Lohnsteuerrechtliche Bewert... / 8.2 Wöchentliche Familienheimfahrten

8.2.1 Fahrtkosten in Höhe der Entfernungspauschale

Für eine wöchentlich tatsächlich durchgeführte Familienheimfahrt gilt eine Entfernungspauschale von 0,30 EUR für jeden vollen Kilometer der Entfernung zwischen dem Ort des eigenen Hausstands und dem Beschäftigungsort.[1] Die Entfernungspauschale für eine wöchentliche Familienheimfahrt im Rahmen einer doppelten Haushaltsführung kann aufwandsunabhängig in Anspruch genommen werden.[2] Für den Werbungskostenabzug der wöchentlichen Familienheimfahrt ist daher zunächst unerheblich, mit welchem Verkehrsmittel die Heimfahrten durchgeführt werden und ob dem Steuerpflichtigen Kosten für diese Wege entstanden sind. Steuerfrei geleistete Reisekostenvergütungen und steuerfrei gewährte Freifahrten sind jedoch mindernd auf die Entfernungspauschale anzurechnen. Dementsprechend sind Familienheimfahrten mit dem Firmenwagen nicht abzugsfähig.[3]

Die Entfernungspauschale berechnet sich für die wöchentliche Heimfahrt wie bisher nach der Gesamtstrecke zwischen auswärtigem Beschäftigungsort und Ort des eigenen Hausstands. Die Begrenzung des Werbungskostenabzugs auf 4.500 EUR ist im Rahmen der doppelten Haushaltsführung ohne Bedeutung.

 
Wichtig

Nachweis der Wochenendheimfahrten bei hoher Fahrleistung

Bei größeren Entfernungen zwischen Familienwohnung und auswärtigem Beschäftigungsort fallen regelmäßig hohe Werbungskosten an. Da der Ansatz der Entfernungspauschale daran geknüpft ist, dass Familienheimfahrten tatsächlich durchgeführt werden[4], verlangen die Finanzämter insbesondere bei hoher Pkw-Fahrleistung den Nachweis der tatsächlichen Pkw-Nutzung.

Es empfiehlt sich, durch geeignete Belege Beweisvorsorge zu treffen. In Betracht kommen die Tachometerstände in TÜV- oder Inspektionsrechnungen, aus denen sich die Gesamtjahresfahrleistung des jeweiligen Pkw ergibt.

Der Nachweis der für das Fahrzeug tatsächlich angefallenen Kosten ist dagegen nicht erforderlich.

8.2.2 Sonderfall: Abzug der tatsächlichen Fahrtkosten

Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel

Übersteigen bei Benutzung öffentlicher Verkehrsmittel die tatsächlichen Kosten die anzusetzende Entfernungspauschale, können die höheren Kosten als Werbungskosten geltend gemacht werden.[1]

Unfallkosten

Ferner sind Unfallkosten im Rahmen einer doppelten Haushaltsführung als außergewöhnliche Werbungskosten abzugsfähig, die mit dem Ansatz der Entfernungspauschale nicht abgegolten sind. Damit ist insoweit auch der zusätzliche steuerfreie Arbeitgeberersatz möglich.

Flugkosten

Der Ansatz der Entfernungspauschale gilt nicht für Flugstrecken. Flugkosten, die für die wöchentliche Heimfahrt im Rahmen einer doppelten Haushaltsführung anfallen, dürfen ausschließlich in Höhe der nachgewiesenen tatsächlich angefallenen Kosten angesetzt werden, sowohl für den Werbungskostenabzug als auch für die steuerfreie Arbeitgebererstattung.[2]

Arbeitnehmer mit Behinderung

Eine weitere Ausnahme vom Ansatz der Entfernungspauschale gilt bei behinderten Arbeitnehmern mit einem Behinderungsgrad von mindestens 70 bzw. bei behinderten Arbeitnehmern, die erheblich gehbehindert sind und bei denen ein Behinderungsgrad von mindestens 50 vorliegt. Bei diesen Arbeitnehmern werden anstelle der Entfernungspauschale die tatsächlichen Kosten für eine Familienheimfahrt pro Woche bzw. die tatsächlichen Kfz-Kosten oder stattdessen der für Auswärtstätigkeiten geltende Kilometersatz von 0,30 EUR bei Pkw-Benutzung anerkannt.

8.2.3 Geldwerter Vorteil bei Benutzung des Dienstwagens

Benutzt der Arbeitnehmer für die wöchentliche Heimfahrt einen betrieblichen Pkw, entsteht kein steuerpflichtiger geldwerter Vorteil[1], solange die doppelte Haushaltsführung besteht.

Wird der Dienstwagen für mehr als eine Heimfahrt wöchentlich benutzt, so ist für die zweite und jede weitere Familienheimfahrt in der gleichen Woche ein geldwerter Vorteil von 0,002 % des Pkw-Bruttolistenpreises am Tag der Erstzulassung je Kilometer der Entfernung zwischen dem Beschäftigungsort und dem Ort des eigenen Hausstands dem steuerpflichtigen Arbeitslohn hinzuzurechnen.[2] Eine Pauschalbesteuerung mit 15 % ist nicht möglich.[3]

8.2.4 Umgekehrte Familienheimfahrten

Ist ein Arbeitnehmer aus beruflichen Gründen gehindert, selbst eine Familienheimfahrt zu unternehmen, werden auch die Fahrtkosten (nicht aber Verpflegungs- und Unterkunftskosten) des Ehe-/Lebenspartners und ggf. der Kinder für eine Besuchsfahrt zum Arbeitsort anerkannt.[1] Das gilt auch dann, wenn sich der Arbeitsplatz im Ausland befindet und der Aufenthalt der Angehörigen von längerer Dauer ist.

Die Fahrtkosten können jedoch nur bis zu dem Betrag abgezogen werden, der bei Inanspruchnah...

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