Größte Herausforderung: Führungsqualität sicherstellen
Haufe Online-Redaktion: Die Studie von Kienbaum zeigt die wichtigsten Themen für Personaler in diesem Jahr auf. Warum stehen gerade diese HR-Themen derzeit im Fokus?
Walter Jochmann: Organisationen stehen vor Megatrends wie Demografie, Diversity, Wertewandel und Globalisierung; aber auch agile Märkte und Unternehmungen erfordern Spitzenqualität in den Bereichen Führung und Management, Change Management sowie Arbeitgeberattraktivität. Ebenso ist der technologische Wandel, insbesondere die Digitalisierung und die Industrie 4.0, ein hoch dynamischer Veränderungstreiber, der eine Anpassung der HR-Prozesse, Arbeitsbedingungen, Jobgruppen, Qualifikationsprofile sowie der Zusammenarbeit und Kommunikation in Unternehmen erfordert. Über alle Branchen und Unternehmungen hinweg gilt somit, dass die Fähigkeit zur Unternehmens- und Geschäftsfeldtransformation und die damit zusammenhängenden personalwirtschaftlichen und kulturellen Hebel bedeutsam sind. Führungsqualität ist dabei die zentrale Voraussetzung für Veränderungsprozesse und steht in direktem Bezug zu Umsatzwachstum und Renditesteigerung. Die meisten Unternehmen haben darüber hinaus realisiert, dass sie ohne eine attraktive Arbeitgebermarke im "War for Talent" keine Chance haben.
Haufe Online-Redaktion: In welchem der drei Themenfelder liegen die größten Herausforderungen?
Jochmann: Einer der entscheidenden Treiber der Unternehmensentwicklung wird neben der Veränderungsbereitschaft und -fähigkeit von Organisationen die Steigerung der Management- und Führungsqualität sein. Unternehmens- und Geschäftsfeldtransformationen sind natürlich nur dann erfolgreich, wenn Führungskräfte selber als Vorbild agieren und ihren Mitarbeitern Dynamik, Resilienz, Selbstbewusstsein und Erfolgsorientierung vorleben.
Haufe Online-Redaktion: Welche Maßnahmen sollten Personaler nun zuerst angehen?
Jochmann: Eine der wichtigsten Aufgaben der Personaler ist es, Instrumente zu definieren, die es möglichen machen, Führungsqualität fundiert und präzise zu messen und im zweiten Schritt sicherzustellen. Das heißt auch, die Ablösung oder Weiterentwicklung der dominierenden verhaltensorientierten Führungs- und Kompetenzmodelle voranzutreiben, indem HR strategische Kompetenzprofile für Top-Führungskräfte, Potenzialprofile für internationale Nachwuchstalente sowie Werte- und Persönlichkeitsanforderungen für Neueinstellungen entwickelt. Langfristig gewinnt man Führungs- und Managementqualität über Identifizierung und Förderung von Talenten: Es sind Talente gefragt, die souverän, überzeugend und gewinnend innovative Konzepte vertreten und in der Umsetzung coachen, die agil, handlungs- und ergebnisorientiert Vorgehen und dabei die ausreichende Diplomatie und Kooperationsfähigkeit mitbringen, um in den zunehmend komplexen und projektorientierten Unternehmensstrukturen Wirksamkeit zu erzielen und dabei alle Mitarbeiter mitzunehmen.
Dr. Walter Jochmann war langejähriger Vorsitzender der Geschäftsführung der Kienbaum Management Consultants GmbH. Zum 1. Januar hat er die Geschäftsführung des Kienbaum-Instituts für Leadership und Transformation übernommen. Zudem ist er Geschäftsführer von Kienbaum Consultants International und Head of Innovation der Kienbaum-Gruppe.
Das Interview führte Kristina Enderle da Silva, Redaktion Personal.
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