Praxis-Beispiele: Lohnsteuer-Ermäßigungsverfahren

1 Freibetrag (Eintragung unterjährig)

 

Sachverhalt

Ein Mitarbeiter hat Lohnsteuerklasse I und bezieht einen monatlichen Bruttolohn von 2.500 EUR. Im Juni 2020 hat er bei seinem Finanzamt einen Freibetrag für den Lohnsteuerabzug beantragt. Das Finanzamt hat einen Jahresfreibetrag von 1.200 EUR ermittelt.

Nach welcher Lohnsteuerklasse ist der Mitarbeiter in den Monaten Juni und Juli zu besteuern und wie hoch ist in den einzelnen Monaten der verbleibende steuerpflichtige Arbeitslohn?

Lösung

  • Beim monatlichen Abruf der ELStAM-Daten erhält der Arbeitgeber mit Wirkung ab Juli einen jährlichen Freibetrag von 1.200 EUR.
  • Der Jahresfreibetrag wird vom Finanzamt gleichmäßig auf den Zeitraum vom Beginn des auf die Antragstellung folgenden Kalendermonats bis zum Schluss des Kalenderjahres verteilt (hier: monatlich 200 EUR).
  • Der Lohnsteuerabzug darf in allen Monaten nach Lohnsteuerklasse I vorgenommen werden.
  • Für Juni ist der Bruttolohn in voller Höhe von 2.500 EUR zu versteuern, obwohl bereits ein Freibetrag vorliegt.
  • Für Juli 2020 kann erstmals der Freibetrag berücksichtigt werden. Der Bruttolohn ist deshalb vor Ermittlung der Lohnsteuer um 200 EUR zu kürzen. Ab Juli ist monatlich nur noch ein Arbeitslohn von 2.300 EUR zu versteuern.

Praxis-Tipp

Der Freibetrag kann für 2 Jahre berücksichtigt werden. Hat der Arbeitnehmer im Lohnsteuer-Ermäßigungsverfahren die 2-jährige Gültigkeit beantragt, wird der Freibetrag von 1.200 EUR im Jahr 2021 automatisch weiter berücksichtigt. Wegen der Verteilung auf 12 Monate ergibt sich ein monatlicher Freibetrag von 100 EUR.

2 Freibetrag (Kirchensteuer)

 

Sachverhalt

Ein Arbeitnehmer hat einen Arbeitsweg von 10 Kilometern, den er im Schnitt an 220 Tagen jährlich zurücklegt. Er ist evangelisch und hat die Steuerklasse I. Im Jahr zahlt er insgesamt 1.200 EUR Kirchensteuer. Anfang des Jahres möchte er einen Freibetrag für den Lohnsteuerabzug beantragen, um seine Steuerbelastung zu senken.

Kann er einen Freibetrag beantragen und wie hoch wäre dieser?

Lösung

Aufwendungen für die Fahrten zur ersten Tätigkeitsstätte können in Höhe der Entfernungspauschale von 0,30 EUR im Jahr 2020 berücksichtigt werden. Es ergeben sich Fahrtkosten von 660 EUR (220 Tage × 10 Kilometer × 0,30 EUR). Diese Aufwendungen liegen unter dem ohnehin in die Lohnsteuertabellen eingearbeiteten Arbeitnehmer-Pauschbetrag von 1.000 EUR.

Allerdings können auch Sonderausgaben zur Eintragung eines Freibetrags führen. Dafür kommt insbesondere gezahlte Kirchensteuer in Betracht, die als Sonderausgabe in unbegrenzter Höhe eingetragen werden kann. Einzige Voraussetzung ist, dass der Sonderausgaben-Pauschbetrag von 36 EUR überschritten wird. Dies ist hier der Fall, weil die Kirchensteuer – bei in etwa gleichbleibendem Bruttolohn – mit 1.200 EUR angesetzt werden kann.

Damit das Finanzamt einen Freibetrag als Lohnsteuerabzugsmerkmal (ELStAM) einträgt, muss die Antragsgrenze von 600 EUR überschritten werden. Diese Voraussetzung ist für den Arbeitnehmer erfüllt. Der Mitarbeiter kann sich einen Freibetrag von 1.200 EUR als ELStAM bilden lassen. Monatlich verringert sich dadurch der steuerpflichtige Arbeitslohn um 100 EUR. Durchschnittlich würde dies zu einer Lohnsteuerentlastung von etwa 30 EUR monatlich führen.

Hinweis

Der Vordruck "Antrag auf Lohnsteuer-Ermäßigung" besteht aus einem Hauptvordruck sowie Anlage-Vordrucken für Werbungkosten, Kinder und Sonderausgaben/außergewöhnliche Belastungen. Das hat den Vorteil, dass der Arbeitnehmer neben dem Hauptvordruck nur die Anlagen ausfüllen muss, die er für seinen Antrag benötigt (ähnlich wie bei der Steuererklärung). Im vorstehenden Beispiel ist die Anlage Sonderausgaben/außergewöhnliche Belastungen auszufüllen.

3 Freibetrag (Fahrtkosten bei Ehepaar)

 

Sachverhalt

Ein Mitarbeiter hat einen Arbeitsweg von 20 Kilometern, den er im Schnitt an 220 Tagen jährlich mit dem eigenen Pkw zurücklegt. Seine Ehefrau ist ebenfalls berufstätig und legt – gemeinsam mit ihrem Mann – an 220 Tagen eine Strecke von 18 Kilometern zur Arbeit zurück. Beide sind konfessionslos. Der Mitarbeiter möchte Anfang des Jahres einen Freibetrag für den Lohnsteuerabzug ermitteln lassen.

Ist das möglich und wie hoch wäre der Freibetrag?

Lösung

Die steuerliche Abzugsfähigkeit von Fahrten zur ersten Tätigkeitsstätte richtet sich nach den Regeln der Entfernungspauschale. Bei dem Mitarbeiter wären demnach im Jahr 2020 folgende Aufwendungen zu berücksichtigen:

  • 220 Tage × 20 Kilometer × 0,30 EUR = 1.320 EUR
  • Der Arbeitnehmer-Pauschbetrag von 1.000 EUR ist überschritten. Die Differenz von 320 EUR könnte grundsätzlich als Freibetrag eingetragen werden.

Allerdings wird hier die Antragsgrenze von 600 EUR nicht überschritten.

Auch bei der Ehefrau werden die Aufwendungen für die Fahrten zur ersten Tätigkeitsstätte nochmals berücksichtigt, obwohl sie mit ihrem Ehemann eine Fahrgemeinschaft bildet:

  • 220 Tage × 18 Kilometer × 0,30 EUR = 1.188 EUR

Bei der Ehefrau wird der Arbeitnehmer-Pauschbetrag um 188 EUR überschritten.

  • Gemeinsam erreicht das Ehepaar Kosten von 508 EUR.

Damit kann kein Freibetrag als Lohnsteuerabzugsmerkmal gebildet werden. Obwohl die Antragsgrenze von ...

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