Return on Prevention (RoP)

Zusammenfassung

 

Begriff

Die Aussicht auf Nutzen bestimmt das Handeln von Menschen und Organisationen. Bei genauerem Hinsehen ist es die Einschätzung des Nutzens vor dem Hintergrund des Aufwands, der zu betreiben ist, um den Nutzen zu erzielen. Dies gilt auch im Arbeits- und Gesundheitsschutz sowie bei der betrieblichen Gesundheitsförderung. In Anlehnung an die bekannte betriebswirtschaftliche Kennzahl "Return on Investment (ROI)" wird seit 2010 im Arbeitsschutz die Kennzahl "Return on Prevention (RoP)" als "Kennzahl" für den betrieblichen Nutzen der betrieblichen Maßnahmen für die Sicherheit und Gesundheit bei der Arbeit diskutiert. Im Kern geht es um die Frage, in welchem Maße sich die betriebliche Präventionsarbeit in einen Unternehmen lohnt. Der RoP geht von einer Vielzahl von vereinfachenden Annahmen aus und schätzt teilweise den Aufwand (die Kosten) für die Prävention sowie den Nutzen der betrieblichen Präventionsarbeit. Grundlage des RoP ist eine arbeitsschutzbezogene Nutzen-Kosten-Analyse. D. h., der RoP stellt dem betrieblichen Präventionsnutzen die Kosten der betrieblichen Präventionsarbeit gegenüber. Für das Managen des betrieblichen Arbeits- und Gesundheitsschutzes, inklusive der betrieblichen Gesundheitsförderung, ist diese Kennzahl von großer Bedeutung. Zeitgemäße AMS-Standards, wie die DIN ISO 45.001:2018, fordern entsprechende Kennzahlen.

1 Prävention lohnt sich – Versuch eines Nachweises

Ein wirksamer Arbeits- und Gesundheitsschutz ist fraglos zuallererst aus sozialen Gründen (Unversehrtheit, Vermeidung arbeitsbedingter Erkrankungen sowie Erhalt der Arbeits- und Beschäftigungsfähigkeit) erforderlich und begründet. Darüber hinaus ist aber auch der Nutzen für die jeweilige Organisation, also insbesondere das Unternehmen sowie die Gesellschaft zu betrachten. Die Frage, ob sich betriebliche Präventionsarbeit auch für das Unternehmen lohnt, ist also berechtigt und für das Management eines Unternehmens von großer Bedeutung.

Die vorherrschende Meinung war lange Zeit und ist es v. a. in vielen kleineren Unternehmen auch heute noch, dass der Arbeitsschutz v. a. Kosten verursacht und sich die erforderlichen Präventionsmaßnahmen nur bedingt lohnen. Beispiele guter Praxis belegen zwar das Gegenteil, aber die tradierten Sichtweisen herrschen vielfach weiter vor und erschweren die betriebliche Umsetzung des Arbeits- und Gesundheitsschutzes.

 

Wichtig

Die praktische Relevanz des Arbeitsschutzes nimmt ab!

Da die Sicherheit bei der Arbeit heute immer mehr als eine Selbstverständlichkeit erachtet wird, verblasst deren Nutzen bzw. die Wahrnehmung des Nutzens von Präventionsmaßnahmen. Wahrgenommen wird das, was auffällt, was angestrebt wird oder nachzuweisen ist. Hier kann der klassische Arbeitsschutz wenig punkten.

Darüber hinaus stehen bei Unternehmern und Führungskräften "moderne" Themen, wie Digitalisierung, Fachkräftemangel sowie bedingt auch Gesundheit im Blickfeld.

Ohne den Nachweis oder besser noch das Erleben des Nutzens des Arbeits- und Gesundheitsschutzes wird dieser weiterhin halbherzig umgesetzt.

Dass sich Prävention lohnt, ist vielen Unternehmern und Führungskräften nur latent bekannt. Dies ist ein wichtiger Ansatzpunkt für Verbesserungen. Deshalb ist die Auseinandersetzung mit dem Nutzen ein zentrales Element eines Managementsystems.

 

Praxis-Tipp

Machen Sie den Nutzen des Arbeitsschutzes zum Thema

Aus dem Hinweis auf die Bedingungen der Wahrnehmung des Nutzens lassen sich Ideen für die Vermittlung des Nutzens ableiten.

Beispiel: Fragen Sie in einer Sitzung des Arbeitsschutzes provokativ "Was bringen uns unsere Präventionsmaßnahmen?" Sammeln Sie die von den Teilnehmern genannten Punkte auf einem Flip-Chart und diskutieren Sie anschließend die Nennungen.

Da sich Unternehmer und Führungskräfte v. a. anhand von Daten überzeugen lassen und die Unfallzahlen erfreulicherweise deutlich zurückgegangen sind, bedarf es neuer Kennzahlen, die aufzeigen, dass sich betriebliche Prävention wirklich lohnt. Die Kennzahl "Return on Prevention (RoP)" ist ein guter Ansatz, den Nutzen von Präventionsmaßnahmen bei den Entscheidern in einem Unternehmen stärker in den Mittelpunkt ihrer Betrachtungen zu rücken.

Eine Studie der Internationalen Vereinigung für Soziale Sicherheit (IVSS), der Deutschen Gesetzlichen Unfallversicherung (DGUV) und der Berufsgenossenschaft Energie, Textil, Elektro, Medienerzeugnisse (BG ETEM), an der sich rund 300 Unternehmen aus 16 Ländern beteiligt haben, ergab einen durchschnittlichen RoP von 2,2. D. h., im Schnitt wird der Nutzen der "Investition" in den Arbeits- und Gesundheitsschutz (der betrieblichen Präventionsarbeit) von den befragten Betriebsvertretern auf mehr als doppelt so hoch geschätzt, wie die Kosten der Präventionsmaßnahmen.

Zeitgemäße AMS-Standards fordern eine Ergebnisbewertung und Kennzahlen

Der AMS-Standard DIN ISO 45.001:2018 fordert im Element 6.2.2 "Planung zur Erreichung der SGA-Ziele":

  • Bei der Planung zum Erreichen ihrer SGA-Ziele muss die Organisation u. a. bestimmen, "e) wie die Ergebnisse bewertet werden, einschließlich der Kennzahlen zur Überwachung"...

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