14.06.2017 | Online-Jobbörsen

„Klassische Jobbörsen sind tot“

Die Jobbörsen der Zukunft sind komplexe Systeme, die Social Media, Sourcing- und Matching-Technologien integrieren. Die klassische Pinnwand-Funktion hat ausgedient.
Bild: Haufe Online Redaktion

Neue Matching-Technologien ermöglichen ein Recruiting unabhängig von klassischen Online-Jobbörsen. Da stellt sich die Frage: Wird es in zehn Jahren diese Online-Jobbörsen noch geben? Zwei Marktteilnehmer kommen zu erstaunlichen Antworten; das Ende der klassischen Jobbörsen ist danach nah.

Der Recruiting-Markt befindet sich in einem grundlegenden Wandel – wie zuletzt rund um die Jahrtausendwende, als Online-Jobbörsen die Stellensuche und Bewerbung revolutionierten. Aber an den Strukturen wie Stellenanzeigen und Bewerbungen mit Anschreiben, Lebenslauf und Zeugnissen änderte sich noch nicht viel. Das ist nun anders: Mobile-Recruiting-Lösungen lassen die Bewerbung auf wenige per Smartphone eingesandte Zeilen schrumpfen. Moderne Matching- oder Suchtechnologien sind die zeitgemäße Weiterentwicklung der Ausschreibung via Stellenanzeige.

Braucht man überhaupt noch Jobbörsen?

Braucht man da überhaupt noch Stellenmärkte und Online-Jobbörsen? „Nein“, lautet die überraschende Antwort von Dr. Sebastian Dettmers, Geschäftsführer Stepstone Coninental Europe, sowie von Thorsten zur Jacobsmühlen, Gründer und Vertriebsleiter von Hello.jobs. Lesen Sie, wie die beiden Marktteilnehmer – einer mit langer Tradition und ein ganz neuer – die Zukunft der Online-Jobbörsen sehen.

„Die Pinnwand für Stellenangebote hat ausgedient“

Sebastian Dettmers von Stepstone ist der Meinung, dass klassische Jobbörsen tot sind. Diese Entwicklung macht er am eigenen Beispiel fest: „Stepstone ist längst keine Jobbörse mehr. Was wir tun, hat mit einer statischen Pinnwand für Stellenangebote ungefähr genauso viel zu tun wie Google mit dem 30-teiligen-Brockhaus im Bücherregal. Wir verkaufen den ‚Perfect Match‘ – den passenden Mitarbeiter beziehungsweise den passenden Job. Für den ‚Perfect Match‘ schöpfen wir alle digitalen Technologien aus.“

Er nennt Beispiele für Technik, die heute schon im Einsatz ist: „Wir identifizieren überall im Internet wechselwillige Kandidaten – sei es über Google, Facebook, mehr als 450 direkte Partnerseiten und Hundertausende weitere Seiten. Hierfür investieren wir nicht nur jedes Jahr zig Millionen, sondern arbeiten mit unserem Marketing- und Data Analytics-Team an immer effizienteren Methoden. Die intelligente Suchtechnologie Step-Match bringt Job-Suchende und Unternehmen zusammen. Hunderte Entwickler, Linguisten und Datenspezialisten beschäftigen sich mit dem Suchverhalten von Kandidaten und Predictive Analytics, um vorherzusagen, welcher Job wirklich passt. Manchmal wissen wir, wonach Kandidaten suchen, bevor sie es selber wissen.“

Dettmers kehrt das Ursache-Wirkungs-Verhältnis um: „Stepstone ist nicht erfolgreich, obwohl es neue Trends und Technologien gibt, sondern weil es sie gibt und wir sie gezielt einsetzen, um rekrutierende Unternehmen mit passenden Kandidaten zusammenzubringen. Egal ob Social Media, Active Sorcing oder intelligente Matching-Technologien – diese Recruiting-Innovationen stehen bei uns längst auf der Tagesordnung.“ Darum zieht der Stepstone-Manager die Schlussfolgerung: „Es wird in zehn Jahren keine Jobbörsen mehr geben. Es wird HR-Hightech-Dienstleister geben, die erfolgreich in der Lage sind, Unternehmen schnell mit passenden Kandidaten zusammenzubringen. Denn das ist es, worum es Arbeitgebern geht.“

„Die technologische Revolution hat begonnen“

Thorsten zur Jacobsmühlen von Hello.jobs ist auch der Ansicht, dass die technologische Revolution längst begonnen hat: „In zehn Jahren werden Funktionsweise und Geschäftsmodell von traditionellen Online-Stellenbörsen durch neue Technologien und Anforderungen abgelöst sein. Komplexe und intelligente Suchfunktionen für Bewerber und detaillierte Analyse- und Kontrollmöglichkeiten für Unternehmen werden für personalisiertes Matching, besser qualifizierte Bewerbungen und ein effizientes Recruiting sorgen.“

Und diese technologische Revolution sieht zur Jacobsmühlen auch bei den Stellenbörsen angekommen: „Die bisherige Jobsuche mit Jobtitel und Ort und einem Matching auf Basis einer Freitextsuche des Anzeigentextes weicht nun intuitiven Suchanfragen der Jobsuchenden und komplexen Analysen der Anzeigentexte und Informationen der Unternehmen. Deep Data und Textanalysen ermöglichen es, Bedeutungen und Sinn von Texten und Suchanfragen zu verstehen und miteinander in Bezug zu bringen.“

Auch zur Jacobsmühlen sieht die technologischen Änderungen schon in seinem Unternehmen angekommen: „Wir bieten eine intuitive Suchmöglichkeit nach Bedürfnissen, Wünschen und Fähigkeiten und reichern die Stellenanzeigen mit weiteren Informationen an. Das Matching erfolgt mittels Algorithmus. Eine Analyse erlaubt es, das Verhalten von potenziellen Bewerbern auf offene Vakanzen verfolgen und steuern zu können.“

Der Manager von Hello.jobs geht sogar noch einen Schritt weiter: „Bei Hello.jobs sind die Stellenanzeigen kostenlos. Hier wird pro Bewerbung, also nur bei Erfolg, bezahlt. Dies stellt sogar das Geschäftsmodell der traditionellen Stellenbörsen auf den Kopf.“


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Schlagworte zum Thema:  Jobbörse, Recruiting, Digitalisierung

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