Praxis-Beispiele: Mehrfachb... / 4 Mehrere Beschäftigungen
 

Sachverhalt

Eine allein erziehende Mutter arbeitet halbtags bei Arbeitgeber A für 750 EUR im Monat. Sie erhält kein Urlaubsgeld und kein Weihnachtsgeld.

Daneben erstellt sie in Heimarbeit Schreibarbeiten für Arbeitgeber B und erhält dafür ein festes monatliches Entgelt von 300 EUR, ebenfalls kein Urlaubs- und kein Weihnachtsgeld.

Im Sommer arbeitet sie befristet vom 1.8.-15.9. samstags und sonntags als Aushilfe bei Arbeitgeber C in einer Gaststätte. Sie arbeitet 12 Stunden pro Wochenende für pauschal 140 EUR.

Wie sind die Beschäftigungen lohnsteuer- und sozialversicherungsrechtlich zu behandeln?

Lösung

Beschäftigung bei Arbeitgeber A

Die Beschäftigung ist beitragspflichtig in allen Zweigen der Sozialversicherung. Es gelten die Regelungen für den sozialversicherungsrechtlichen Übergangsbereich mit ermäßigten Arbeitnehmerbeiträgen zur Sozialversicherung, da das Entgelt regelmäßig weniger als 1.300 EUR beträgt.

Die Arbeitnehmerin wird nach den ELStAM (Steuerklasse II) besteuert.

Beschäftigung bei Arbeitgeber B

Es handelt sich um eine geringfügig entlohnte Beschäftigung. Sie ist auf Dauer angelegt und das regelmäßige Arbeitsentgelt beträgt nicht mehr als 450 EUR. Neben einer sozialversicherungspflichtigen Hauptbeschäftigung – hierzu zählt auch eine Beschäftigung im sozialversicherungsrechtlichen Übergangsbereich – ist eine geringfügig entlohnte Beschäftigung sozialversicherungsfrei. Da bereits in der Hauptbeschäftigung Rentenversicherungspflicht vorliegt, beantragt die Arbeitnehmerin die Befreiung von der Rentenversicherungspflicht im Minijob. Der Minijob bei Arbeitgeber B wird nicht mit der Hauptbeschäftigung bei Arbeitgeber A zusammengerechnet.

Arbeitgeber B meldet die Mitarbeiterin mit dem Personengruppenschlüssel 109 und dem Beitragsgruppenschlüssel 6500 bei der Minijob-Zentrale der Deutschen Rentenversicherung Knappschaft-Bahn-See an. Er muss für die Beschäftigung pauschale Beiträge zur Rentenversicherung (15 %) und zur Krankenversicherung (13 %) sowie Pauschalsteuer (2 %) an die Minijob-Zentrale abführen. Eine Abwälzung der einheitlichen Pauschalsteuer auf die Arbeitnehmerin ist zulässig.

Beschäftigung bei Arbeitgeber C

Diese Beschäftigung erfüllt die Voraussetzungen einer kurzfristigen Beschäftigung. Sie wird nicht berufsmäßig ausgeübt und ist von vornherein auf weniger als 70 Arbeitstage begrenzt. Es gilt die 70-Arbeitstage-Grenze, da die Arbeitnehmerin weniger als 5 Arbeitstage pro Woche tätig ist. Vom 1.8.-15.9. ergeben sich 12 Arbeitstage (6 Wochenenden). Die kurzfristige Beschäftigung wird weder mit der sozialversicherungspflichtigen Hauptbeschäftigung bei Arbeitgeber A noch mit der geringfügig entlohnten Beschäftigung bei Arbeitgeber B zusammengerechnet.

Die Aushilfstätigkeit wird bei der Minijob-Zentrale der Deutschen Rentenversicherung Knappschaft-Bahn-See mit dem Personengruppenschlüssel 110 und dem Beitragsgruppenschlüssel 0000 angemeldet.

Die Beschäftigung kann nach den ELStAM (Steuerklasse VI) besteuert werden. Alternativ kommt auch eine Pauschalbesteuerung mit 25 % in Betracht, da die Aushilfsbeschäftigung gleichzeitig die Voraussetzungen einer steuerlichen kurzfristigen Beschäftigung (maximal 18 zusammenhängende Arbeitstage) erfüllt. Die pauschale Lohnsteuer kann auf die Arbeitnehmerin abgewälzt werden.

Praxis-Tipp

Mit den Jahresentgelten aus der Beschäftigung bei Arbeitgeber A (9.000 EUR) und in der Gaststätte (840 EUR) fällt in der Lohnsteuerklasse II noch keine Lohnsteuer an. Unter Umständen ist es daher sinnvoll, die Aushilfsbeschäftigung in der Gaststätte über die individuelle Besteuerung abzuwickeln. Die über ELStAM mit der Steuerklasse VI einbehaltene Lohnsteuer kann im Rahmen der Einkommensteuererklärung vom Finanzamt (anteilig) erstattet werden. Zudem kann sich die Arbeitnehmerin wegen ihres geringen Entgelts bei Arbeitgeber A in den ELStAM einen Freibetrag im Falle der Steuerklasse VI und in gleicher Höhe einen Hinzurechnungsbetrag im Falle der Steuerklasse II eintragen lassen. Damit kann der Lohnsteuerabzug bei der Steuerklasse VI deutlich verringert werden.

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