ABC der wichtigsten Abmahnungsgründe

Kurzbeschreibung

Die Übersicht zeigt die wichtigsten Abmahnungsgründe von A bis Z.

Vorbemerkung

Eine Kündigung aus Verhaltensgründen setzt grundsätzlich mindestens eine Abmahnung voraus. Die Abmahnung ist nicht gesetzlich geregelt, jedoch ist auf bestimmte Formalien zu achten. Sie muss diese Inhalte haben:
• ein konkretes Verhalten beanstanden,
• den Arbeitnehmer auffordern, sich zukünftig vertragsgemäß zu verhalten, und
• ihm für den Fall der Wiederholung arbeitsrechtliche Konsequenzen aufzeigen.
Unrechtmäßig erteilte Abmahnungen sind aus der Personalakte zu entfernen. Wurde eine Abmahnung zu Recht erteilt, kann der Arbeitnehmer die Entfernung aus der Personalakte erst verlangen, wenn das gerügte Verhalten in jeder Hinsicht bedeutungslos geworden ist (BAG, Urteil v. 19.7.2012, 2 AZR 782/11).
Achtung: Im Kleinbetrieb gilt das Kündigungsschutzgesetz in der Regel nicht und damit ist die Abmahnung auch keine rechtliche Voraussetzung für eine Kündigung. Hier hat die Abmahnung den Zweck, den Mitarbeiter aufzurütteln. Er soll unmissverständlich wissen, dass Sie sein Verhalten nicht billigen. Nur wenn im Kleinbetrieb ausnahmsweise das Kündigungsschutzgesetz gilt, hat die Abmahnung darüber hinaus die Funktion, eine Kündigung vorzubereiten.

Übersicht: die wichtigsten Abmahnungsgründe von A bis Z

ABC der wichtigsten Abmahnungsgründe
Ärztliche Untersuchung
Bestehen erhebliche Zweifel an einer krankheitsbedingten Arbeitsunfähigkeit und weigert sich der Arbeitnehmer, an einer vom Medizinischen Dienst der Krankenkasse angeordneten ärztlichen Untersuchung teilzunehmen, kann er abgemahnt werden.
Alkohol
Verstöße des Arbeitnehmers gegen betriebliche Alkoholverbote sind vor Ausspruch einer Kündigung regelmäßig abzumahnen. Besteht allerdings bereits eine Alkoholabhängigkeit, geht eine Abmahnung ins Leere, da der Arbeitnehmer sein Verhalten nicht mehr ohne weiteres steuern kann.
Anzeigepflicht bei Arbeitsunfähigkeit
Zeigt der Arbeitnehmer eine Arbeitsverhinderung nicht oder nicht rechtzeitig an, kann er abgemahnt werden.
Arbeitsanweisungen, Nichtbefolgen von
Der Arbeitgeber kann einen Arbeitnehmer abmahnen, der berechtigte Arbeitsanweisungen des Vorgesetzten nicht befolgt.
Arbeitsbummelei
Trödelt der Arbeitnehmer bei der Ausführung seiner Tätigkeiten vorsätzlich, kann er abgemahnt werden.
Arbeitsunfähigkeit, Verhalten bei
Verstößt der Arbeitnehmer gegen seine Verpflichtung, sich bei bestehender, krankheitsbedingter Arbeitsunfähigkeit genesungsfördernd zu verhalten, kann er abgemahnt werden.
Arbeitszeit
Verstöße des Arbeitnehmers gegen die Arbeitszeitvorgaben (Beginn und Ende der täglichen Arbeitszeit oder Beginn, Dauer, Ende der Pausen) berechtigen den Arbeitgeber zum Ausspruch einer Abmahnung.
Außerdienstliches Verhalten
ist grundsätzlich nicht kündigungsrelevant. Ausnahme: wenn sich das zu beanstandende außerdienstliche Verhalten auf das Arbeitsverhältnis auswirken kann. Auch hier muss zunächst abgemahnt werden.
Ausländerfeindliche Äußerungen
sind vor Ausspruch einer Kündigung abzumahnen. In schwerwiegenden Fällen kann auch sofort gekündigt werden.
Beleidigungen
Beleidigungen von Vorgesetzten, Kunden oder Kollegen berechtigen den Arbeitgeber in jedem Fall zum Ausspruch einer Abmahnung; in schweren Fällen kann auch sofort gekündigt werden.
Benehmen,
Schlechtes Benehmen gegenüber Vorgesetzten, Kollegen und Kunden kann abgemahnt werden
Betriebsfrieden
Stört der Arbeitnehmer den Betriebsfrieden, ist der Arbeitgeber abmahnberechtigt.
Betriebsordnung
Verstöße des Arbeitnehmers gegen eine geltende Betriebsordnung berechtigen den Arbeitgeber zu einer Abmahnung.
Führungseigenschaft, fehlende
Sofern die fehlende Führungseigenschaft Arbeitsabläufe und/oder die betriebliche Zusammenarbeit beeinträchtigt, ist vor einer Kündigung abzumahnen. Bei der Formulierung sind konkrete Versäumnisse zu nennen, allgemeine Aussagen reichen nicht.
Internetnutzung
Benutzt der Arbeitnehmer den betrieblichen Internetzugang verbotenerweise für private Zwecke, ist er vor Ausspruch einer Kündigung im Regelfall abzumahnen. Ausschweifendes privates Surfen berechtigt auch unmittelbar zur Kündigung.
Lohnpfändungen
Lohnpfändungen dürfen nicht abgemahnt werden, weil der Arbeitnehmer bei der Gestaltung seiner privaten Vermögensverhältnisse nicht durch arbeitsvertragliche Nebenpflichten gebunden ist.
Nachweispflicht bei Krankheit
Legt der Arbeitnehmer die erforderliche Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung nicht oder nicht rechtzeitig vor, kann er abgemahnt werden.
Nebentätigkeit
Verstöße des Arbeitnehmers gegen zulässige vertragliche Nebentätigkeitsverbote sind vor Ausspruch einer verhaltensbedingten Kündigung regelmäßig abzumahnen. Ist der Arbeitnehmer zur Anzeige von Nebentätigkeiten verpflichtet, kann ein Verstoß gegen die Anzeigepflicht ebenfalls abgemahnt werden.
Pausen, Überziehen von
Verlängert der Arbeitnehmer eigenmächtig die Pausenzeiten, kann der Arbeitgeber eine Abmahnung aussprechen.
Probezeit/Wartezeit und Kleinbetrieb
In den ersten 6 Monaten eines Arbeitsverhältnisses kann unabhängig von der Betriebsgrö...

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