Bewertung lohn- und einkomm... / 6 Hinzurechnungsbetrag bei mehreren Jobs

6.1 Hohe Besteuerung bei Steuerklasse VI vermeiden

Wird der Arbeitslohn aus einem zweiten oder weiteren Dienstverhältnis nach der Steuerklasse VI besteuert, fallen für den Arbeitslohn ab dem ersten Euro Steuerabzugsbeträge an. Im Rahmen des Lohnsteuer-Ermäßigungsverfahrens besteht für geringverdienende Arbeitnehmer, die gleichzeitig mehrere Beschäftigungsverhältnisse ausüben, für das zweite oder weitere Beschäftigungsverhältnis ein sog. Hinzurechnungsbetrag. Hierzu wird für den Arbeitslohn, der nach Steuerklasse VI besteuert wird, ein Freibetrag und in gleicher Höhe für das erste Dienstverhältnis (Steuerklassen I-V) ein Hinzurechnungsbetrag angesetzt.

Hinzurechnungsbetrag muss beantragt werden

Arbeitnehmer können für die Steuerklasse VI einen Freibetrag bis zur Höhe der Eingangsstufe nach der Steuerklasse des ersten Dienstverhältnisses in Anspruch nehmen. Das Finanzamt bildet dann in gleicher Höhe einen Hinzurechnungsbetrag als Lohnsteuerabzugsmerkmal für das erste Dienstverhältnis des Arbeitnehmers. Dadurch können die nach den persönlichen Verhältnissen des Arbeitnehmers für das erste Dienstverhältnis zu gewährenden Freibeträge bei mehreren Arbeitsverhältnissen beliebig verteilt werden.

 

Hinweis

Mehrere Beschäftigungen und trotzdem geringes Einkommen

Durch den Freibetrag bei Steuerklasse VI kann im Ergebnis der Arbeitslohn aus sämtlichen Dienstverhältnissen beim Lohnsteuerabzug steuerfrei bleiben, wenn er in der Summe die steuerfreie Eingangsstufe nicht überschreitet. Insbesondere Betriebsrentner mit Minijobs können damit den Steuerabzug für geringfügige Beschäftigungen vermeiden. Dasselbe gilt für Studenten mit mehreren Dienstverhältnissen.

Eintragungsvoraussetzungen

Voraussetzung für die Berücksichtigung des Freibetrags beim weiteren Arbeitsverhältnis ist, dass der Jahresarbeitslohn aus dem ersten Dienstverhältnis den nach der jeweiligen Steuerklasse maßgebenden Eingangsbetrag der Jahreslohnsteuertabelle unterschreitet und gleichzeitig beim ersten Dienstverhältnis i. H. d. bescheinigten Freibetrags ein dem Arbeitslohn hinzuzurechnender Betrag (Hinzurechnungsbetrag) berücksichtigt wird.

Begrenzung des Frei- und Hinzurechnungsbetrags nach oben

Der Freibetrag für die ELStAM mit der Steuerklasse VI ist begrenzt auf den abgerundeten Eingangsbetrag, bis zu dem nach der für die Steuerklasse des ersten Dienstverhältnisses maßgebenden Jahreslohnsteuerermittlung keine Lohnsteuer anfällt. Aus Vereinfachungsgründen wird darauf verzichtet, die Übertragung des Grundfreibetrags auf den Teilbetrag zu beschränken, der nach Anrechnung des Arbeitslohns im ersten Dienstverhältnis der nicht ausgeschöpften Eingangsstufe entspricht.

Für 2020 ergeben sich für einen rentenversicherungspflichtigen Arbeitnehmer folgende steuerfreien Maximalbeträge, die im Lohnsteuer-Ermäßigungsverfahren auf die Steuerklasse VI übertragen werden dürfen:

 
  Steuerfreier Maximalbetrag
  jährlich monatlich
Steuerklasse I 12.974 EUR 1.081 EUR
Steuerklasse II 15.342 EUR 1.278 EUR
Steuerklasse III 24.662 EUR 2.055 EUR
Steuerklasse IV 12.974 EUR 1.081 EUR
Steuerklasse V 1.295 EUR 107 EUR

Sozialversicherungsrechtliche Beurteilung

Der Freibetrag bei Steuerklasse VI ist ein steuerlicher Freibetrag, der keinerlei Einfluss auf die Höhe des zur Sozialversicherung beitragspflichtigen Arbeitsentgelts hat. Bei der Entgeltabrechnung müssen eventuell abzuführende Beiträge zur Kranken-, Pflege-, Renten- und Arbeitslosenversicherung vom ungekürzten Arbeitsentgelt, die Lohnsteuer hingegen aus dem gekürzten Betrag berechnet werden. Entsprechendes gilt für den Hinzurechnungsbetrag; auch insoweit werden die Beiträge zur Sozialversicherung auf der Grundlage des tatsächlich erzielten Arbeitsentgelts ermittelt.

6.2 Optimale Verteilung des Frei- und Hinzurechnungsbetrags

Obgleich der Wortlaut der Freibetragsregelung eine Übertragung des Grundfreibetrags bis zu den o. g. Beträgen zulässt, sollte der Arbeitnehmer keinen höheren Betrag beantragen, als dies zur Vermeidung des Lohnsteuerabzugs im zweiten oder weiteren Dienstverhältnis erforderlich ist. Insbesondere mit Blick auf das für das erste Dienstverhältnis zu bildende elektronische Lohnsteuerabzugsmerkmal und den in gleicher Höhe zu bildenden Hinzurechnungsbetrag empfiehlt es sich, den Hinzurechnungsbetrag auf die Differenz zwischen den o. a. Eingangsstufen und dem Jahresarbeitslohn aus dem ersten Dienstverhältnis zu beschränken.

 

Praxis-Beispiel

Aufteilung des Freibetrags

Ein Student bezieht in 2019 als wissenschaftliche Hilfskraft einen monatlichen Arbeitslohn von 500 EUR (Steuerklasse I). Zusätzlich nimmt er eine Aushilfstätigkeit für monatlich 300 EUR an. Der Arbeitgeber bekommt bei Abruf der ELStAM Steuerklasse VI übermittelt. Zusätzlich kann der Student eine Bescheinigung des Finanzamts mit seinen aktuell gespeicherten Daten u. a. über den gewährten Freibetrag vorlegen.

Ergebnis: Der Jahresarbeitslohn aus dem ersten Dienstverhältnis (6.000 EUR) liegt unterhalb des Eingangsbetrags von 12.599 EUR (2019) für die Berechnung der Jahreslohnsteuer bei Steuerklasse I; der max. Frei- bzw. Hinzurechnungsbetrag beträgt 12.599 EUR.

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