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Integration der Flüchtlinge überfordert Unternehmen

Flüchtlinge in den Arbeitsmarkt integrieren: Die Umsetzung in der Praxis ist schwerer als gedacht.
Bild: Corbis

Den meisten deutschen Unternehmen fällt die Eingliederung von Flüchtlingen in die Arbeitswelt schwerer als erwartet. Eine Studie zeigt, dass in vielen HR-Abteilungen insbesondere kulturelles und juristisches Fachwissen fehlt.    

Nur die wenigsten Unternehmen sind offenbar gut für die Flüchtlingsintegration aufgestellt. Zu diesem Ergebnis kommt die  Studie „HR Trend Survey 2016“ der Unternehmensberatung Deloitte.  Vor allem Sprachbarrieren und kulturelle Unterschiede bereiten den HR-Abteilungen Probleme. In einigen Firmen fehlt zudem scheinbar das Führungsverständnis zum Thema Flüchtlinge und das Fachwissen bei rechtlichen Fragen. Diversity steht dennoch auf dem Programm.

Hoher Qualifizierungsbedarf der Bewerber

HR-Abteilungen kämpfen aktuell mit den Herausforderungen der Flüchtlingsintegration. Eine große Hürde bei der Eingliederung in das Unternehmen sind die Voraussetzungen der Bewerber. Nach Ansicht der befragten HR-Abteilungen sind hier vor allem fehlende Sprachkenntnisse auf Bewerberseite das größte Hindernis einer sinnvollen Integration. 69 Prozent der befragten Teilnehmer nennen diesen Punkt. 41 Prozent bereitet zudem die Anerkennung von Bildungsabschlüssen Probleme. Auch bei einem Treffen, zu dem die Deutsche Gesellschaft für Personalführung (DGFP) im Februar geladen hatte, herrschte in diesem Punkt Einigkeit.  In der Diskussion von rund 100 Arbeitsmarkt-und HR-Experten über Jobperspektiven für Flüchtlinge, zeigte sich, dass in fast allen Fällen eine weitere Qualifizierung der Bewerber notwendig sein wird, sowohl was den Spracherwerb als auch individuell zugeschnittene Fachkompetenzen angeht.

Fehlendes Führungsverständnis kulturelle Unterschiede bereiten Probleme

Aber nicht nur die Voraussetzungen auf Bewerberseite erschweren die Flüchtlingsintegration, hat die Deloitte-Studie aufgedeckt. Auch interne Gegebenheiten in den HR-Abteilungen machen die Einbindung von Flüchtlingen als neue Mitarbeiter komplizierter als erwartet. Bei der Befragung der Unternehmen zeigte sich, dass es vor allem auch fehlende Kompetenzen in den eigenen Reihen gibt. Offensichtlich bereiten die kulturellen Unterschiede den Unternehmen einige Probleme. Immerhin 40 Prozent der Teilnehmer bezeichneten diesen Punkt zumindest als Herausforderung für das Unternehmen. In einigen Firmen fehlt scheinbar auch noch das Führungsverständnis zum Thema Flüchtlinge. Intern gibt es laut 18 Prozent der Teilnehmer der Studie hier noch Nachholbedarf.  

Hohe Unsicherheit über gesetzliche Regeln zur Flüchtlingsintegration

Zudem scheint es in den HR-Abteilungen offenbar ein großes Defizit zu geben, was die Kenntnis der rechtlichen Voraussetzungen zur Integration für Flüchtlinge in den Arbeitsmarkt anbelangt. Knapp die Hälfte der Firmen, nämlich 47 Prozent äußerte, mit den gesetzlichen und regulatorischen Anforderungen zur Migrantenintegration in die Arbeitswelt noch nicht richtig vertraut zu sein - oder diese zumindest als eine wesentliche Herausforderung anzusehen. Insgesamt fühlt sich in diesem Punkt also nur ein Viertel der Unternehmen einigermaßen sicher. Beim Fachwissen in rechtlichen Fragen gibt es in vielen Personalabteilungen also offensichtlich ein erhöhtes Schulungsbedürfnis.

Strategischer Schwerpunkt "Diversity": Vielfalt als Chance

Trotz aller Hürden, die HR-Abteilungen bei der Integration von Flüchtlingen zu überwinden haben, hat die Studie gezeigt, dass kulturelle Werte bei den strategischen Prioritäten vieler Unternehmen in diesem Jahr ganz klar im Mittelpunkt stehen. Als besonders wichtig sieht die Mehrheit, nämlich 84 Prozent der befragten HR-Mitarbeiter, „Diversity“ und setzt damit auf generationenübergreifende Teams unterschiedlicher Herkunft. "Die Unternehmen haben durchaus erkannt, dass Vielfalt stärkt und die Wettbewerbsposition verbessern kann. Flüchtlinge bringen eine neue Sichtweise auf Krisensituationen, Durchhaltevermögen oder Bescheidenheit ins Unternehmen, von denen Mitarbeiter einiges lernen können“, äußert auch Udo Bohdal-Spiegelhoff, Partner HR Advisory bei Deloitte in diesem Zusammenhang.

 

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Haufe Online Redaktion

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