Rz. 8

Außerdem haben die Massenentlassungsvorschriften auch individualschützenden Charakter (BAG, Urteil v. 21.3.2013, 2 AZR 60/12[1]; BAG, Urteil v. 13.7.2006, 6 AZR 198/06[2]; ArbG Berlin, Beschluss v. 30.4.2003, 36 Ca 19726/02[3]). Dies ergibt sich bereits aus dem Erwägungsgrund (2) der Massenentlassungsrichtlinie, den "Schutz der Arbeitnehmer bei Massenentlassungen zu verstärken". Soweit Vorschriften verletzt werden, die zumindest auch individualschützenden Charakter haben, droht im Falle der Nichteinhaltung dieser Normen die Unwirksamkeit der Entlassung.[4] Die Kündigungsbeschränkungen der §§ 17 ff. KSchG und der allgemeine Kündigungsschutz nach §§ 1 ff. KSchG bzw. der besondere Kündigungsschutz (z. B. nach § 18 BEEG, § 17 MuSchG 2018 (§ 9 MuSchG a. F.), § 5 PflegeZG, §§ 168 ff. SGB IX 2018 (§§ 85 ff. SGB IX a. F.) bestehen unabhängig voneinander.[5] Nach Auffassung des BVerfG und des BAG kann aber im Falle des Sonderkündigungsschutzes, bei dem vor Ausspruch der Kündigung die Zustimmung einer Behörde oder anderen Stelle einzuholen ist, bereits der Antrag des Arbeitgebers auf Einholung der Zustimmung als Entlassung i. S. d. § 17 KSchG zu werten sein.[6]

[1] NZA 2013 S. 966, 967, Rz. 22.
[2] NZA 2007 S. 25, 27, BB 2007 S. 156 m. Anm. Lembke.
[3] ZIP 2003 S. 1265, 1267 m. w. N.; a. A. APS/Moll, 5. Aufl. 2017, Vor. §§ 17 ff. KSchG, Rz. 15; KR/Weigand, 11. Aufl. 2016, § 17 KSchG, Rz. 23.
[4] S. u. Rz. 17, 153 ff.
[5] ErfK/Kiel, 18. Aufl. 2018, § 17 KSchG, Rz. 3; HWK/Molkenbur, 8. Aufl. 2018, § 17 KSchG, Rz. 2; zur Zulässigkeit einer Kündigungsvorschrift wie § 18 BEEG im Falle der Massenentlassung EuGH, Urteil v. 22.2.2018, C-103/16, NZA 2018 S. 432.
[6] Näher Rz. 28 ff.

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