Kinne/Schach/Bieber, BGB § ... / 3.4.3 Beweislast
 

Rz. 51

Im Streitfall trägt der Mieter die Darlegungs- und Beweislast für die Voraussetzungen des Verstoßes gegen das Wirtschaftlichkeitsgebot (BGH, Urteil v. 6.7.2011, VIII ZR 340/10, WuM 2011, 513 = MDR 2011, 1095 = GE 2011, 1225 = NZM 2011, 705; LG Berlin, Urteil v. 6.7.2012, 63 S 434/11, GE 2012, 1565 = NZM 2013, 121). Den Vermieter trifft regelmäßig auch keine sekundäre Darlegungslast für die tatsächlichen Grundlagen seines Betriebskostenansatzes (OLG Düsseldorf, Urteil v. 2.2.2012, I-10 U 102/11, ZMR 2012, 542 = GE 2012, 484; Milger, NZM 2012, 657). Mit der Behauptung, ein Kostenansatz in der Betriebskostenabrechnung des Vermieters übersteige den insoweit überregional ermittelten durchschnittlichen Kostenansatz für Wohnungen vergleichbarer Größe (Betriebskostenmietspiegel), genügt der Mieter seiner Darlegungslast nicht. (a. A. AG Hannover, Urteil v. 16.9.2010, 421 C 866/10, WuM 2011, 30). Der Mieter ist daher verpflichtet Einwendungen gegen einzelne Betriebskosten nach Einsicht in die Abrechnungsunterlagen substantiiert vorzutragen (OLG Düsseldorf, Urteil v. 2.2.2012, I-10 U 102/11, ZMR 2012, 542 = GE 2012, 484; LG Heidelberg, Urteil v. 26.11.2010, 5 S 40/10, GE 2011, 888 = WuM 2010, 746 = ZMR 2011, 213; LG Halle, Urteil v. 20.11.2008, 1 S 48/0, a. a. O.; LG Berlin, Urteil v. 17.10.2001, 64 S 257/00, NZM 2002, 65; Urteil v. 21.8.2001, 64 S 476/00, GE 2001, 1677; AG Köln, Urteil v. 28.12.2010,211 C 185/10; Oldenburg, Urteil v. 19.12.2007, E4 C 4229/07, ZMR 2008, 467; AG Berlin-Wedding, Urteil v. 26.2.2002, 16 C 473/01, GE 2002,536). Pauschale Einwendungen des Mieters gegen einzelne Betriebskosten (Hauswart, Aufzug) sind ohnehin unerheblich (LG Berlin, Urteil v. 9.3.2000, 62 S 463/99, GE 2000, 539). Zur Darlegung des Verstoßes gegen das Wirtschaftlichkeitsgebot muss er nach Einsichtnahme in die Berechnungsunterlagen im Einzelnen angeben, warum die Kostenansätze überhöht sein sollen (LG Berlin, Urteil v. 30.8.2001, 62 S 106/01, GE 2001, 1469). Der pauschale Hinweis darauf, dass die Betriebskosten im Allgemeinen niedriger seien, reicht nicht aus (LG Berlin, Urteil v. 30.3.2000, 62 S 508/99). Der Mieter darf nichts "ins Blaue hinein" bestreiten, sondern muss zuvor Einsicht in die entsprechenden Unterlagen nehmen (LG Berlin, Urteil v. 23.5.2002, 67 S 296/01, GE 2002, 1492).

Die Behauptung des Mieters, die Ansätze der Betriebskosten seien zu hoch, weil der Vermieter Rabatte nicht weitergegeben habe, reicht zur Darlegung des Verstoßes gegen das Wirtschaftlichkeitsgebot nicht aus; vielmehr müssen sich aus seiner Einsichtnahme in die Rechnungen oder aus anderen konkreten Umständen konkrete Anhaltspunkte dafür ergeben, dass der Vermieter Preisnachlässe nicht weitergegeben hat. Die Behauptung des Mieters, der Vermieter habe in die Abrechnung über Kosten für Be- und Entwässerung sowie für den Stromverbrauch auch Kosten eingestellt, die im Jahr davor und im Jahr danach angefallen seien und nicht den Sprengwasserabzug ist ebenso wie der Einwand unerheblich, der Hauswart sei aufgrund seines Arbeitsvertrages auch zur Wahrnehmung von Verwaltungsarbeiten verpflichtet, wenn der Vortrag nicht anhand der Einsicht in die Abrechnungsunterlagen belegt wird (LG Berlin, Urteil v. 18.11.2002, 67 S 147/02, GE 2003, 253).

Bei Versicherungskosten darf der Mieter nicht "ins Blaue" hinein behaupten, die Kosten seien überhöht (AG Berlin-Schöneberg, Urteil v. 30.10.2008, 109 C 342/08, GE 2009, 271). Der Vortrag des Mieters, die Umlage der Versicherungskosten verstoße gegen das Wirtschaftlichkeitsgebot, ist vielmehr nur dann zu berücksichtigen, wenn er konkret darlegt, dass von anderen Versicherern im maßgeblichen Zeitraum dieselben Leistungen billiger angeboten worden sind (KG,Beschluss v. 7.2.2011, 8 U 147/10, GE 2011, 545; KG, Urteil v. 29.3.2010, 8 U 20/09, GE 2010, 766). Dasselbe gilt für den Vortrag, mit Mülltrennung ein Drittel der Entsorgungskosten einsparen zu können (AG Köln, Urteil v. 28.12.2010, 11 C 185/10, GE 2011, 1163) oder bestimmte Wohnungen würden die Kosten verteuern (hier errichtete Dachgeschosswohnungen); der Mieter muss nach Einsicht der Unterlagen, auf die er einen Anspruch (vgl. dazu Rn. 89) hat subs­tantiiert vortragen (LG Berlin, Urteil v. 29.4.2002, 62 S 413/01, GE 2002, 860; LG Berlin, Urteil v. 15.3.2002, 65 S 327/01, GE 2003, 257).

 

Rz. 52

(Rn. 52 unbesetzt)

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