§ 4 Ehe / a) Auszug aus der gemeinsamen Wohnung
 

Rz. 84

Eine Trennung von Tisch und Bett kann unproblematisch festgestellt werden, wenn ein Ehegatte aus der bis dato gemeinsam genutzten Ehewohnung ausgezogen ist und eine räumliche Distanz zu dem anderen Ehegatten geschaffen hat.

 

Rz. 85

Unter Umständen reicht aber allein ein Wohnungsauszug nicht für die Annahme des Getrenntlebens. Besteht nämlich trotz der räumlichen Distanzierung die eheliche Wirtschaftsgemeinschaft fort, ist eine Trennung zu verneinen. Das kann der Fall sein, wenn die Ehegatten nachweisbar weiterhin über gemeinsame Konten verfügen und mit diesem gemeinsamen Geld "wirtschaften". Haben die Eheleute von vornherein nicht in häuslicher Gemeinschaft gelebt oder ist diese aus anderen Gründen aufgehoben, etwa weil berufsbedingt oder weil sich ein Ehegatte in Strafhaft oder einem Pflegeheim befindet, gilt dasselbe. Es kommt in diesen Fällen zwangsläufig vorwiegend auf den Trennungswillen an. Um eine Trennung herbeizuführen, bedarf es der ausdrücklichen Erklärung des Trennungswilligen, er wolle nicht mehr mit dem anderen zusammen leben. Die bloße Einstellung von Besuchen, etwa in der Vollzugsanstalt, reicht nicht aus, ebenso wenig die Unterbringung eines Ehegatten in einem Pflegeheim. Im Gegenteil wird der Trennungswille abzusprechen sein, wenn noch ein Restbestand der Verwirklichung der ehelichen Lebensgemeinschaft gegeben ist, der sich zum Beispiel auf Kontaktpflege oder Besuche beschränkt.

aa) Darlegungs- und Beweislast

 

Rz. 86

Für die Darlegungs- und Beweislast gelten die allgemeinen Regeln. Derjenige, der sich auf eine Tatsache beruft, hat diese darzulegen und zu beweisen. Im Bestreitensfall muss eine Trennung deshalb beweisbar sein. Als Beweismittel können der Ummeldeantrag beim Einwohnermeldeamt dienen oder der bei der Post gestellte Nachsendeantrag.

 

Rz. 87

Noch sicherer ist die schriftliche Feststellung der häuslichen Trennung und des Datums derselben entweder durch den Beteiligten selbst oder aber durch einen anwaltlichen Brief. Denn insbesondere der konkrete Zeitpunkt der Trennung kann rechtliche Konsequenzen haben. Beispielsweise kann sich das Datum der Trennung auf die steuerliche Veranlagung der Ehegatten auswirken. Aber auch für den Lauf des Trennungsjahres und den Zeitpunkt der Scheidung mit den weiteren Folgen wie zum Beispiel nachehelicher Unterhalt oder die Stichtage hat dies Bedeutung. Es können Ansprüche auf Zahlung von Nutzungsentschädigungen wegen der Alleinnutzung der ehelichen Wohnung nach §§ 1361b oder 745 Abs. 2 BGB oder Auskunftsansprüche nach § 1379 BGB entstehen.

 

Rz. 88

Sollten sich die Beteiligten darüber einig sein, dass eine Trennung zu einem bestimmten Datum vorliegt, ist trotzdem auf eine schriftliche Fixierung, unter Umständen gar eine Trennungsvereinbarung hinzuwirken. Dies kann im Falle eines nachträglichen Bestreitens die Beweislage erheblich vereinfachen und dazu beitragen, dass Differenzen zumindest hinsichtlich dieses Punktes von vornherein nicht entstehen.

 

Rz. 89

 

Hinweis

Um die räumliche Trennung der Ehegatten und deren genauen Zeitpunkt beweisbar zu machen, sollte dem Trennungswilligen geraten werden, sich nach Umzug aus der gemeinsamen Ehewohnung umgehend beim Einwohnermeldeamt umzumelden und bei der Post einen Nachsendeantrag zu stellen.

Die Trennung kann auch durch ein Schriftstück, wie zum Beispiel einen Brief, beweisbar gemacht werden.

bb) Kostenregelung

 

Rz. 90

Der Auszug eines Ehegatten aus der gemeinsam genutzten Ehewohnung bewirkt nicht automatisch eine Änderung eines dem Wohnverhältnis zugrunde liegenden Rechtsverhältnisses, wie Eigentum oder Miete. Das kann bedeuten, dass etwa derjenige aus Mietvertrag weiterhin schuldrechtlich zur Zahlung der Miete verpflichtet ist, der aufgrund der häuslichen Trennung nicht mehr die Wohnung bewohnt. Oder dass der Eigentümer eines Hauses, das er wegen der häuslichen Trennung verlassen hat, trotzdem weiterhin verpflichtet ist, die Hauslasten zu tragen.

 

Rz. 91

Deshalb ist der Ausziehende auf diese Problematik hinzuweisen. Er kann sonst in die Verlegenheit kommen, dass ihm durch den anderen Ehegatten der Wohnraum durch Kündigung des entsprechenden Mietvertrages entzogen wird. Oder aber, aus der anderen Sicht betrachtet, dass er zur Zahlung der Hauslasten oder der Miete gegenüber Dritten verpflichtet ist, aber selbst keinen Nutzen davon hat.

 

Rz. 92

Deshalb ist aus Gründen der Vorsicht auf eine schriftliche Vereinbarung hinsichtlich der zu zahlenden Kosten, die Ehewohnung betreffend, hinzuwirken. Es könnte beispielsweise vereinbart werden, dass ein genau zu bezeichnender Betrag an Hauslasten oder Miete als Barunterhalt angesetzt werden soll. Kann keine Einigung erzielt werden, sollte der in der Wohnung verbleibende Ehegatte entweder versuchen, den jeweiligen Vermieter um schriftliche Mitteilung zu bitten, sobald Verzug der durch den anderen Ehegatten zu leistenden Mietzahlungen eintritt oder bei vorhandenen finanziellen Möglichkeiten, die Verträge selbst zu übernehmen. Denn letztlich geht es darum, denjenigen zu schützen, der von dem Bestand der jeweiligen Verträge abhängig ...

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