für langjährig Versicherte nach Vollendung des 63. Lebensjahres.

In beiden Fällen ist eine Witwe vorhanden.

Ergebnis:

zu a) In der Witwenrente ist eine Zurechnungszeit – wie in der Erwerbsminderungsrente – bis zur Vollendung des 62. Lebensjahres des Versicherten zu berücksichtigen (Januar 2021 bis Mai 2023). Wäre keine Erwerbsminderungsrente bezogen worden, wäre in der Witwenrente eine Zurechnungszeit bis zum 65. Lebensjahr und 10 Monaten zu berücksichtigen (Januar 2021 bis März 2027).

zu b) In der Witwenrente ist keine Zurechnungszeit zu berücksichtigen, weil der verstorbene Versicherte bereits Altersrentner war. Wäre die Altersrente nicht bezogen worden, wäre in der Witwenrente eine Zurechnungszeit bis zum 65. Lebensjahr und 10 Monaten zu berücksichtigen (Januar 2021 bis März 2027).

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