Notfallmanagementsystem im Rettungsdienst Niedersachsen

In Niedersachsen soll die Nutzung eines digitalen Vernetzungssystems für die Notfallversorgung ausgebaut werden. Das System erleichtert die Suche nach freien und geeigneten Notfallplätzen, auch über Landkreisgrenzen hinaus. 

Die niedersächsische Landessozialministerin Carola Reimann setzt sich für die landesweite Nutzung des Notfallmanagementsystems Ivena im Rettungswesen ein. Bei dem System sind Krankenhäuser, Leitstelle und Rettungswagen digital miteinander vernetzt. Notfallpatienten werden dadurch schneller zu geeigneten Notaufnahmen gebracht, mühsames Herumtelefonieren nach freien Krankenhäusern entfällt.

Schnelle und effektivere Versorgung

«Das ist ein System, das Unterstützung bringt für die Profis und was Zeit spart für die Patienten», sagte die SPD-Politikerin am Donnerstag in Osnabrück. Bis 2022 stelle das Land 2,8 Millionen Euro für den Ausbau zur Verfügung. Auch das Land Bremen habe sich dem System angeschlossen. Derzeit nutzen 17 Leitstellen und 74 Krankenhäuser in Niedersachsen das System. Osnabrück, Hannover und Oldenburg gehören seit 2015 zu den Vorreitern.

Frühzeitige Vorbereitung in den Kliniken

Bei dem System sind die Teams in den Rettungswagen, die Leitstelle und die Krankenhäuser in Echtzeit miteinander vernetzt. Die Krankenhäuser bekommen vorab Informationen über die Art des Notfalls, etwa, ob es eine Kopfverletzung nach einem Fahrradunfall ist oder ob es sich um einen Herzinfarkt handelt. Dazu gibt es Informationen zu Alter und Geschlecht des Patienten. Damit könnten die Kliniken schon Betten vorbereiten und Fachärzte informieren, während der Rettungswagen noch mit Blaulicht unterwegs ist, erklärte Andreas Mennewisch, ärztlicher Leiter der Rettungsstelle beim Landkreis Osnabrück.

Kapazitäten effektiver nutzen

Auch habe sich die zielgenaue Auswahl der in Frage kommenden Notfallstationen durch Ivena deutlich beschleunigt, sagte Mennewisch. Dank des Systems wüssten die Disponenten genau, welches Krankenhaus überhaupt Kapazitäten etwa für einen Herzinfarkt habe und welche Klinik gerade mehr oder weniger stark frequentiert sei. «Früher hat man teilweise 30, sogar 40 Minuten nach einem freien Bett herumtelefoniert», sagte Mennewisch. Das sei den Patienten nicht zumutbar gewesen.

Über Landkreisgrenzen hinaus

Ein Vorteil des aus Hessen stammenden Systems sei auch, dass es leitstellenübergreifend vernetzt sei, so dass gerade für Notfälle auf dem Land die Suche nach freien Notfallplätzen nicht an der Landkreisgrenze halt mache. Der Wermutstropfen: Während die Leitstellen in den Regionen Osnabrück, Oldenburg und Hannover Daten austauschen können, geht das mit dem benachbarten NRW noch nicht. Bei Patienten, die rasch nach Ostwestfalen oder ins Münsterland gebracht werden sollen, müssen die Disponenten noch zum Telefonhörer greifen. Es gebe aber schon erste Gespräche auch mit den westfälischen Nachbarn, sagte Reimann.

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