Visionen und Praxistipps beim Talentmanagement-Gipfel 2013
"Die Energie der Mitarbeiter entfesseln": Wer sich das Leitthema des diesjährigen Talentmanagement-Gipfels zum Ziel setzt, muss mehr tun als Talente zu finden, fördern und binden. Dafür braucht es Mittel und Wege, um die Mitarbeiter zu begeistern, so die übergreifende Botschaft der Referenten.
Wie dies in der Praxis aussehen kann, zeigte Professor Gunther Olesch, Geschäftsführer von Phoenix Contact: "Bei uns ist die Personalführung genauso wichtig wie die Rendite", erklärte er und blendete zum Beweis eine Zielvereinbarung ein, in der die Führung als 15-Prozent-Ziel aufgeführt war. Um diese Vision zu realisieren, hat er auf eine mitarbeiterorientierte Unternehmenskultur gesetzt – und diese gegen interne Widerstände verteidigt. Er spornte die Zuhörer an, auch den Mut dazu zu haben: "Setzen Sie eine Vision – auch wenn es im Moment unmöglich erscheint, sie zu erreichen."
Pragmatische HR-Tipps von Google
Auch bei Google zählt die Unternehmenskultur, die den Mitarbeiter in den Fokus stellt. Vertrauen und Freiheit sind dabei die zentralen Werte, um das Engagement der Mitarbeiter zu entfachen. "Wenn Sie die Währung Vertrauen statt Kontrolle einmal eingeführt haben, fällt es den Einzelnen auch sehr schwer, das Vertrauen zu enttäuschen", sagte Frank Kohl-Boas, Head of HR bei Google Germany, in seiner Keynote. Mit welchen Maßnahmen ihm das gelingt, veranschaulichte er anhand von ausgewählten Beispielen aus seinem Unternehmen: Ingenieure können sich selbst für eine Beförderung nominieren, im Programm "Googler to Googler" lernen Mitarbeiter von Mitarbeitern völlig selbstgesteuert und die Mitarbeiter rekrutieren selbst neue Kollegen.
Dass solche Maßnahmen auch in kleineren Unternehmen funktionieren, bewies Marc Stoffel, CEO von Haufe-Umantis, gleich zu Beginn in seiner Eröffnungsrede zusammen mit Joachim Rotzinger, Geschäftsführer von Haufe-Lexware: Die Mitarbeiter von Haufe-Umantis suchen auch neue Kollegen selbst aus und der CEO sowie der COO im Unternehmen wurden sogar von der Belegschaft demokratisch gewählt.
Heiße Debatte um Work-Life-Balance
Diese Nähe zwischen Management und Mitarbeitern ist es auch, die Trigema-Inhaber Wolfgang Grupp als seinen Führungsstil propagiert. "Wer nah genug an den Mitarbeitern ist, braucht keine Work-Life-Balance-Programme", erklärte er in der Podiumsdebatte zur psychischen Gesundheit der Mitarbeiter. Das stieß auf die wissenschaftliche Mahnung von Professor Walter Bungard, Universität Mannheim. Er stellte klar, dass die Zahlen der psychisch belasteten Mitarbeiter immer noch steigen. Auch hier gab es praktische Tipps für die Zuhörer: Janina Kugel, Personalleiterin bei Osram, führte Vertrauensarbeitszeit und Homeoffice als Angebote zur Entlastung an. Stefan Lang, Vorstand der Kinder-Ganztagesbetreuung Itzebitz und ehemals Mitarbeiter in der Wirtschaftsprüfung von Ernst & Young zeigte am eigenen Beispiel, dass auch Mitarbeiter selbst Grenzen setzen müssen, wenn ihre Work-Life-Balance kippt.
Zukunftsvision: HR im strategischen Mittelpunkt
Die weitreichendste Vision des Tages vermittelte Zukunftsforscher Sven Gábor Jánszky: "Die größten Veränderungen der Zukunft werden in der Arbeitswelt passieren", prophezeit er. HR werde dabei zu einer "höchststrategischen Angelegenheit". Personaler müssten sich darauf einstellen und sich auch endlich strategisch positionieren, so sein Appell.
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