Lernen mit sozialen und digitalen Medien: Darum dreht sich eine aktuelle Studie der Hochschule Rhein-Main. Bild: MEV-Verlag, Germany

Wie verbreitet sind Social-Media-Lernen und digitale Medien in der Personalentwicklung? Das hat die Hochschule Rhein-Main gerade zum dritten Mal untersucht. Die Studienautoren Professor Thorsten Petry und Tobias Koßmann berichten in der aktuellen "Wirtschaft + Weiterbildung" über die Ergebnisse.

Mit der Studie "Social and Digital Learning – State-of-the-Art 2017" hat der Lehrstuhl "Organisation und Personalmanagement" an der Wiesbaden Business School der Hochschule Rhein-Main im März 2017 zum dritten Mal nach 2012 und 2014 den Einsatz von digitalen und sozialen Medien in der Personalentwicklung untersucht (wir berichteten in "Wirtschaft + Weiterbildung", Ausgabe 11-12/2014 und Ausgabe 10/2012).

Im Jahr 2017 haben sich 91 Fach- und Führungskräfte beteiligt, vor allem HRler aus kleinen und mittelständischen Unternehmen. Ziel der Studie war es zu untersuchen, inwieweit digitale und soziale Medien heute in der Personalentwicklung eingesetzt werden, welche Ziele die Personalentwickler damit verfolgen, welche Potenziale sie sehen, wie sich der Einsatz dieser Medien entwickeln wird und wie Personalentwicklung künftig aussehen könnte. Im Folgenden stellen wir die wesentlichen Ergebnisse vor.

Social-Media-Lernen und Digitalmedien immer beliebter

Die Studienergebnisse zeigen, dass der Einsatz von digitalen und sozialen Medien in der Personalentwicklung über die Jahre kontinuierlich zugenommen hat und weiter zunimmt: Waren es 2012 noch 60 Prozent der Unternehmen, die Social Media in irgendeiner Form in der Personalentwicklung einsetzten, lag der Wert 2014 schon bei 72 Prozent und ist nun, 2017, auf 80 Prozent angestiegen.

Am häufigsten bieten sie unternehmenseigene soziale Netzwerke und Wikis an (in je 40 Prozent der Unternehmen). Personalentwicklungsansätze mit künstlicher Intelligenz oder Augmented Reality sind dagegen mit zwei und drei Prozent aktuell noch Randerscheinungen.

Hohe Bedeutung – aber geringe Verbreitung

Die Bedeutung solcher Lernansätze schätzen knapp zwei Drittel der Teilnehmer als hoch, 25 Prozent gar als sehr hoch ein. Dabei ist auch ein zunehmender Erfolg beim Einsatz dieser Lernansätze festzustellen: Während 2014 erst knapp die Hälfte (47 Prozent) eine Verbesserung feststellen konnte, sind es 2017 fast zwei Drittel (63 Prozent).
 

Bild: Prof. Dr. Thorsten Petry


Doch obwohl die Bedeutung von digitalen Medien deutlich zugenommen hat, spielen sie auch 2017 in den meisten Unternehmen keine dominante Rolle (siehe Abbildung oben zu den wichtigsten Personalentwicklungsansätzen): E-Learning gehört immerhin bei 43 Prozent (2012: 34 Prozent, 2014: 39 Prozent) zu den meistverwendeten Personalentwicklungsansätzen im Unternehmen. Beim Lernen mit Social Media gilt dies nur – genau wie 2014 – für 15 Prozent, bei Augmented Reality für drei Prozent.

Social-Media-Lernen soll Eigenverantwortung fördern

Auch nach den Gründen für die Social- Media-Nutzung in der Personalentwicklung haben wir die Studienteilnehmer gefragt. Demnach setzen die Unternehmen soziale Medien vor allem deshalb ein, weil sie die Eigenverantwortung ihrer Mitarbeiter fördern wollen (51 Prozent). Erst danach folgen – mit abnehmender Bedeutung im Zeitverlauf – Wissensvermittlung und -speicherung.

Interessanterweise sehen die Studienteilnehmer bei zwei anderen Aspekten die größten Potenziale des Einsatzes sozialer Medien: nämlich bei der Unterstützung von bedürfnisorientiertem, individuellem Lernen (60 Prozent der Teilnehmer erkennen darin das größte Potenzial) und bei der Vernetzung von Wissensträgern (52 Prozent).

Ohne Mitmachkultur kein Social-Media-Einsatz

Als größtes Argument gegen einen stärkeren Einsatz sozialer Medien in der Personalentwicklung nennen die Befragten die gering ausgeprägte Mitmachkultur im Unternehmen. Mehr als zwei Drittel der Befragten (68 Prozent) sehen hierin das größte Hindernis dafür, dass Social Media in der Personalentwicklung generell beziehungsweise effektiv und effizient eingesetzt wird.

Bei den Unternehmen, die aus diesem Grund gänzlich oder weitgehend auf Social Media verzichten, liegt eine typische "Henne-Ei"-Problematik vor: Denn gerade durch solche Medien könnten sie die Entwicklung einer Mitmachkultur anstoßen und unterstützen.

Prognose: Bedeutung von digitalen Medien steigt weiter

Für die Zukunft rechnen 90 Prozent der Befragten damit, dass die Bedeutung von digitalen Medien in der Personalentwicklung weiter zunimmt; jeder Zweite (53 Prozent) erwartet gar einen starken Anstieg (2014: 36 Prozent).

 

Bild: Prof. Dr. Thorsten Petry


Spannend ist die Erwartung hinsichtlich einzelner Ansätze (siehe Abbildung "Entwicklung von digitalen Medien in der Personalentwicklung"): Für Lernvideos, künstliche Intelligenz, Augmented Reality und soziale Netzwerke sieht jeweils eine klare Mehrheit von 72 bis 90 Prozent der Befragten eine Bedeutungszunahme. Führend sind dabei Lernvideos, bei denen 52 Prozent einen starken Bedeutungszuwachs erwarten. Bei künstlicher Intelligenz und Augmented Reality sind die Studienteilnehmer etwas zurückhaltender; 2014 waren diese Themen (fast) noch gar nicht auf dem Radar.

 

Zum Weiterlesen:

 

Prof. Dr. Thorsten Petry lehrt Organisation und Personalmanagement an der Hochschule Rhein-Main und ist als Managementberater, Projektleiter, Trainer und Referent tätig.

Tobias Koßmann hat bis vor Kurzem als Tutor am Lehrstuhl Organisation und Personalmanagement der Hochschule Rhein- Main gearbeitet.

Schlagworte zum Thema:  Personalentwicklung, Weiterbildung, Digitalisierung, Social Media, Lernen

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