10.02.2017 | HR-Startups

Führung und Feedback im digitalen Zeitalter

Dirk Linn ist Gründer und Geschäftsführer von P-Manent Consulting in Düsseldorf.
Bild: Haufe Online Redaktion

Wie funktioniert Führung im digitalen Zeitalter? Mit dieser Frage beschäftigt sich Dirk Linn, Geschäftsführer von P-Manent Consulting in Düsseldorf. Seine Beratung kooperiert seit Kurzem mit dem französischen Startup Zest, das Lösungen zum "Führen per App" anbietet.

Haufe Online-Redaktion: Herr Linn, Sie bringen mit dem französischen Start-up Zest ein neues Tool für digitale Führung auf den deutschen Markt. Warum sind Sie eine Partnerschaft mit einem Start-up eingegangen?

Dirk Linn: Wir merken, dass die Veränderungen immer mehr auf globaler Ebene und weniger auf nationaler Ebene passieren. Beim Blick auf den deutschen Markt sieht man andere Ergebnisse als wenn man sich international umsieht. Auch die Kulturen unterscheiden sich. Ich kenne Christophe Bergeon, den Gründer von Zest, schon seit fünf oder sechs Jahren. Vor zwei Jahren hat er mir berichtet, dass er eine neue Idee rund um die Themen digitale Führung, Feedbackkultur und Mitarbeiterengagement hat. Damals waren die Themen für mich nicht richtig greifbar. Aber als Zest im vergangenen Jahr den Manpower Group Foundation Award in Paris gewonnen hatte, war ich schwer beeindruckt und habe wieder das Gespräch gesucht. Ich habe gemerkt, dass ein durchdachtes Konzept dahintersteckt.

Haufe Online-Redaktion: Ihr Kooperationspartner bietet für verschiedene Themen wie Mitarbeiter-Feedback, Ideenmanagement, Kollaboration oder „aktuelle Stimmung“ eigene Apps an. Welchen Mehrwert bieten die Apps für Unternehmen?

Linn: Die Mitarbeiter wollen heute im Prinzip drei Dinge: Sie wollen sich in das Unternehmen einbringen und mitteilen, was sie denken und fühlen – das alles möglichst tagesaktuell. Wichtige Punkte sind Schnelligkeit und Partizipation. Im Vertrieb, im Marketing und in der Produktion gibt es überall Echtzeit-Systeme. Aber im HR-Bereich sind die Feedback-Systeme oft über Tage, Wochen oder sogar Jahre verzögert. So kommt in einem Mitarbeitergespräch heraus, was vor einem Jahr passiert ist und die Führungskraft kann erst mit noch größerer Verzögerung reagieren.

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Der dritte Punkt ist, dass die Mitarbeiter einfache Lösungen wünschen. Viele der Systeme für Mitarbeitergespräche, die die großen HR-Anbieter bereitstellen, sind zu verkopft und komplex. In der agilen Welt, die wir heute haben, brauchen wir auch agile Methoden. Die Apps treffen genau in diese Lücke. Sie helfen den Unternehmen, ihre Mitarbeiter zu erreichen. Die Mitarbeiter bekommen eine starke Stimme. Es wird Feedback gegeben und es kommen Ideen ins Unternehmen.

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Haufe Online-Redaktion: Auch in Deutschland haben sich Start-ups mit Lösungen für Mitarbeitergespräche und Feedbackkultur beschäftigt. Weshalb haben Sie sich für Zest entschieden?

Linn: Das war Zufall. Bislang hatte ich die Start-up-Szene in Deutschland nicht genauer angeschaut, weil wir 16 Jahre mit unseren Produkten gut gelebt haben und es gut so weitergehen konnte. Mittlerweile habe ich etwas recherchiert: Die Start-ups in Deutschland haben eine andere Ausrichtung. Manche konzentrieren sich auf das soziale Intranet, manche bieten Chats an oder Lösungen für das Mitarbeitergespräch, aber die klare Fokussierung in die Richtung, in die sich Zest bewegt, habe ich nicht gefunden. Jeder kann das selbst kostenlos auf zestmeup.com testen und eine 14-tägige Vollversion herunterladen.

Haufe Online-Redaktion: Wie gestaltet sich die Partnerschaft mit einem Start-up aus einem anderen Land?

Linn: Zunächst muss ich sagen, dass ich selbst mich auch noch als Start-up fühle. Wir bei P-Manent sind kreative Spinner im positiven Sinn des Wortes. Und Zest ist ein Start-up, das ebenfalls Impulse gibt. Unsere Aufgabe ist es, den deutschen Markt zu reflektieren. Wir führen auch die Übersetzungen innerhalb des Tools durch. Wir wollen eine praxistaugliche Sprache, damit das Tool wie eine deutsche Entwicklung anmutet, obwohl ein französisches Konzept dahintersteht.

Haufe Online-Redaktion: Häufig schließen große, etablierte, behäbige Unternehmen Kooperationen mit Start-ups, um mehr Kreativität und Schnelligkeit ins Haus zu holen. Aber Ihr Unternehmen ist ja selbst klein, kreativ, schnell. Welche Effekte hat die Kooperation mit einem Start-up auf Ihr Geschäft? 

Linn: Die Spontaneität der Start-up-Kultur, auch mal morgens um 7 Uhr zu telefonieren oder eine Mail auf der Couch zu schreiben, hat durchaus einen Einfluss auf unser Unternehmen. Aber es ist vor allem die neue Art der Führung, die sich bei uns auswirkt. 2009 führten wir eine zweite Führungsebene ein. Doch diese Bereichsleitung haben wir im vergangenen Jahr komplett aufgelöst. Bei uns gibt es keine Führungsebenen mehr.

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Wir haben zwei Geschäftsführer, die genauso operativ arbeiten wie jeder andere auch und die letztendlich auch genauso behandelt werden. Wir nutzen ein zentrales Intranet mit Chats, Votings und Feedback-Möglichkeiten. Außerdem sind wir in neue Büros mit viel Glas umgezogen. Wir haben überall Offenheit und Transparenz und das ist das, was auch Zest ausmacht. Wir haben also eine ähnliche Struktur. Diese war aber unabhängig von der Partnerschaft schon zuvor gegeben.

Haufe Online-Redaktion: Können Sie ein weiteres Beispiel für Start-up-Arbeitsweisen in Ihrem Unternehmen nennen?

Linn: Bei uns hat das Team eine hohe Entscheidungskompetenz, etwa auch wenn es um monetäre Fragen geht. Wenn ein Kunde ein Angebot anfragt, dann muss das nicht unbedingt über den Vertrieb gehen, sondern die Entscheidungsrahmen sind sehr groß. Entscheidungen werden nach Möglichkeit im Team besprochen und wir haben ein hohes Maß an Feedback, zum Beispiel im Intranet. Unsere Mitarbeiter werden nicht mehr an Einzelzielen gemessen, sondern es gibt ein gemeinsames Unternehmensziel.

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Außerdem sind unsere Mitarbeiter am Geschäftserfolg beteiligt. Seit wir das Entlohnungsmodell auf ein Unternehmens-Entlohnungsprogramm mit maximaler Transparenz umgestellt haben, haben wir auch einen ganz anderen Führungsstil. Denn wir brauchen keine Führung mehr. Die Teams führen sich selbst.

Haufe Online-Redaktion: Wie bringt sich Ihr Unternehmen bei Zest ein?

Linn: Indem wir den deutschen Markt adressieren. Wir machen die Übersetzung und stärken Zest selbst als Marke. Alles, was der Partner benötigt, um sich auf dem deutschen Markt zu etablieren, übernehmen wir. Wir stellen unsere Übersetzungen online in ein Cloud-basiertes Tool ein und diese werden automatisch in das neue Release, das jeden Monat herauskommt, eingespielt. Hierbei nimmt unser Partner keinen weiteren Quality-Check vor. Was wir einstellen, erscheint genau so. Das ist einerseits ein hoher Vertrauensbeweis, andererseits ist das gelebtes Co-Working.

Dirk Linn ist Gründer und Geschäftsführer von P-Manent Consulting in Düsseldorf.

Das Interview führte Daniela Furkel.

 

Zest wurde 2015 von Experten rund um die Themen Talent Management und Digitale Transformation in Frankreich gegründet. Heute zählt das Start-up zehn Mitarbeiter und rund 30 Kunden, unter anderem EY. Für dieses Jahr ist ein deutliches Wachstum geplant.

P-Manent Consulting mit Sitz in Düsseldorf ist im Jahr 2000 als Netzwerk von Freelancern gestartet und wurde 2008 zu einer GmbH, als festangestellte Mitarbeiter dazu kommen. Derzeit zählt das Unternehmen einen festen Mitarbeiterstamm von 15 Personen, zusätzlich zu Freelancern.

 

Schlagworte zum Thema:  HR-Startup, Digital Leadership, Feedback

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