Praxis-Beispiele: Rabattfre... / 5 Zeitpunkt der Bewertung
 

Sachverhalt

Ein Möbelhaus ermöglicht allen Arbeitnehmern den Einkauf eigener Waren bis zur Höhe des Rabattfreibetrags von 1.080 EUR im Jahr. Ein Arbeitnehmer sucht sich aus der Produktpalette seines Arbeitgebers eine Schrankwand aus. Der im Möbelhaus angegebene Endpreis der Schrankwand beträgt 2.500 EUR. Arbeitgeber und Arbeitnehmer vereinbaren eine Zuzahlung von 1.000 EUR.

Was sind die lohnsteuer- und sozialversicherungsrechtlichen Folgen aus dem verbilligten Verkauf?

Lösung

 
Ermittlung des Sachbezugs
Endpreis der Schrankwand 2.500 EUR
Abzgl. pauschaler Bewertungsabschlag von 4 % - 100 EUR
Zwischensumme 2.400 EUR
Zuzahlung des Arbeitnehmers - 1.000 EUR
Geldwerter Vorteil insgesamt 1.400 EUR
Abzgl. Rabattfreibetrag - 1.080 EUR
Steuer- und sozialversicherungspflichtiger geldwerter Vorteil 320 EUR

Da es sich bei dem Rabattfreibetrag um einen Freibetrag und nicht um eine Freigrenze handelt, ist der Betrag von 320 EUR beim Arbeitnehmer als steuer- und sozialversicherungspflichtiger Arbeitslohn anzusetzen. Dieser Arbeitslohn fließt dem Arbeitnehmer nicht bereits bei Einräumung des Anspruchs zu (Bestellung), sondern erst bei tatsächlicher Ausübung bzw. Inanspruchnahme des Rabattfreibetrags (d. h. mit Auslieferung der Schrankwand). Der geldwerte Vorteil von 320 EUR ist als sonstiger Bezug somit erst bei der Entgeltabrechnung für den Zeitpunkt der Auslieferung als steuer- und sozialversicherungspflichtiger Arbeitslohn beim Arbeitnehmer anzusetzen.

Hinweis

Ein üblicher Rabatt, der auch Dritten eingeräumt wird, kann für den Arbeitnehmer nicht zu steuer- und sozialversicherungspflichtigem Arbeitslohn führen. Ob der Arbeitgeber dem Arbeitnehmer tatsächlich einen besonders günstigen Preis einräumt, ist durch Vergleich mit dem um übliche Preisnachlässe geminderten üblichen Endpreis am Abgabeort zu bestimmen. Bezieht der Arbeitnehmer von seinem Arbeitgeber hergestellte Waren, richtet sich die Rabattbesteuerung grundsätzlich nach § 8 Abs. 3 EStG.

Der Arbeitnehmer hat folgende Vergünstigungen:

  • Bewertungsabschlag von 4 %,
  • zusätzlich Rabattfreibetrag von 1.080 EUR.

Bemessungsgrundlage ist hier der Preis, zu dem der Arbeitgeber die Waren oder Dienstleistungen fremden Letztverbrauchern im allgemeinen Geschäftsverkehr anbietet. Weil dieser vom Arbeitgeber bestimmte Endpreis weit über den tatsächlichen Marktverhältnissen liegen kann, hat der Arbeitnehmer im Rahmen seiner Einkommensteuerveranlagung die Wahl, den geldwerten Vorteil mit dem um übliche Preisnachlässe geminderten üblichen Endpreis am Abgabeort zu bewerten – dann allerdings ohne Bewertungsabschlag und ohne Rabattfreibetrag.

Steuerpflichtiger Arbeitslohn entsteht laut BFH erst, wenn der Arbeitgeberrabatt über das hinausgeht, was auch fremde Dritte als Rabatt erhalten.

Praxis-Tipp

Bei der Bewertung von Sachbezügen besteht ein Wahlrecht zwischen der Rabattregelung und der Einzelbewertung.

Zusätzlich besteht bei der Einzelbewertung von Sachbezügen ein Wahlrecht zwischen

  • dem üblichen Endpreis am Abgabeort (96-%-Grenze bei Sachbezügen) und
  • dem günstigsten Preis am Markt (z. B. Preis von Anbietern im Internet).

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