Welche Crowdsourcing-Plattform bietet die fairsten Arbeitsbedingungen?
Konflikte um Betriebsratsgründungen, Kritik an Vertragsbedingungen und Bezahlung im Zuge der Corona-Krise sowie Bedenken am Gesundheitsschutz für Mitarbeitende: Crowdsourcing-Plattformen machten in den vergangenen Monaten nur selten positive Schlagzeilen. Immer wieder kommt die Frage auf, wie faire Plattformarbeit überhaupt möglich ist.
Das Forschungsprojekt "The Fairwork Project" der Universität Oxford und der Technischen Universität Berlin bewertete nun die Arbeitsbedingungen von zehn Crowdworking-Plattformen in Deutschland. Demnach bieten längst nicht alle Plattformen unfaire Bedingungen: "Clevershuttle" sorgt laut der Untersuchung für die beste Arbeitsumgebung, gefolgt von "Zenjob" auf Platz zwei und "Instaff" auf Platz drei. Das Schlusslicht bildet die Fahrdienstplattform "Uber".
Fünf Kriterien für faire Arbeitsbedingungen auf Plattformen
"Das Bewertungssystem von Fairwork wirft ein Licht auf die besten und schlechtesten Praktiken in der deutschen Plattformökonomie“" sagt Maren Borkert, Mitarbeiterin am Lehrstuhl für Entrepreneurship und Innovationsmanagement der Technischen Universität Berlin zum Forschungprojekt. Das 2019 als Pilotstudie in Südafrika und Indien gestartete Forschungsprojekt ermögliche Kunden, "informierte Entscheidungen bezüglich der Plattformen zu treffen, die sie nutzen". Da Crowdsourcing auch für viele Unternehmen infrage kommt, kann das Ranking auch für HR-Verantwortliche eine Entscheidungshilfe bieten. Der Bewertung liegen fünf Prinzipien "fairer Plattformarbeit" zugrunde:
- Faire Bezahlung: Mitarbeitende sollen unabhängig von ihrem Beschäftigungsstatus und unter Berücksichtigung der arbeitsbedingten Aufwendungen ein angemessenes Einkommen erzielen können.
- Faire Arbeitsbedingungen: Die Plattform-Anbieter sollen über Richtlinien zum Schutz vor Risiken, die sich aus den Arbeitsprozessen ergeben, verfügen und proaktive Maßnahmen zur Förderung der Gesundheit und Sicherheit der Mitarbeitenden ergreifen.
- Faire Verträge: Die Vertragsbedingungen sollen transparent, klar verständlich und präzise sein und den Mitarbeitenden in einfach zugänglicher Form zur Verfügung gestellt werden.
- Faire Management-Prozesse: Plattformen sollen ein dokumentiertes Verfahren bieten, über das Mitarbeitende ihre Anliegen vortragen, Widerspruch gegen Entscheidungen einlegen und über entsprechende Gründe informiert werden können. Wenn Algorithmen zur Bestimmung des Zugangs zu Aufträgen oder zur Bemessung der Bezahlung verwendet werden, sollten diese transparent sein und nicht zu ungleichen Ergebnissen für bestimmte Gruppen führen.
- Faire Mitbestimmung: Plattformen sollen ein transparentes Verfahren bereitstellen, durch das sich Mitarbeitende kollektiv ausdrücken können. Unabhängig von ihrem Beschäftigungsstatus sollten Mitarbeitende das Recht haben, sich in kollektiven Gremien zu organisieren, und die Plattformen sollen bereit sein, mit ihnen zusammenzuarbeiten und zu verhandeln.
Die fairsten Crowdsourcing-Plattformen in Deutschland
In der Studie werden gravierende Unterschiede zwischen den verschiedenen digitalen Plattformen deutlich. Vor dem Hintergrund der Corona-Krise stellen die Autoren besonders heraus, dass gerade die Absicherung der Arbeitenden in Bezug auf Gesundheits- und Sicherheitsrisiken nicht von jeder Plattform in vollem Maß gewährleistet wird. Letztlich kommt das Projekt auf die folgende Rangfolge der untersuchten Crowdsourcing-Plattformen:
Platz | Plattform | Bewertung |
1 | Clevershuttle | 9 von 10 |
2 | Zenjob | 8 von 10 |
3 | Instaff | 7 von 10 |
4 | Berlkönig | 6 von 10 |
5 | Lieferando | 5 von 10 |
6 - 8 | Amazon Flex, | jeweils 4 von 10 |
9 | Helpling | 2 von 10 |
10 | Uber | 1 von 10 |
Die vollständigen Bewertungen in den einzelnen Kategorien können auf der Projektwebseite von Fairwork eingesehen werden.
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