Anthropometrie / 2 Abmessungen des menschlichen Körpers

Die Körperlängenmaße und Körperumfangmaße eines jeden Menschen differieren; über die gesamte Bevölkerung betrachtet sind sie normalverteilt. Die dadurch entstehenden Gaußschen Glockenkurven für Frau und Mann lassen die absoluten Grenzen und die Mittelwerte für diese Körpermaße erkennen.

Die hohe Variationsbreite der Körpermaße muss bei der Gestaltung von Produkten und Arbeitsplätzen beachtet werden. Einen Durchschnittsmenschen zu definieren und sich bei der Gestaltung an dessen Abmessungen zu orientieren, ist in den meisten Fällen nicht sinnvoll. Auf der anderen Seite würde eine Dimensionierung an dem denkbar kleinsten und größten Anwender zu unverhältnismäßigen Auslegungsanforderungen führen. Deswegen werden Grenzen für den Anpassungsbereich eines Gegenstands festgelegt, die üblicherweise von dem 5. und dem 95. Perzentil gebildet werden.

Ein Perzentilwert gibt an, wie viel Prozent der Menschen in der interessierenden Bevölkerungsgruppe in Bezug auf ein bestimmtes Körpermaß kleiner im Vergleich zum angegebenen Wert sind.

Abb. 2 zeigt die Körperhöhenverteilung der deutschen Bevölkerung und zugehörige Perzentilwerte für Frauen und Männer nach DIN 33402-2 (2005).

Abb. 2: Körperhöhenverteilung für die deutsche Bevölkerung von 18 bis 65 Jahren[1]

Da die Maße zwischen Frauen und Männern eine hohe Differenz aufweisen, werden diese beiden Gruppen üblicherweise getrennt erfasst. Die Darstellung besagt also z. B., dass 95 % der deutschen Frauen kleiner als 1,72 m sind.

Als Grenzwerte für die Dimensionierung eines Gegenstands dienen i. d. R. die Maße einer Frau des 5. Perzentils (F5) und die Maße eines Mannes des 95. Perzentils (M95). Abb. 2 zeigt, dass bei der Verwendung dieser Grenzwerte ungefähr 95 % der Bevölkerung zwischen 18 und 65 Jahren berücksichtigt werden.

[1] DIN 33402 Teil 2, 2005.

2.1 Einflussfaktoren auf die Abmessungen des menschlichen Körpers

Für die maßliche Auslegung von Produkten und Arbeitsplätzen ist es wichtig, Einflussfaktoren auf die Abmessungen des menschlichen Körpers zu kennen und dementsprechend zu berücksichtigen. Nachfolgend werden diese Einflussfaktoren erläutert.

Geschlecht

Abb. 2 verdeutlicht am Beispiel der Körperhöhe, dass das Geschlecht einen entscheidenden Einfluss auf die Körpermaße des Menschen hat. So sind Frauen in Deutschland durchschnittlich ca. 13 cm kleiner als Männer. Verallgemeinert kann zudem gesagt werden, dass Frauen schmalere Schultern, kürzere Extremitäten und ein breiteres Becken aufweisen.

Alter

Das Altern ist ein biologischer Vorgang, der mit Rückbildungs- und Abbauerscheinungen einhergeht. Die Abnutzung der Bandscheiben, das Absenken der Fußsohlen, die muskelbedingte Veränderung der Körperhaltung und weitere Phänomene sind Ursachen dafür, dass der Mensch mit zunehmendem Alter an Körperhöhe verliert.

Säkulare Akzeleration

In den meisten Industrienationen kann seit einigen Generationen eine Beschleunigung des Wachstums beobachtet werden. Damit in Verbindung steht eine Zunahme der Endmaße, insbesondere der Körperhöhe.

Ethnische Unterschiede

Körperabmessungen weisen genetisch bedingte Unterschiede zwischen ethnischen Gruppen auf, weswegen es zu regionalen Unterschieden kommt. So sind z. B. Nordeuropäer durchschnittlich 8 cm größer als Südeuropäer. Durch die Globalisierung gewinnt die Kenntnis über die Körpermaße der einzelnen Bevölkerungen der Erde an Bedeutung.

Proportionale Unterschiede

Bei der Gestaltung von Produkten und Arbeitsplätzen darf nicht von einem gleichmäßig proportionierten Menschen ausgegangen werden. Menschen gleicher Körperhöhe können sich in anderen Körperlängenmaßen stark unterscheiden. Große Menschen haben nicht zwangsläufig lange Gliedmaßen.

2.2 Maßtabellen und Gestaltungsregeln

Im Folgenden werden zunächst Maßangaben aus Normen vorgestellt. Anschließend werden die wichtigsten Gestaltungsgrundsätze für die Arbeit mit den vorhandenen Maßen erläutert.

2.2.1 Maßangaben aus Normen

Die oben genannten Einflussfaktoren auf die Abmessungen des menschlichen Körpers belegen, dass die verschiedenen Maßtabellen nach bestimmten Kriterien zu nutzen sind. Zunächst muss unbedingt berücksichtigt werden, welche Charakteristika die von der verwendeten Maßtabelle zur Verfügung gestellten Daten besitzen. Hiermit ist neben Alter der Daten (Stichwort säkulare Akzeleration), der betrachteten Bevölkerungsgruppe (Stichwort ethnische Unterschiede) auch die Frage gemeint, ob die Daten für bekleidete oder unbekleidete Menschen gelten.

Die DIN 33402-2 (2005) stellt Körpermaßtabellen für unbekleidete Personen zur Verfügung (s. Abb. 3).

Abb. 3: Ausgewählte Körpermaße[1]

Im Gegensatz dazu beinhaltet die DIN EN ISO 3411 (2007) Körpermaße für lediglich mit Schuhen bekleidete Maschinenführer. Der in den Daten enthaltene Zuschlag für das Schuhwerk beträgt 25 mm. Der Einfluss von weiterer Kleidung ist in diesen Maßen nicht berücksichtigt (vgl. Abb. 4). Neben den hier dargestellten Maßen für den stehenden Maschinenführer stellt die Norm auch Maße für Maschinenführer im Sitzen zur Verfügung.

Abb. 4: Körpermaße eines stehenden, mit Schuhen bekleideten Maschinenführers[2]

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