Mehr Werkswohnungen für Landesbeschäftigte in Berlin
Finanzsenator Stefan Evers (CDU) und SPD-Fraktionschef Raed Saleh unterstrichen, dass derartige Angebote zusätzlich zu fairer Bezahlung und guten Arbeitsbedingungen essenziell seien im Wettbewerb um die besten Köpfe und um Fachkräfte. Schließlich sei bezahlbarer Wohnraum in der Stadt knapp. Daher genieße das Thema im Senat und in der Koalition hohe Priorität.
Sogenannte Werkswohnungen gibt es derzeit vor allem für Mitarbeiter oder Auszubildende der Klinikkonzerne Charité und Vivantes, aber auch für Polizeianwärter. In Planung ist ein Vorhaben für die Berliner Feuerwehr. Evers zufolge laufen zudem Gespräche über Wohnungen für Mitarbeiter der Finanzämter.
Werkswohnungen für Beschäftigte der Charité
Die Charité verfügt nach den Worten ihrer Vorständin für Finanzen und Infrastruktur, Astrid Lurati, über etwa 500 Wohnungen für Beschäftigte. Das Konzept funktioniere gut und helfe der Klinik bei der Anwerbung dringend benötigter medizinischer Fachkräfte im Ausland, etwa aus Albanien, Mexiko, der Türkei, Tunesien oder den Philippinen.
Diese dürfen bis zu zwei Jahre in den möblierten Wohnungen leben, erläuterte Lurati. «Sie können sich so zunächst auf das Erlernen der deutschen Sprache und ihre Arbeit konzentrieren und haben bei der schwierigen Suche nach einer eigenen Wohnung Zeit.» Die Charité wolle das Angebot ausbauen, auch für deutsche Pflegekräfte.
Leichterer Start für ausländische Fachkräfte
Das Gebäude an der Storkower Straße, das Evers und Saleh besichtigten, umfasst 76 Appartements vorwiegend für junge Fachkräfte, die die Klink im Ausland rekrutiert hat. Einer von ihnen ist Orhan Eskin Altinörs (26) aus der Türkei, der den Politikern, Medienvertretern und anderen Besuchern seine kleine Wohnung zeigte.
«Ich lebe seit acht Monaten hier», erzählte der Krankenpfleger, der auf der Kinderstation der Charité arbeitet. Er zahlt für 23 Quadratmeter einen Komplettpreis von rund 600 Euro an seinen Arbeitgeber, der die Miete dann an die Berlinovo weitergibt. «Ich fühle mich hier wohl», sagte er. «Das erleichtert mir den Start in Deutschland.» Ähnlich äußerte sich der 26-jährige Wassim Hadded, der aus Tunesien nach Berlin kam und seit neun Monaten ein etwas größeres Appartement bewohnt.
Nach den Gesprächen mit den beiden Bewohnern sowie Vertretern der Charité und der Berlinovo beklagte Saleh eine «verfehlte Debatte» beim Thema Integration und Zuwanderung. «Deutschland als Einwanderungsland ist angewiesen auf Zuzug und auf Fachkräfte», sagte er. «Wir brauchen die Menschen mehr, als die Menschen uns brauchen. Wir als Gesellschaft profitieren von diesen Menschen.»
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