Spital gewinnt den St. Galler Leadership Award
"Ich bin geflasht und habe mich ein bisschen in das Projekt verliebt – und das, obwohl man natürlich als Jurymitglied neutral auf die eingereichten Projekt schaut", gestand Norbert Janzen, Chief Human Resource Officer bei Funke, in seiner Laudatio für die Gewinner des St. Galler Leadership Awards 2026. "Was ihr geschafft habt in einer Umgebung, die wahnsinnig anstrengend ist, das ist äußerst selten und dafür habt ihr meinen ganzen Respekt", lobte er das Konzept des Stadtspitals Zürich bei der Verleihung.
Stadtspital Zürich gewinnt den St. Galler Leadership Award 2026
Was das Arbeitsumfeld am Stadtspital Zürich ausmacht, stellte die Initiatorin des Programms, Sarah Schäfer, gleich zu Beginn ihres Vortrags klar: "Es ist ein offenes Geheimnis: Spitäler sind Hochrisikobereiche, in dem die Mitarbeitenden unter hohem Druck sehr schnell performen müssen." Als Bereichsleiterin der Pflege habe sie sich die Frage gestellt, "was passiert, wenn in diesem Umfeld Führung und Zusammenarbeit funktional werden und nicht mehr miteinander und füreinander funktionieren." Um nicht in dieses Fahrwasser zu geraten, hat sie das Programm "Energizing Leadership" zusammen mit der Beraterin und Coach, Constanze Zeller, in einem Pflegebereich des Stadtspitals initiiert.
Coaching zur Stärkung der "Relational Energy"
Basierend auf der Theorie der "Relational Energy", das Forschende der Universität von Michigan in verschiedenen Studien untersucht haben, haben Schäfer und Zeller ein Coaching-Programm für Führungskräfte entwickelt, das explizit einen Fokus auf alltagsnahe Elemente legt. Auf diese Weise gelingt der Wandel in der Zusammenarbeit direkt, wie Schäfer betont: "Wir coachen nur die Führungskräfte, aber es ist das Allergrößte, dass das Instrument in die Teams durchsickert und dort spürbar ist."
Plastisch sichtbar wird die Veränderung durch die sogenannten "Gefühls-Minions", die sich das Pflegepersonal selbst als Stütze im Alltag geschaffen haben: Taucht eine solche Minionfigur auf einem Stationswagen auf, ist das ein Hinweis an die Kollegen und Kolleginnen, sich einen kurzen Moment zur Reflexion zu nehmen und ins Gespräch darüber zu kommen, mit welcher Energie er oder sie gerade bei der Arbeit ist. Damit rückt das Bewusstsein für Stimmungen und die Kommunikation über Misslagen in der Zusammenarbeit in den Fokus, ohne Konflikte zu schüren.
Zweiter und Dritter Platz für Flaconi und Schaeffler
Neben dem Stadtspital standen Flaconi und Schaeffler im Finale um den St. Galler Leadership Award. Die Führungsinitiativen der drei Finalisten zeigen die große Bandbreite an Themen, Branchen und Unternehmensgrößen, die dabei zusammenkommen. So zeigte der Online-Händler Flaconi mit seinem gamifizierten Programm "Value House", dass Unternehmenswerte erlebbar und mit Spaß verbunden sein können – und dabei sowohl die wirtschaftlichen Unternehmens- als auch die HR-Kennzahlen positiv beeinflussen können. Angelegt nach der Geschichte von Harry Potter werden die Mitarbeitenden den Werte-Häusern zugeteilt, die jeweils einer der Flaconi-Vorstände leitet. Das ganze Jahr über können sie über verschiedenste Aktionen Punkte sammeln, um mit ihrem Haus zu gewinnen. Das brachte dem Unternehmen den zweiten Platz beim Award ein.
Daneben war der Autozulieferer-Konzern Schaeffler als Drittplatzierter mit einem Projekt am Start, das die Mensch-KI-Zusammenarbeit in den Fokus stellt. "Es geht uns um das Zusammenspiel von strukturellem und emotionalem Verstehen", erläuterte Susanne Gottschalk, Change Expertin bei Schaeffler in ihrem Vortrag vor dem Publikum. Damit setzt sich der Konzern von vielen Unternehmen ab, die lediglich die technologische Perspektive von KI begleiten.
Der St. Galler Leadership Award
Verliehen wird der St. Galler Leadership Award vom Institut für Führung und Personalmanagement (IFM) der Universität St. Gallen und der Deutschen Gesellschaft für Personalführung während des St. Galler Leadership-Tags mit Nacht. Eine zehnköpfige Jury wählt vorab aus den Einreichungen die drei Finalisten aus. Leitende Kriterien sind dabei Innovation, Nachhaltigkeit, Leistungsrelevanz und Inspiration.
Jurymitglieder sind:
- Prof. Dr. Heike Bruch, Professorin für Leadership und Direktorin des IFPM
- Dr. med. Doris Straus, Ärztliche Direktorin, Oberwaid - Kurhaus & Medical Center
- Kristina Enderle da Silva, Chefredakteurin "personalmagazin - neues lernen"
- Kai H. Helfritz, Leiter Mitgliedermanagement & Kooperationen Deutsche Gesellschaft für Personalführung e.V. (DGFP)
- Sonja Hornberger, Chief People Officer bei Vitra
- Norbert Janzen, Chief Human Resource Officer bei Funke
- Florian Klages, Managing Partner bei torg.partners
- Frauke von Polier, Chief People Officer und Mitglied des Executive Board der Viessmann Generations Group
- Martin Seiler, Vorstand Personal und Recht bei Deutsche Bahn AG
- Beat Sigrist, Chief Human Resources & Sustainability Officer, Mitglied des Executive Board bei Franke
Am Abend des St. Galler Leadership Tags präsentieren die Finalisten ihre Führungsinitiativen den Konferenzteilnehmenden in kompakter Form innerhalb von je sechs Minuten. Das Publikum stimmt live darüber ab, welches Programm sie am meisten überzeugt hat. Dabei lag das Stadtspital mit 59 Prozent der Stimmen vor den Zweitplatzierten Flaconi (34 Prozent) und Schaeffler (sieben Prozent). Kooperationspartner des Awards sind die Deutsche Gesellschaft für Personalführung (DGFP) sowie das "Personalmagazin" und "neues lernen" als Medienpartner.
Bewerbungen für den St. Galler Leadership Award 2027
Mit der Verleihung des Awards startet das Organisationsteam um Professorin Heike Bruch vom IFM der Uni St. Gallen bereits in den nächsten Durchlauf: In Kürze ist die Bewerbung um den St. Galler Leadership Award 2027 unter
www.leadership-award.ch/ möglich.
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