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Inklusion in der Ausbildung ist noch die Ausnahme

Exklusion statt Inklusion: Das erfahren Azubis mit Behinderung bislang in vielen Betrieben.
Bild: MEV Verlag GmbH, Germany

Nur wenige Jugendliche mit Behinderung finden einen regulären betrieblichen Ausbildungsplatz: Bislang sind dies gerade einmal sieben Prozent, wie eine Studie zeigt. Um die Inklusionsquote zu erhöhen, fordern die Autoren eine bessere Informationspolitik sowie ein flexibleres Ausbildungssystem.

Inklusion im Schulunterricht ist ein Dauerthema. Mögen sich die Geister auch beim Für und Wider scheiden: Der Anteil inklusiver Schulklassen ist, seit Deutschland sich vor fünf Jahren verpflichtet hat, Inklusion im Bildungswesen umzusetzen, auf 25 Prozent gestiegen. Das hat eine Studie von Professor Klaus Klemm im Auftrag der Bertelsmannstiftung aus dem vergangenen Jahr ergeben. Eine  neue Befragung der Bertelsmannstiftung unter mehr als 1.000 Ausbildungsbetrieben  zeigt nun, dass sich die Erfolgsgeschichte, die in den Schulen begonnen hat, in den Unternehmen noch nicht weiterschreiben lässt: Denn von den jährlich rund 50.000 Schulabgängern mit sonderpädagogischem Förderbedarf finden demnach nur etwa 3.500 einen betrieblichen Ausbildungsplatz; und nur jedes vierte ausbildungsberechtigte Unternehmen in Deutschland hat in den vergangenen fünf Jahren Erfahrungen mit Jugendlichen mit Behinderung gemacht.

"Einfach machen beziehungsweise ausprobieren"

Dabei sprechen die Studienergebnisse dafür, dass die Unternehmen Auszubildenden mit Behinderung eine Chance geben sollten. Denn von den Unternehmen, die bereits Erfahrungen mit Inklusion in der Ausbildung gemacht haben, bewertet die Hälfte ihre Entscheidung für Jugendliche mit Behinderung und den Ausbildungsverlauf überwiegend positiv. Viele von ihnen empfehlen nach Auskunft der Stiftung, "die Ausbildung der Jugendlichen mit Behinderung einfach zu machen beziehungsweise auszuprobieren". Nur 8,5 Prozent der Befragten sagen, dass sie damit negative Erfahrungen gemacht hätten.

Nur ein Viertel der inklusiven Betriebe lässt sich fördern

Bundesbildungsministerin Johanna Wanka nahm denn auch gleich die Unternehmen in die Pflicht: In der "Welt" forderte sie ein stärkeres Bemühen um behinderte Menschen im Berufsleben. Die Unternehmen wünschen sich wiederum mehr staatliche Unterstützung. Mehr als die Hälfte der Betriebe, die bereits Jugendliche mit Behinderung ausbilden, und rund ein Drittel der übrigen Betriebe sagen, sie würden vermehrt inklusiv ausbilden, wenn sie überhaupt oder besser vom Staat gefördert würden. Nur ein Viertel der Unternehmen, die Jugendliche mit Behinderung ausbilden, nimmt die bereits bestehenden staatlichen Förderungen in Anspruch.

Betriebe fordern mehr Transparenz und weniger Bürokratie

Um mehr behinderten Jugendlichen einen inklusiven Ausbildungsplatz zu ermöglichen, sehen die Autoren zwei Hebel: Zum einen müssten die Unternehmen besser über Unterstützungsangebote wie Zuschüsse zur Ausbildungsvergütung und Kostenübernahme für die notwendige Umgestaltung eines Ausbildungsplatzes informiert werden. Bislang kennt diese der Studie zufolge nur knapp die Hälfte der Betriebe, die Jugendliche mit Behinderung ausbilden; 81,7 Prozent wünschen sich mehr Transparenz darüber, wo diese beantragt werden können, und über 70 Prozent fordern weniger Bürokratie bei der Beantragung.

Zum anderen fordern die Autoren eine Flexibilisierung des Ausbildungssystems. Denn rund zwei Drittel der Unternehmen, die Jugendliche mit Behinderung ausbilden, befürworten, dass der zeitliche Verlauf der Berufsausbildung die individuelle Situation des Auszubildenden stärker berücksichtigen sollte. Mehr als die Hälfte hält zudem eine Aufteilung der Ausbildung in Einzelbausteine für sinnvoll.

Die komplette Studie "Inklusion in Deutschland – eine bildungsstatistische Analyse" können Sie hier herunterladen.

Schlagworte zum Thema:  Berufsausbildung, Inklusion

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