Anthropometrie

Zusammenfassung

 

Begriff

Anthropometrie ist die Lehre von der Ermittlung und Anwendung der Körpermaße des Menschen. Im Rahmen von Produkt- und Arbeitsplatzgestaltung dient dies dem Ziel, eine optimale räumliche und förmliche Anpassung an den Menschen zu ermöglichen.

1 Anpassung an den Nutzer

Produkte und Arbeitsplätze müssen in ihrer maßlichen Gestaltung an den Kunden bzw. den späteren Nutzer angepasst sein, um eine optimale Funktionalität zu gewährleisten. Neben der Befriedigung von Komfortansprüchen kann dadurch vor allen Dingen entscheidender Einfluss auf die Sicherheit und Gesundheit im Umgang mit dem entstehenden Produkt genommen werden.

Es lassen sich folgende Anforderungskategorien zur nutzergerechten maßlichen Auslegung von Produkten und Arbeitsplätzen formulieren:

  • Sicherheit (Einhaltung von Sicherheitsabständen),
  • Erreichbarkeit, Funktionssicherheit (z. B. bei Betätigung von Stellteilen),
  • ausreichender Bewegungsraum (Zugänglichkeit für Teile des Körpers, Freiräume, Wirkräume),
  • physiologisch günstige Körperhaltungen (Anpassung an wechselnde Belastungen),
  • sicheres und ermüdungsarmes Handhaben von Gegenständen,
  • Optimierung der Sichtgeometrie (Sichtmaße, Blickwinkel, -felder).

Das Risiko von Gesundheitsschäden und Unfällen kann dementsprechend schon bei der Planung und Entwicklung von Produkten und Arbeitsplätzen durch die geeignete, körpermaßgerechte Auslegung positiv beeinflusst werden.

 

Wichtig

Unterschiedliche Körpermaße

Es muss beachtet werden, dass die große Mehrheit der Produkte und Arbeitsplätze später von einer Vielzahl von Anwendern genutzt werden soll. Unterschiedliche Anwender bringen unterschiedliche Körpermaße mit sich. Dies muss bei der Gestaltung von Abmaßen und Verstellbereichen von Produkten und Arbeitsplätzen berücksichtigt werden. Ein und dasselbe Fahrzeug muss z. B. sowohl von einer kleinen Frau als auch von einem großen Mann einschränkungsfrei gefahren werden können.

Aus diesen Gründen ist die Kenntnis über die verschiedenen Körpermaße des Menschen eine wesentliche Voraussetzung für die Produktentwicklung sowie die Arbeitsplatzgestaltung. Abb. 1 gibt einen Überblick.

Abb. 1: Körpermaße des Menschen

Körpermaße im engeren Sinne sind räumliche Begrenzungsmaße des menschlichen Körpers. Es handelt sich um statische Maße, die sich aus den Skelett- und Umrissmaßen ergeben. Man spricht deswegen auch von Abmessungen des menschlichen Körpers.

Funktionsmaße sind dynamische Maße, die die Aktions- und Freiräume der Körperteile wiedergeben.

2 Abmessungen des menschlichen Körpers

Die Körperlängenmaße und Körperumfangmaße eines jeden Menschen differieren; über die gesamte Bevölkerung betrachtet sind sie normalverteilt. Die dadurch entstehenden Gaußschen Glockenkurven für Frau und Mann lassen die absoluten Grenzen und die Mittelwerte für diese Körpermaße erkennen.

Die hohe Variationsbreite der Körpermaße muss bei der Gestaltung von Produkten und Arbeitsplätzen beachtet werden. Einen Durchschnittsmenschen zu definieren und sich bei der Gestaltung an dessen Abmessungen zu orientieren, ist in den meisten Fällen nicht sinnvoll. Auf der anderen Seite würde eine Dimensionierung an dem denkbar kleinsten und größten Anwender zu unverhältnismäßigen Auslegungsanforderungen führen. Deswegen werden Grenzen für den Anpassungsbereich eines Gegenstands festgelegt, die üblicherweise von dem 5. und dem 95. Perzentil gebildet werden.

Ein Perzentilwert gibt an, wie viel Prozent der Menschen in der interessierenden Bevölkerungsgruppe in Bezug auf ein bestimmtes Körpermaß kleiner im Vergleich zum angegebenen Wert sind.

Abb. 2 zeigt die Körperhöhenverteilung der deutschen Bevölkerung und zugehörige Perzentilwerte für Frauen und Männer nach DIN 33402-2 (2005).

Abb. 2: Körperhöhenverteilung für die deutsche Bevölkerung von 18 bis 65 Jahren

Da die Maße zwischen Frauen und Männern eine hohe Differenz aufweisen, werden diese beiden Gruppen üblicherweise getrennt erfasst. Die Darstellung besagt also z. B., dass 95 % der deutschen Frauen kleiner als 1,72 m sind.

Als Grenzwerte für die Dimensionierung eines Gegenstands dienen i. d. R. die Maße einer Frau des 5. Perzentils (F5) und die Maße eines Mannes des 95. Perzentils (M95). Abb. 2 zeigt, dass bei der Verwendung dieser Grenzwerte ungefähr 95 % der Bevölkerung zwischen 18 und 65 Jahren berücksichtigt werden.

2.1 Einflussfaktoren auf die Abmessungen des menschlichen Körpers

Für die maßliche Auslegung von Produkten und Arbeitsplätzen ist es wichtig, Einflussfaktoren auf die Abmessungen des menschlichen Körpers zu kennen und dementsprechend zu berücksichtigen. Nachfolgend werden diese Einflussfaktoren erläutert.

Geschlecht

Abb. 2 verdeutlicht am Beispiel der Körperhöhe, dass das Geschlecht einen entscheidenden Einfluss auf die Körpermaße des Menschen hat. So sind Frauen in Deutschland durchschnittlich ca. 13 cm kleiner als Männer. Verallgemeinert kann zudem gesagt werden, dass Frauen schmalere Schultern, kürzere Extremitäten und ein breiteres Becken aufweisen.

Alter

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