Aufbau des betrieblichen Gesundheitsmanagements nach ISO 45001

Am 28. April ist Welttag für Sicherheit und Gesundheit am Arbeitsplatz. Und gerade in diesem Jahr steht das betriebliche Gesundheitsmanagement (BGM) aufgrund der Coronapandemie vor neuen Aufgaben: die psychischen Belastungen der Mitarbeitenden, die soziale Isolation und die körperlichen Beschwerden im Homeoffice werden immer größer. Wir zeigen, wie Unternehmen ihr BGM jetzt reaktivieren und an die besondere Lage anpassen können.

Die Zunahme der psychischen Belastungen und körperlichen Beschwerden durch die Coronapandemie und die erfolgten Lockdowns in Deutschland sind alarmierend. Zu den direkten Belastungen durch die Pandemie kommen Stress und ergonomische Belastungen im Homeoffice sowie die soziale Isolation vieler Mitarbeitenden. Statt dem entgegenwirken zu können, mussten viele Betriebe ihr Gesundheitsmanagement herunterfahren - teils aus Kosteneinsparungsgründen, teils weil die innerbetrieblichen BGM-Verantwortlichen in der Krise andere Aufgaben übernehmen mussten oder in Kurzarbeit waren.

Veränderung des Gesundheitsmanagements durch Corona

Um einer weiteren Abwärtsspirale entgegenzuwirken und die Produktivität der Mitarbeitenden erneut zu stärken, beginnen nun die ersten Betriebe mit der Reaktivierung ihres BGM und auch mit dessen Weiterentwicklung. Doch die Anforderungen an das betriebliche Gesundheitsmanagement haben sich durch Corona geändert, erklärt Gesundheitsexperte Oliver Walle, Vorstandsvorsitzender des Bundesverbands Betriebliches Gesundheitsmanagement (BBGM) und Dozent an der Deutschen Hochschule für Prävention und Gesundheitsmanagement BSA-Akademie.

Walle erklärt: "Stand heute zeigen die Ergebnisse der Gesundheitsreporte, aber auch die der zahlreichen Umfragen zur Pandemie und zum Homeoffice deutlich, dass Corona positiven wie negativen Einfluss auf die Gesundheit und das Gesundheitsverhalten genommen hat. Das muss gerade für die Ausrichtung des BGM zukünftig beachtet werden." Eine besondere Rolle, so Walle, spiele dabei das Homeoffice: "Bewegungsmangel, Gewichtszunahme, unzureichende ergonomische Gestaltung und fehlende Sozialkontakte stellen die großen neuen Herausforderung dar, zu denen Unternehmen über das betriebliche Gesundheitsmanagement Unterstützung bieten müssen."

Gesundheitskompetenz im Homeoffice: Anleitung zur Selbstverantwortung

Zusätzlich, so Walle, werde die Ausrichtung der Gesundheitsförderung deutlich mehr Ressourcen und damit die Stärkung der eigenen Gesundheitskompetenz zum Ziel haben. Betriebliches Gesundheitsmanagement müsse den Mitarbeitenden Information, Beratung und Coaching liefern, damit sie selbst in der Lage sind:

  • ihr Homeoffice ergonomisch zu gestalten,
  • sich ausreichend zu bewegen und gesund zu ernähren,
  • stressfrei mit den Anforderungen der mobilen und digitalen Arbeit und Kommunikation umgehen zu können.

ISO 45001: Leitfaden zur Weiterentwicklung des betrieblichen Gesundheitsmanagements

Wichtig für Unternehmen, die ihr BGM stärker an den neuen Anforderungen und Zielen ausrichten wollen, sei die konsequente Umsetzung eines kontinuierlichen Verbesserungsprozesses, erklärt Walle. Ein weiterentwickeltes BGM müsse vor allem Routinen aufweisen, wie mit den veränderten Rahmenbedingungen umgegangen werden kann. Der BBGM-Vorsitzende empfiehlt dazu die Orientierung am Managementsystem der ISO 45001. "Zwar klingt die Empfehlung, sich an einer ISO-Norm zu orientieren, erst einmal sehr komplex", räumt Oliver Walle ein. Tatsächlich aber könnten die BGM-Verantwortlichen die Komplexität sehr wohl eingrenzen und die ISO auch ohne eine Zertifizierung und ohne die Aspekte des Arbeitsschutzes als Leitfaden zum BGM-Aufbau verwenden. "In allen anderen Fällen", so Walle, "landet man in der Praxis bei den immer gleichen Problemen: Es wird von BGM gesprochen, aber es handelt sich nur um unspezifische Einzelmaßnahmen der Gesundheitsförderung."


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