Konjunkturbefragung 2026

Erwartungen im HR-Softwaremarkt sind gedämpft


Halbvolles Glas

Die HR-Tech-Branche im deutschsprachigen Raum zeigt sich im Frühjahr 2026 in robuster Verfassung. Sie bewertet ihre weitere Entwicklung aber merklich vorsichtiger als noch vor einem halben Jahr. Das geht aus einer aktuellen Befragung hervor.

Die HR-Softwareanbieter zeigen sich in solider Verfassung: Für das Gesamtjahr 2026 rechnen mehr als 80 Prozent mit einem Umsatzwachstum. Mehr als die Hälfte davon geht sogar von zweistelligen Zuwächsen aus. Das ist das Ergebnis einer aktuellen Konjunkturbefragung der Strategieberatung Worktech Advisory, an der sich Top-Managerinnen und -manager führender HR-Softwareanbieter beteiligt haben.

HR-Softwareanbieter: Beim Geschäftsklima zeigt sich ein gemischtes Bild

Rund 25 Prozent der befragten Unternehmen gelang es, die Umsätze im ersten Quartal 2026 um mehr als 20 Prozent zu steigern. Kein einziger Anbieter erwartet einen Umsatzrückgang. Bei den Auftragsbeständen melden 44 Prozent höhere Werte als im Vorjahr, lediglich 6 Prozent berichten über niedrigere Bestände. 61 Prozent der Unternehmen haben 2026 bereits Preisanpassungen umgesetzt oder geplant - insbesondere bei SaaS-Gebühren und Dienstleistungspreisen. 

Bei der Beurteilung der aktuellen Geschäftslage zeigt sich allerdings ein gemischtes Bild: Der Geschäftsklimaindex für den deutschsprachigen HR-Tech-Markt verharrt mit 56,3 Punkten exakt auf dem Niveau der Herbstbefragung 2025. Hinter dieser auf den ersten Blick stabilen Zahl verbirgt sich allerdings eine bemerkenswerte Verschiebung: Während der Index zur aktuellen Geschäftslage von 62,5 auf 71,9 Punkte deutlich zulegte, gaben die Geschäftserwartungen für die kommenden sechs Monate von 50,0 auf 40,7 Punkte spürbar nach. Drei Viertel der Anbieter bewerten ihre aktuelle Geschäftslage als "gut" oder "sehr gut" - der höchste Wert seit dem Frühjahr 2024. Gleichzeitig rechnen nur noch 44 Prozent mit einer weiteren Verbesserung in den kommenden Monaten.

Integrierte HR-Softwareanbieter haben gute Wachstumsprognose

Dabei zeigt die Konjunkturbefragung eine deutliche Spreizung der Wachstumserwartungen nach Portfolioschwerpunkt der Anbieter. Integrierte HR-Lösungsanbieter - also Anbieter mit einer breiten Suite über mehrere HR-Anwendungsbereiche hinweg - erweisen sich als die wachstumsstärkste Kategorie: 67 Prozent rechnen mit einem Umsatzplus von mehr als 10 Prozent für 2026, und kein einziger integrierter Anbieter erwartet ein Nullwachstum oder rückläufige Umsätze.

Bei den spezialisierten HR-Lösungen (Point Solutions) sind die Erwartungen breiter gestreut: 55 Prozent rechnen mit einem zweistelligen Wachstum, aber 9 Prozent erwarten ein Nullwachstum. Bei reinen Payroll-Anbietern liegt der Anteil derjenigen, die mit einem Nullwachstum rechnen, bei 20 Prozent. Die Befragung zeige eine klare Zweiteilung des Marktes, sagt Jens Bender, Geschäftsführer von Worktech Advisory: "Integrierte HR-Anbieter rechnen ausnahmslos mit Wachstum in 2026, zwei Drittel davon sogar zweistellig." Bei den spezialisierten Punkt-Lösungen und Payroll-Anbietern hingegen sehe die Lage ganz anders aus.

KI verändert die Geschäftsmodelle im HR-Tech-Markt

Erstmals widmete sich die Konjunkturbefragung dezidiert der Frage, wie Künstliche Intelligenz die Geschäftsmodelle der Anbieter selbst verändert. Das Bild zeigt eine Branche in Bewegung, ohne dass bereits ein neues dominantes Modell etabliert wäre. 60 Prozent der Befragten arbeiten heute überwiegend mit Per-Seat- beziehungsweise Per-User-Lizenzen. Ein gutes Drittel davon spürt aktuell spürbaren oder starken Druck auf dieses klassische Modell.

Für die nächsten 24 Monate planen 70 Prozent eine Veränderung ihres dominanten Preismodells: 35 Prozent setzen auf eine Verschiebung in Richtung consumption-basierter Modelle, 30 Prozent ergänzen ihr Pricing um eine separate KI- oder Agent-Gebühr. Lediglich 10 Prozent rechnen damit, dass ihr Pricing-Modell vollständig unverändert bleibt.

KI gestaltet Recruiting-Prozesse neu

Das größte Disruptionspotenzial im Kontext von KI für den HR-Tech-Markt sehen die Anbieter klar bei den etablierten Plattformen bei erfolgreicher, aggressiver KI-Strategie von deren Seite. Dahinter folgen "Build statt Buy"-Eigenentwicklungen bei Kunden und AI-First-Startups beim Anteil der auf Platz 1 gesetzten Disruptionsrisiken. Betrachtet man allerdings die Anzahl der Nennungen auf den ersten beiden Plätzen, so nehmen sowohl Eigenentwicklungen mit KI als auch LLM-Plattformen wie Anthropic und Open AI die ersten beiden Plätze ein.

Bei der Frage, in welchen HR-Anwendungsbereichen KI-Agenten bisherige Software- und Servicetätigkeiten in den nächsten 24 Monaten am stärksten verändern oder ersetzen werden, zeigt sich ein klares Muster: Die größten Veränderungen werden – wie bereits in vergangenen Umfragen – in den content- und wissensintensiven Bereichen erwartet. Personalgewinnung und Recruiting (68 Prozent erwarten starke Veränderung oder substanzielle Substitution), Corporate Learning (65 Prozent) und Performance Management (52 Prozent) führen das Feld an. Die transaktionalen Backbone-Themen wie Core HR (29 Prozent), Employee Benefits (23 Prozent) und Workforce Management (32 Prozent) werden hingegen deutlich weniger als Substitutionskandidaten gesehen. KI verändert die Wertschöpfung also zunächst primär an der Oberfläche der HR-Prozesse und (noch) nicht im Maschinenraum.

HR-Tech-Markt: zentrale Erkenntnisse

  • Markthemmnisse: Drei Faktoren liegen mit jeweils 52 Prozent gleichauf an der Spitze: Wettbewerb, politische Rahmenbedingungen und globale Handelsbeziehungen. Neu unter den Top-5-Hemmnissen ist die Kategorie "Verunsicherung durch KI bei Kunden" (45 Prozent). Der jahrelange Spitzenreiter Fachkräftemangel rangiert mit 29 Prozent nur noch im Mittelfeld.
  • KI-Anwendungsbereiche: Die größten Veränderungen durch KI-Agenten erwarten die Anbieter in den nächsten 24 Monaten in der Personalgewinnung, im Corporate Learning und in der Lohnbuchhaltung.
  • Personal und Investitionen: Während 68 Prozent ihre Investitionen 2026 erhöhen - und kein einziger Anbieter sie reduziert -, ist die Personalentwicklung gedämpfter: 52 Prozent planen einen Personalaufbau, 16 Prozent rechnen sogar mit Personalabbau.
  • Preisentwicklung: 61 Prozent der Unternehmen haben 2026 bereits Preisanpassungen umgesetzt oder geplant.

Langjährige Analyse des HR-Tech-Marktes

Seit 2015 untersuchte das Wirtschaftsinstitut Wolfgang Witte und seit Frühjahr 2025 die Worktech Advisory GmbH die konjunkturelle Entwicklung im Markt für HR-Software und Outsourcing. An der aktuellen Befragung im Frühjahr 2026 haben 31 Top-Managerinnen und -Manager von ebenso vielen führenden HR-Softwareanbietern teilgenommen. Die anonymisierte Online-Befragung wurde vom 12. Mai bis 30. Mai 2026 durchgeführt.

 

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Schlagworte zum Thema:  HR-Software , Software-Anbieter
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