Mitarbeitende im Homeoffice eher produktiver als im Büro
Jede zweite Führungskraft hält Mitarbeitende, die während der Coronapandemie vermehrt im Homeoffice arbeiten, für genauso produktiv wie im Büro. Vier von zehn Befragten gaben an, die Produktivität sei in dieser Zeit sogar gestiegen. Lediglich zehn Prozent der Führungskräfte halten Mitarbeitende, die zu Hause arbeiten für weniger produktiv. Zu diesem Ergebnis kommt die Studie "Arbeiten in der Coronapandemie: Leistung und Produktivität im New Normal" des Fraunhofer IAO und der Deutschen Gesellschaft für Personalführung (DGFP).
Damit deckt sich die Einschätzung der befragten Führungskräfte in weiten Teilen mit der Selbsteinschätzung der Mitarbeitenden. In einer Befragung des Fraunhofer IAO unter 2.000 Angestellten Anfang November gab jeder Vierte (39 Prozent) an, im Homeoffice produktiver zu arbeiten. 44 Prozent sahen keinen Leistungsunterschied zwischen dem Arbeiten zu Hause und im Büro – und nur jeder Fünfte (18 Prozent) empfand die Büroarbeit als produktiver.
Hybride Arbeitsformen als Zukunftsmodell
Die positive Zwischenbilanz, die Führungskräften ihren Homeoffice-Arbeitenden ausstellen, dürfte ein Grund dafür sein, dass immer mehr Unternehmen hybride Arbeitsformen als Zukunftsmodell sehen. So bestätigen 71 Prozent der Befragten, nach der Coronapandemie mehr Homeoffice und mobiles Arbeiten anbieten zu wollen als vor der Krise. Das Homeoffice als Arbeitsort erhält inzwischen wesentlich mehr Zustimmung als noch zu Beginn der Pandemie. In einer ersten Befragung des Fraunhofer IAO und der DGFP zum Ende des ersten Lockdowns im Mai 2020 gaben lediglich 42 Prozent an, Homeoffice dauerhaft ausweiten zu wollen. Gegen großzügigere Regelungen für das Arbeiten zu Hause sprach aus Sicht der Befragten die Befürchtung, Mitarbeitende könnten über Distanz nur unzureichend kreative Leistungen erbringen (16,7 Prozent). Nur wenige Führungskräfte sahen den damit verbundenen Erreichbarkeitsdruck auf die Mitarbeitenden als Problem (4,2 Prozent).
Homeoffice sorgt für Veränderungen in der Leistungsmessung
All Diejenigen, die mit dauerhaften Homeoffice- oder Hybridmodellen planen, stehen hingegen vor einer anderen Herausforderung: der Leistungsmessung. Diese könnte sich durch das Arbeiten auf Distanz verändern. Denn neben messbaren Komponenten spielte bislang die persönliche Präsenz von Mitarbeitenden am Arbeitsplatz für viele Führungskräfte eine wichtige Rolle. Unbewusst verarbeitete Signale wie beispielsweise die Arbeitsbelastung, das Engagement oder das kommunikative Verhalten flossen in die Leistungsbeurteilung mit ein. Wie gehen Führungskräfte damit um? Laut Fraunhofer IAO und DGFP sehen knapp 38 Prozent der Befragten keine Notwendigkeit, aufgrund der ortsflexiblen Zusammenarbeit die Leistungsbeurteilung ihrer Mitarbeitenden anzupassen.
Unter denen, die Handlungsbedarf sehen, liegt der Wunsch nach Transparenz, den Mitarbeitende formulieren, um Ungerechtigkeiten bei der Arbeitsverteilung entgegenzuwirken, auf Platz eins (35 Prozent). Für 34 Prozent der Befragten haben Führungskräfte zu wenig Ansatzpunkte zur praktischen Beurteilung der Leistungen – und suchen daher nach neuen Kriterien oder Prozessen. Jeder Fünfte hofft, dass durch eine angepasste Leistungsbeurteilung Verbesserungspotenziale hinsichtlich der Technikausstattung für das Arbeiten auf Distanz erkannt werden könnten. Knapp 13 Prozent der Befragten sehen neue Formen der Leistungsmessung und -beurteilung gar als Voraussetzung dafür, dass die Unternehmensführung Einwände gegen vermehrtes Homeoffice aufgibt.
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