Gottwald/Mock, Zwangsvollst... / 2.1 Unpfändbarkeit kraft Gesetzes
 

Rz. 6

Absolut unpfändbare Forderungen kraft Gesetzes sind:

  • Dienstleistungsansprüche (§ 613 Satz 2 BGB); die Übertragbarkeit des Anspruchs auf eine Dienstleistung ist nach § 613 Satz 2 BGB zwar nur "im Zweifel" ausgeschlossen. Der Anspruch kann übertragbar sein, wenn dies vereinbart ist oder es sich aus den Umständen ergibt (BGH, WM 2013, 572 = ZIP 2013, 586 = ZInsO 2013, 547).
  • Sozialleistungen gem. § 54 SGB I, XII,
  • Ansprüche auf Ausführung eines Auftrages (§ 664 Abs. 1 BGB),
  • Ansprüche, die den Gesellschaftern aus dem Gesellschaftsverhältnis gegeneinander zustehen (§ 717 Satz 1 BGB),
  • Ansprüche auf Erteilung von Kontoauszügen und Rechnungsabschlüssen (vgl. BGH, MDR 2006, 220 = Vollstreckung effektiv 2006, 115 = NJW 2006, 217 = WM 2005, 2375 = Vollstreckung effektiv 2006, 25 = MDR 2006, 220 = Rpfleger 2006, 140;  LG Dresden, JurBüro 2009, 663; LG Frankfurt/M., MDR 1986, 594, LG Itzehoe, WM 1988, 884 ff; LG Frankfurt/Main, MDR 1986, 594).  Hierbei handelt es sich um einen selbständigen Anspruch aus dem Girovertrag (§§ 666, 675 BGB). Dieser setzt keinen anderen Anspruch voraus, sondern dient unabhängig hiervon der Information des Auskunftsberechtigten über die Geschäfte, der der Auskunftsverpflichtete in seinem Interesse geführt hat. Dieser Anspruch ist nach höchstrichterlicher Rechtsprechung nach § 851 Abs. 1 ZPO, § 675, 613 Abs. 2 BGB nicht pfändbar (BGH, MDR 2006, 220).
  • Ansprüche auf Arbeitnehmersparzulage (§ 17 Abs. 1 Satz 5 VermBG; vgl. BGBl. I 1994, 407),
  • der Anspruch auf Erbauseinandersetzung (§ 2042 BGB),
  • akzessorische Gestaltungsrechte (BGH, NJW 1973, 1793 = MDR 1973, 1012 = WM 1973, 1270); solche Rechte erwirbt der Pfändungspfandgläubiger erst mit der Pfändung und Überweisung des Hauptrechts (BGH, NJW 1985, 2640 = WM 1985, 1106 = DB 1985, 2242 = JuS 1985, 991 = BauR 1985, 688 = MDR 1986, 302 = Grundeigentum 1986, 649; BGH, ZIP 1985, 1141 = BGHZ 95, 250 =  WM 1985, 1318 = BB 1985, 1938 = NJW 1985, 2822 = DB 1985, 2503 = MDR 1986, 137; LG Wiesbaden, NJW-RR 1996, 59; zur Pfändung des Rückauflassungsanspruch vgl. BGH, NJW 2003, 1858 = Vollstreckung effektiv 2007, 88 = Rpfleger 2003, 372 = ZIP 2003, 1217 = InVo 2003, 284 = KTS 2003, 480 = KKZ 2004, 40 = WM 2003, 940),
  • Ansprüche eines Arbeitnehmers aus einem Versicherungsvertrag zur betrieblichen Altersversorgung gem. § 2 Abs. 2 Satz 3, 4 BetrAVG (LG Stuttgart, JurBüro 2010, 155; OLG Stuttgart, NJW-RR 2001, 150; LG Bamberg, ZInsO 2006, 47; OLG Köln, InVo 2003, 198; zur Pfändbarkeit von Ansprüchen eines persönlich haftenden Gesellschafters aus einer betrieblichen Lebensversicherung Vgl. LG Wuppertal, WE 2001, 280); nach § 2 Abs. 2 Satz 4 BetrAVG darf bei einer der Altersversorgung dienenden Direktversicherung der vor Eintritt des Versorgungsfalls und nach Erfüllung der Voraussetzungen des § 1b Abs. 1 und 5 BetrAVG aus dem Arbeitsverhältnis ausgeschiedene Arbeitnehmer die Ansprüche aus dem Versicherungsvertrag in Höhe des durch Beitragszahlungen des Arbeitgebers gebildeten geschäftsplanmäßigen Deckungskapitals oder, soweit die Berechnung des Deckungskapitals nicht zum Geschäftsplan gehört, des nach § 169 Abs. 3 und 4 VVG berechneten Wertes weder abtreten noch beleihen. Durch diese Verfügungsbeschränkungen soll im Rahmen des rechtlich Möglichen erreicht werden, die bestehende Anwartschaft im Interesse des Versorgungszwecks aufrecht zu erhalten, d. h. zu verhindern, dass der Arbeitnehmer die Anwartschaft liquidiert und für andere Zwecke verwendet. Das entspricht der Grundkonzeption der §§ 1b und 2 BetrAVG, die darauf ausgerichtet ist, die Versorgungsanwartschaft beim vorzeitigen Ausscheiden des Arbeitnehmers aufrecht zu erhalten und die Fälligkeit unangetastet zu lassen. Der Versorgungszweck der Anwartschaften soll möglichst lückenlos gesichert werden (BGH, Vollstreckung effektiv 2011, 29 = WM 2010, 2366 = MDR 2011, 67 = NJW-RR 2011, 283 = DGVZ 2012, 26 =  BB 2010, 3097). Eine Unpfändbarkeit greift hingegen nicht beim Anspruch auf Auszahlung der Versicherungssumme im Versicherungsfall (BGH, Vollstreckung effektiv 2009, 11; BGH, Vollstreckung effektiv 2011, 29 = WM 2010, 2366 = MDR 2011, 67 = NJW-RR 2011, 283 = DGVZ 2012, 26 =  BB 2010, 3097; OLG Saarbrücken Urteil v. 8.5.2019, 5 U 75/18 - Juris; a. A. LG Saarbrücken, Urteil v. 6.5.2018, 14 O 229/17 – Juris).
  • Ansprüche aus Lebensversicherungen, bei denen es sich um eine Direktversicherung und eine Gehaltsumwandlungsdirektversicherung nach dem Gesetz zur Verbesserung der betrieblichen Altersversorgung handelt (LG Konstanz, Rpfleger 2008, 87).
  • Beitragsrückerstattungsforderung (VG München, 22.2.2001, M 22 K 00.4772, n. v.; a. A. LG Düsseldorf, JurBüro 1985, 1901, wonach eine Pfändung erst möglich ist, wenn der Schuldner den Rückzahlungsanspruch geltend machen kann). Die Übertragbarkeit des Anspruches auf Beitragsrückgewähr ist durch Art. 17 Satz 2 VersorG ausgeschlossen. Nach Art. 17 Satz 1 VersorG können zwar Ansprüche auf laufende Geldleistungen übertragen oder verpfändet werden. Sonstige Leistungsansprüche können...

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