Learning Delphi 2020: Videos und Kommunikationstools

Arbeiten und Lernen wachsen zusammen, Erklärvideos setzen sich durch. Bei Learning Analytics und adaptiven Lernformaten kommt künstliche Intelligenz zum Einsatz. Die Trendstudie "Learning Delphi" zeigt: Trend ist, was machbar ist und sich bewährt.

Mit welchen digitalen Lernformaten werden Mitarbeiter in Unternehmen in den nächsten drei Jahren lernen? Was bedeuten diese Entwicklungen für die E- Learning-Branche? Welche Themen und Inhalte werden das betriebliche E-Learning in den nächsten Jahren bestimmen? Diese Fragen stehen im Mittelpunkt der 14. Trendstudie "Learning Delphi", für die das MMB-Institut in Essen im Herbst 2019 61 Expertinnen und Experten aus Deutschland, Österreich und der Schweiz befragt hat und deren Ergebnisse jetzt vorliegen. Die Studie macht deutlich: In den Unternehmen wachsen Arbeiten und Lernen weiter zusammen. Gefragt ist, was praktischen Nutzen hat, schnell umzusetzen ist und das Budget nicht überfordert.

Videos und Learning Experience Plattformen liegen im Trend

Auf der Branchenveranstaltung Learntec konnte man es sehen: Video-basiertes Lernen war an vielen Ständen die Attraktion. Die "Netflixisierung" des Lernens haben auch die für das Learning Delphi befragten  Expertinnen und Experten erkannt. Bei den Prognosen zur "zentralen Lernform in den kommenden drei Jahren" sehen sie die Bedeutung von Erklärvideos mit 94 Prozent mittlerweile vor den als "Learning Nuggets" bezeichneten Micro-Lernformaten (92 Prozent) und vor "Blended Learning" (90 Prozent).

Grafik zum Learning Delphi 2020

Wenn es um Lernportale geht, sehen die für das Delphi befragten Experten einen Wandel. 66 Prozent stimmen der Aussage zu, dass große Unternehmen in Zukunft verstärkt auf Learning Experience Plattformen (LXP) setzen werden, die externen Content besser und stärker nutzerorientiert integrieren und im Vergleich zu klassischen Learning Management Systemen (LMS) eine stärkere Interaktion mit den Lernenden ermöglichen.

Arbeiten und Lernen wachsen zusammen

Kollaboration und Kommunikation werden für das Lernen wichtiger. Slack, Teams oder ähnliche Tools bestimmen für 71 Prozent der befragten Expertinnen und Experten den Austausch- und die Lernkultur in Unternehmen, was eine Steigerung von neun Prozent gegenüber dem Vorjahr bedeutet. Der Hype um Massive Open Online Courses (Moocs) und Lerner-Communities scheint dagegen vorbei.  

Im AR/VR-Ausstellungsbereich (Augmented Reality beziehungsweise Virtual Reality) der Learntec tummelten sich in diesem Jahr 19 Aussteller und damit sieben mehr als im letzten Jahr. Eine wachsende Bedeutung von AR-Lernanwendungen sieht auch das Learning Delphi (49 Prozent). Die Prognose für "Lernumgebungen in virtuellen 3D-Welten" dagegen nehmen die Experten zurück. Sie liegt bei nur noch 30 Prozent gegenüber 37 Prozent im Vorjahr.

Web Based Trainings als einer der Grundpfeiler des digitalen Lernens bleiben wichtig und verlieren vorerst nicht an Bedeutung. Anders sieht es der Umfrage zufolge bei Virtual Classrooms und Webinaren aus. Dramatisch zu nennen ist der Rückgang bei Serious Games. Sie verlieren seit nunmehr vier Jahren an Bedeutung und stehen an letzter Stelle.

In der Umfrage wir das Thema künstliche Intelligenz (KI) hoch gewichtet. Hier wird Anwendungen wie Learning Analytics und Adaptive Learning eine größere Rolle als bislang zugetraut. Eine revolutionäre Bedeutung komme KI nach Einschätzung der Experten beim Sprachenlernen zu.

Kommerzieller Erfolg mit traditionellen Themen und mobilen Angeboten

Den kommerziellen Erfolg digitalen Lernens sehen die Experten in erster Linie bei mobilen Anwendungen, Micro Learning beziehungsweise Learning Nuggets und in virtuellen Klassenräumen. Beim Content ist Datenschutz nach wie vor ein Renner, vor Anwender- und Kundenschulungen sowie Produktschulungen. Außerdem sind Inhalte im Kommen, die auf die Schulung von "21 Century Skills" abzielen. Der Begriff steht für "Critical thinking, Creativity, Collaboration, Communication" und hat den Begriff "Soft Skills" abgelöst.

Die Dynamisierung des E-Learning-Marktes wie des Weiterbildungsmarktes überhaupt spiegele sich auch in den zahlreichen Veranstaltungen wieder, die sich wachsender Besucherzahlen erfreuen. Davon sind die Delphi-Autoren überzeugt. Hier messen die Experten der Learntec mit 89 Prozent die größte Bedeutung zu (2018 waren es 92 Prozent), während sich die Zukunft Personal auf 51 Prozent verbesserte (2018 waren es 39 Prozent) und die Didacta auf 45 Prozent  (2018 waren es noch 29 Prozent). Das 2019 erstmals veranstaltete "Expofestival für Learning & Development Professionals", die L&D Pro in München, schätzten auf Anhieb 29 Prozent der Befragten als zukunftsweisendes Format ein. Ebenfalls zu den Gewinnern gehören neue Formate wie das Corporate Learning Camp mit 59 Prozent (2018 noch bei 49 Prozent) und die "Digital Learning Meetups", eine Reihe regionaler Netzwerktreffen von Experten und Anwendern, die bei 40 Prozent landeten.


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